Wie der PC den Büroalltag der Kantonalen Verwaltung Uri erleichterte

Mit dem PC verschwanden verschiedene Geräte aus dem Büro: von der Schreibmaschine über den Matrizendrucker bis hin zur Rechenmaschine. Eine grosse Errungenschaft war zudem die schnelle und perfekte Korrekturmöglichkeit.

Rolf Gisler-Jauch
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Die Generationen externer Speicherträger reichen von der «Floppy-Disk» über die Disk, Magnetband, CD-ROM und DVD bis hin zum Stick mit mehreren Gigabyte Speicherplatz. (Bild: PD)

Die Generationen externer Speicherträger reichen von der «Floppy-Disk» über die Disk, Magnetband, CD-ROM und DVD bis hin zum Stick mit mehreren Gigabyte Speicherplatz. (Bild: PD)

Bis zum Einzug des Personal Computer (PC) war die Schreibmaschine das wichtigste Gerät in einem Büro. Lange änderte sich an den Arbeitsabläufen nicht viel. Erfahrung zählte, und man verlor keinen Gedanken daran, dass es einmal anders werden könnte.

Dann kam der Computer, dessen Ziel es war, die Arbeitsabläufe zu automatisieren. Das war für nicht alle «Kanteendler» einfach. Walter Volkart, der damalige Chef der EDV-Abteilung, hatte dafür Verständnis. Rückblickend und schmunzelnd teilt er die Anwender des PC in drei Kategorien ein. Die Jungen seien voller Interesse gewesen, strotzten vor Energie. Einmal erklärt, hätten sie es begriffen. Bei ihnen musste man aufpassen, dass sie nicht beim «Herumpröblä» etwas Falsches machten. Die zweite Kategorie bildete das «Mittelalter». Die getrauten sich fast nicht, auf eine Taste zu drücken, aus Angst, etwas kaputt zu machen. Ihnen musste die Sache schonend beigebracht werden. Hatten sie es jedoch einmal begriffen, waren dies die Zuverlässigsten, da sie die Arbeit genau nach Vorschrift ausführten. Die dritte Kategorie waren diejenigen des gesetzteren Alters, welche die Neuerung nicht mehr mitmachen wollten und sich gegen den Einsatz der EDV sogar sträubten.

Die externen Speicher explodieren und die Tastatur erweitert sich

Beim PC wurden die Programme anfänglich von Disketten eingelesen. Die tragbaren magnetischen Datenträger wurden auch für den Datentransport von einer Arbeitsstation zur anderen sowie zur Datensicherung verwendet. Die erste Generation, die in der Kantonalen Verwaltung Verwendung fand, war die schwarze «Floppy-Disk», was ungefähr mit «wabbeliger Scheibe» ins Deutsche zu übersetzen wäre. Sie war 5 ¼ Zoll (130 mm) gross und hatte 1,2 Megabytes Speicherplatz. Sie wurde dann von der 3 ½ Zoll-Diskette (90 mm) mit fester Plastikhülle abgelöst, welche – obwohl kleiner – mit 1,44 Megabytes einen minim grösseren Speicher aufwies. Diese waren anfänglich ebenfalls schwarz und grau; dunkelblau war schon speziell. Schliesslich gab es auch die Diskette in den verschiedensten knalligen Farben, bis diese durch eine fad glitzernde matte Scheibe abgelöst wurden.

Aus dem Urner Staatsarchiv

Im Rahmen der Forschungsarbeit des Staatsarchivs Uri hat sich Staatsarchivar-Stellvertreter Rolf Gisler-Jauch, Altdorf, seit einiger Zeit intensiv mit der Aufarbeitung der Geschichte der Elektronischen Datenverarbeitung (EDV) in der Kantonalen Verwaltung befasst. Die «Urner Zeitung» publiziert im Rahmen einer Artikelserie in loser Folge fünf Beiträge. Bereits erschienen sind die Artikel «Wie der Computer in Uri Einzug hielt» (16. März), «Computerpioniere erinnern sich» (20. März) und «PC lösen Revolution in der Bürowelt aus» (23. März). Der letzte Beitrag setzt sich mit der neusten Entwicklung der IT auseinander.

Die Compact Disc (CD) wurde Anfang der 1980er-Jahre zuerst als Audioträger auf den Markt gebracht. Dann fand sie jedoch auch für die Datenspeicherung als CD-ROM Verwendung. Die Kunststoffscheibe liess mit 650 Megabytes den Speicherplatz explodieren, hatten doch auf einer CD die Daten von 450 Disketten Platz. Und die DVD stellte mit 4,7 Gigabytes einen noch viel grösseren Speicherplatz zur Verfügung. Die neuen Datenträger riefen nach immer neuen Laufwerken, die ihre Vorgänger alsbald verschwinden liessen. Heute ist das neuste externe Speichermedium der kleine Stick mit USB-Anschluss und zigfacher Speicherkapazität.

Die Buchstaben der Tastatur waren wie bei der Schreibmaschine angeordnet – es kamen jedoch zusätzliche Tasten wie die Befehlstasten hinzu. Die elektronische Schreibmaschine kannte durch den Wechsel des Kugelkopfs oder des Typenrads zwar bereits verschiedene Schriftgrössen. Mit einer speziellen Taste, die den Buchstaben zweimal versetzt auf das Papier hämmerte, konnten «fette» Titel geschrieben werden.

Wenig Möglichkeiten bei der Textgestaltung

Mit dem PC boten sich in der Gestaltung nun unbegrenzte Möglichkeiten – wenn man über die notwendige Software verfügte. Das in der Kantonalen Verwaltung eingesetzte Textverarbeitungsprogramm «TexAss» bot hinsichtlich Textgestaltung noch keine grosse Auswahl. Es gab auf dem Bildschirm nur eine Schriftart und Schriftgrösse. Um Textteile hervorzuheben, konnte die Sperr- oder die Fettschrift eingesetzt werden. Es gab ebenfalls die Funktion «Unterstreichen». Dafür musste die Kommandotaste (F10) in Kombination zu einem Buchstaben (U = Unterstreichen) gewählt werden. Eine neue Darstellungsart bot das Zentrieren vor allem der Titel. Die häufigste Kritik setzte dann auch bei den Schriftarten und -grössen an.

Mit den Microsoft-Programmen Word und Works verstummte der Ruf nach individuellen Schriften. Man hatte nun die Qual der Wahl. Der individuellen Entfaltungsmöglichkeit im Schriftbild wurde jedoch bald der Riegel geschoben, und im Dienste eines einheitlichen Erscheinungsbildes war gemäss Schriftenkonzept nur mehr offiziell eine Schrift zugelassen. Diese wechselte mit dem Geschmack der Zeit von Courier, Times New Roman über Helvetic (Arial) und Verdana bis hin zu Calibri. Im Staatsarchiv Uri wurde zur einheitlichen Beschriftung die Schrift «Antique Olive» gewählt. Dieses Zusatzprogramm musste mit jeder neuen Word-Version neu geladen werden. Zweimal ging das gut, dann löste sich die Exklusivität in der Standardschrift Arial auf.

Nebst der Tastatur schaffte sich auch die Maus einen festen Platz auf der Pultoberfläche und liess den Befehlstasten F1 bis F12 nur noch ausnahmsweise eine Anwendung zu. Mit dem «Kursor» kam ein neues Fremdwort in die deutsche Sprache und erheischte sich seitdem alltäglich millionenfacher Blicke.

«Tipp-Ex» ade: Neue Tasten erleichtern die Korrektur

Der PC revolutionierte den Arbeitsablauf im Büro. Bei der Schreibmaschine tippte die Sekretärin im Zehnfingersystem einen Text des Chefs ab Diktafon. Der Entwurf wurde von diesem handschriftlich korrigiert und von der Sekretärin wieder neu geschrieben. Es konnten weitere Korrekturen und Abschriften folgen. Wurde ein Tippfehler gemacht, gab es verschiedene Korrekturmethoden. Die älteste war der Radiergummi mit dem blauroten «Maschinengummi» und der Nachbearbeitung mit dem hellgrünen Bleistiftgummi. Der Brief war eine Visitenkarte. Wurde der noch so gut radierte Fehler von höherer Stelle entdeckt, musste der Brief nochmals fehlerfrei geschrieben werden.

In den 1960er-Jahren hatte eine kleine Papierfolie beziehungsweise eine Flüssigkeit Eingang in die Büros gefunden, die sich «Tipp-Ex» nannte. Mit diesem Wundermittel wurde der fehlerhafte Buchstabe mit dem «Tipp-Ex» dazwischen nochmals getippt, damit weiss übertüncht und (fast) unsichtbar gemacht. Das «Tipp-Ex» war so gebräuchlich, dass es eine eigene Halterung an der Schreibmaschine erhielt. Für Entwürfe mit grösseren Korrekturen wurde das flüssige «Tipp-Ex» eingesetzt.

Die nächste Revolution bildete die Schreibmaschine mit der Korrekturtaste, die allerdings – wegen der teuren An-schaffungskosten – der Chefsekretärin vorbehalten war. Diese elektronische Schreibmaschine schlug und klebte die Buchstaben auf das Papier, und die Korrekturtaste – analog der Backspace-Taste am PC – löschte die letzten geschriebenen Buchstaben wieder aus, beziehungsweise nahm den Klebebuchstaben wieder vom Papier. Diese Methode war perfekt – jedoch nur für einzelne Tippfehler, die gleich entdeckt wurden.

Textverarbeitungsprogramme wurden verbessert

Der PC machte nun – dank den Tasten «Delete» und «Backspace» – alle Korrekturbemühungen überflüssig. Damit konnte immens Zeit eingespart werden. Damit büsste jedoch die Arbeit der Sekretärin an Wertschätzung ein, die es verstanden hatte, mehrseitige Berichte im ersten Anlauf fehlerfrei zu tippen. Nun wagten sich auch der Chef und höhere Beamte an die Tastatur. In der Verwaltung machte ein Witz die Runde: «Wie merkst du, dass der Chef am Computer war?» Die Antwort: «Wenn es Tipp-Ex am Bildschirm hat!» Die Textverarbeitungsprogramme wurden verbessert und setzten sich in den Dienst der korrekten Rechtschreibung. Bis schliesslich eine rote Wellenlinie unter dem Wort auf Fehler hinwies.

Vervielfältigung leicht gemacht

Früher kam für die Vervielfältigung von Dokumenten das Kohlenpapier zu Ehren, das man zwischen die Schreibpapiere legte. Wer mehr Kopien benötigte, musste zu einer Matrize greifen, die in die Schreibmaschine eingespannt wurde. Die «Schnapsmatrize» hatte die typische violette Farbe und noch einen typischeren Geruch, da die Folie beim Druckvorgang durch Spiritus benetzt wurde. Der löste winzige Partikel von der Matrize, das zu bedruckende Papier nahm diese auf – und die Kopie war hergestellt. Bei den «Wachsmatrizen» wurden farbdurchlässige Durchbrüche geschaffen. Wurde die Matrize mit Druckerschwärze eingefärbt, gelangte die Farbe nur an den Durchbrüchen auf das Papier. Diese Methode konnte mit einfachen, handbetriebenen Druckmaschinen umgesetzt werden. Der Matrizendrucker machte dem Drucker Platz und war vom PC aus – in der Regel mit der Eingabe der Kopienzahl – zu betätigen.

Zuerst kamen die Nadeldrucker in Einsatz, die einzeln angesteuerte Nadeln auf ein Farbband schlugen und dadurch die andere Seite des Farbbands jeweils punktuell mit dem Papier in Kontakt brachten. Ein gedrucktes Zeichen bestand jeweils aus einer Vielzahl solch charakteristischer Punkte. Der Nadeldruck, mit 9 oder nobler mit 24 Nadeln, war jedoch gegenüber dem Schriftbild der Schreibmaschine ein Rückschritt. Doch die Technik holte schnell auf, und die Nadeldrucker wurden durch anfänglich sündhaft teure Laserdrucker ersetzt. Der Tintenstrahldrucker brachte Farbe in den Ausdruck. Schliesslich wurde der Farblaser zum gehobenen Standard. Bei den Druckern fielen die Preise, jedoch nicht so sehr die Druckkosten.

Die Post ging elektronisch ab

Am Ende des zweiten Jahrtausends begann eine revolutionäre Idee die Welt zu verändern. 1989 entwickelte Tim Berners-Lee (*1955) am Institut Cern in Genf die Grundlagen des World Wide Web. Am 6. August 1991 machte er das Projekt eines Hypertextdienstes öffentlich und weltweit verfügbar. Ein Produkt des Internets war auch das E-Mail. Textnachrichten und digitale Dokumente konnten damit digital versandt werden und erreichten den Empfänger unabhängig davon, ob dieser die Mitteilung gleich entgegennahm. 1997 wurde der Mail-Verkehr mit dem Programm «GroupWise» in der Kantonalen Verwaltung eingeführt. Das E-Mail brachte eine Revolution in den Büroalltag. Mailen wurde zum festen Begriff und bekam einen zentralen Platz in der Bürotätigkeit. Die Arbeit der verwaltungsinternen Postverteilung mit ihren typischen durchlöcherten Kuverts sank auf ein Minimum. Das «CC» war ein Relikt aus dem Schreibmaschinen-Zeitalter, stand als Abkürzung für Carbon Copy (Kohlenpapier) und begann den Grundsatz «Kenntnis nur wenn nötig» arg zu strapazieren. 2006 kam mit der Netzwerkumstellung auf eine reine Microsoft-Umgebung das Produkt «Outlook» zum Einsatz.

1999 erhielten dann zuerst einige ausgewählte, schliesslich alle Arbeitsplätze einen Internetzugang. Im Mai 1999 ging die öffentliche Verwaltung des Kantons Uri «online». Unter der Adresse www.ur.ch sind seither die Mitteilungen und Dienstleistungen der Verwaltung weltweit und jederzeit abrufbar.