WILDTIERE: Urner Regierung für Nebeneinander von Wolf und Alpwirtschaft

In Uri soll der Wolf nicht ausgerottet werden. Dieser Ansicht ist der Regierungsrat. Er lehnt wolfsfreie Zonen ab und spricht sich für ein Nebeneinander von Raubtier und Alpwirtschaft aus. Er will aber den Herdenschutz und das Wolfskonzept verbessern.

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Gerade im Sommer sind Schafe und Geissen auf der Alp einer erhöhten Gefahr von Wolfangriffen ausgesetzt. (Bild: Romano Cuonz)

Gerade im Sommer sind Schafe und Geissen auf der Alp einer erhöhten Gefahr von Wolfangriffen ausgesetzt. (Bild: Romano Cuonz)

Die Urner Regierung bekräftigt in einer am Dienstag veröffentlichten Antwort auf einen Vorstoss im Parlament ihre Haltung, dass der Umgang mit dem Wolf ein nationales Thema sei und nicht isoliert im Kanton gelöst werden könne. Sie lehnt eigene, schärfere Massnahmen gegen den Wolf ab. Eine wolffreie Schweiz oder ein wolffreier Kanton sei kein realistisches Thema.

Der Regierungsrat fordert allerdings vom Bund in einem Schreiben vom Oktober 2016 Verbesserungen beim Herdenschutz. Diese betreffen vollständige Abgeltungen statt nur Finanzhilfen bei Wolfsangriffen. So sollen auch Mehraufwendungen wie Arbeits- und Transportkosten oder Ertragsausfälle künftig vergütet werden.

Weiter regt die Urner Regierung die Prüfung von alternativen Herdenschutzmassnahmen an und fordert die Entschädigung in der Versuchsphase. Sie plädiert zudem dafür, dass Abschussgebiete flexibler festgelegt werden können.

Landrat Christian Arnold (SVP) und 34 Parlamentskollegen fordern in einer parlamentarischen Empfehlung schärfere Massnahmen, um Schäden durch den Wolf in der Landwirtschaft zu reduzieren. Unter anderem sprechen sich die Parlamentarier für "wolfsfreie Zonen" aus.

Für die Urner Regierung kämen wolfsfreie Zonen aber einer Eliminierung gleich. Die Ausrottung widerspreche dem Schutz bedrohter Arten und der Bundesverfassung. Betrachte man den Aktionsradius eines einzelnen Wolfs, sei es in der Praxis nicht möglich ist, einzelne Gebiete wolffrei zu halten. Gangbar sei hingegen der Weg einer Bestandsregulierung.

Im Bergkanton Uri weiden im Sommer jeweils auf über 60 Alpen im Schnitt über 15'000 Schafe. Im letzten Jahr riss ein Wolf italienischer Abstammung im Frühjahr und Sommer an mehreren Orten über 70 Nutztiere. Der Rüde wurde nach fast zweiwöchiger Jagd Ende Juli erschossen. Es handelte sich um den ersten Wolf nach 160 Jahren, der in Uri erlegt wurde.

Der entstandene Schaden im Kanton durch den Wolf ist noch nicht beziffert. Allein die Jagd auf das Tier mit 23 Jägern und neun Wildhütern kostete mindestens gegen 44'000 Franken. (sda)