Tellspiel-Regisseurin gibt viel Persönliches Preis

Im Rahmen der Talkserie «Greedi üüsä» war Annette Windlin beim neuen Talkmaster Heinz Keller im Theater Uri in Altdorf zu Gast. Die Regisseurin der Tellspiele 2020 gewährte Einblicke in ihre aussergewöhnliche Karriere.

Urs Hanhart
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Talkmaster Heinz Keller im Gespräch mit Regisseurin Annette Windlin. (Bild: Urs Hanhart, Altdorf, 6. Juni 2019)

Talkmaster Heinz Keller im Gespräch mit Regisseurin Annette Windlin. (Bild: Urs Hanhart, Altdorf, 6. Juni 2019)

Acht Ausgaben von «Greedi üüsa» moderierte Ruedi Bomatter. Die Talkshow hat sich zu einem festen Programmteil des Theater Uri in Altdorf entwickelt. Heinz Keller, ehemaliger Leiter dieses Hauses, hat nun die Rolle des Talkmasters übernommen und führt das Format ins nächste Jahrzehnt. Als ersten Gast konnte er am Donnerstag, 6. Juni, Annette Windlin, die Regisseurin der Tellspiele 2020, empfangen.

Konsequent verfolgt die gebürtige Küssnachterin ihre kleinen, grossen und ganz grossen Projekte. In der Talkshow erfuhr das Publikum viel Persönliches und manches Detail aus dem künstlerischen Management, das so viele Menschen zum Nachdenken über Brot und Spiele anregte. Selbstverständlich wurden auch die Tellspiele thematisiert. Als musikalisches Supplement spielten Christian Wallner, Carlo Gamma und Fränggi Gehrig auf. Dieses Trio wird Windlin in ihrer Regiearbeit für die Tellspiele 2020 musikalisch begleiten.

Sie verbrachte zwei Jahre an der Dimitri-Schule

Als Erstes sprach der Moderator das Thema Lampenfieber an. Dazu sagte Windlin: «In einer solchen Talkshow wie heute bin ich überhaupt nicht nervös. Aber wenn ich als Schauspielerin auf der Bühne stehe, sind die ersten fünf Minuten jeweils katastrophal. Ich habe zu Beginn immer grosses Lampenfieber. Danach wird es schnell besser.»

Windlin wuchs in einer grossen Familie zusammen mit vier Geschwistern auf. Ihr Vater führte eine Käserei und wollte, dass seine Tochter den Betrieb übernimmt. Daraus wurde aber nichts. Stattdessen wurde sie Primarlehrerin, Theaterproduzentin, Coach, Dozentin, Schauspielerin, Leiterin Fachstelle Theaterpädagogik, Theaterautorin und Kursleiterin. «Ich war ein sehr aufgewecktes Kind und ständig auf Trab. Schon von klein auf habe ich so viel wie möglich Theater gespielt. Mit der Literatur hatte ich aber lange nicht viel am Hut. Bis 18 habe ich kein einziges Buch gelesen, ausser jene, die ich musste», verriet die Schwyzerin. Stattdessen widmete sie sich intensiv diversen Sportarten wie Orientierungslauf, Leichtathletik, Volleyball, Skifahren und Tennis. Im Tischtennis brachte sie es sogar bis zum Schweizer Meistertitel.

Windlin war fasziniert vom Clown Dimitri. Sie schaffte es sogar an dessen Schule im Tessin und besuchte diese zwei Jahre lang. «Das gab mir einen wunderbaren Boden. Aber ich habe gemerkt, dass dies nicht das Richtige ist für mich», resümierte sie. Schliesslich suchte sie sich ihre Schauspiellehrer selber aus. Das Ganze finanzierte sie durch diverse Nebenjobs wie Skilehrerin, Bademeisterin oder Kellnerin.

Wilhelm Tell als schwieriges Pflaster

Seit einigen Jahren widmet sich Windlin hauptsächlich dem Theatermanagement und Regiearbeiten. In der Talkshow betonte sie jedoch: «Das macht zwar sehr viel Spass. Aber es ist eine grosse Sehnsucht von mir, wieder selber zu spielen.» Die vielseitige Schwyzerin wurde unter anderem mit dem Innerschweizer Kulturpreis ausgezeichnet. Mit dem erhaltenen Preisgeld gönnte sie sich eine mehrmonatige Auszeit in New York. Dazu Windlin:

«Bei diesem Aufenthalt im Big Apple bin ich unter anderen zur Erkenntnis gekommen, dass die Amerikaner im Kunst- und Theaterbereich auch nur mit Wasser kochen, und dass man bei Projekten durchaus grösser und waghalsiger denken darf.»

Nach einer kurzen Pause und einigen musikalischen Einlagen kam das Thema Tellspiele 2020 aufs Tapet. Dazu erklärte Windlin:«Ich und mein Kernteam haben uns lange überlegt, ob wir uns am eingeschriebenen Wettbewerb beteiligen sollen. Letztlich sind wir aber zu einem positiven Ergebnis gekommen», erklärte Windlin. «Es hat uns enorm gefreut, dass wir den Zuschlag bekommen haben. Diese Aufgabe ist eine grosse Ehre.»

Die Tellspiele feiern am 22. August 2020 Premiere. Zum aktuellen Stand sagte die Regisseurin: «Derzeit laufen viele Arbeiten im Hintergrund. Ich treffe mich oft mit Dramaturg Dominique Müller und mit Matteo Schenardi, der für die Regieassistenz zuständig ist. Jetzt machen wir die Fassung. Unser Ziel ist, bis im Sommer damit fertig zu sein. Ich bin zuversichtlich, dass wir dies schaffen. Tell ist etwas Schwieriges. Jeder hat eine eigene Vorstellung. Man kann es sicher nicht allen recht machen.»