WINTER: Mit 14 Hunden durch Alaska

Der Andermatter Severin Cathry wagt sich an eines der härtesten Hundeschlittenrennen der Welt. Die Strecke führt vom eisigen Kanada ins noch eisigere Alaska. Dabei bildet auch der Schlaf ein wichtiger Faktor.

Matthias Stadler
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Severin Cathry mit Huskys in den Weiten Alaskas. Bild: zvg (Bettles, 9. April 2014)

Severin Cathry mit Huskys in den Weiten Alaskas. Bild: zvg (Bettles, 9. April 2014)

Wem die Temperaturen im Schweizer Winter nicht tief genug sind, dem empfiehlt sich eine Reise in den Norden von Kanada. Höchsttemperaturen um die –50 Grad Celsius liegen schon mal drin. In dieser arktischen Kälte findet seit 1984 der sogenannte Yukon Quest statt. Das ist ein Schlittenhunderennen, das einmal pro Winter von Whitehorse, Kanada, nach Fairbanks im US-Bundesstaat Alaska führt – auch mal in umgekehrter Reihenfolge. Distanz: 1000 Meilen oder rund 1600 Kilometer. Dauer: 10 bis 14 Tage.

Anfang Februar findet das nächste Rennen des Yukon Quest statt. Mit dabei sein wird auch ein Urner. Severin Cathry (Bild) aus Andermatt stellt sich der Herausforderung. Momentan bereitet er sich bei Fairbanks, der zweitgrössten Stadt Alaskas, auf das Rennen vor. Dabei können auch 18-Stunden-Tage inklusive eines 100-Kilometer-Trainingslaufs mit den Hunden vorkommen. Cathry würde nicht sagen, dass er verrückt ist: «Ich habe einfach gerne Winter und Tiere um mich», erklärt er gegenüber unserer Zeitung.

Der gelernte Polymechaniker war schon immer ein Tierliebhaber. «Ich weiss noch, wie ich als Kind in Andermatt immer an die Hauptstrasse gerannt bin, wenn ich die Gotthardpost hörte oder Kühe durchs Dorf getrieben wurden.» Dass er eines Tages Musher – so nennen sich die Schlittenhundeführer – werden würde, war nie seine Absicht. Aber Alaska und Kanada hätten ihn schon immer fasziniert. 2010 konnte er zum ersten Mal nach Alaska fliegen, um auf die Huskys eines Freundes aufzupassen. Da packte ihn das Hundeschlittenfieber und es hat ihn seither nicht mehr losgelassen.

Tierärzte untersuchen Huskys

«Es ist einfach unheimlich cool und zufriedenstellend, mit Tieren ein Team zu bilden», sagt er. Momentan bestreitet Cathry seine fünfte Saison in Alaska, wo er Schlittenhunde trainiert. Und als Dankeschön lässt Sven Haltmann – der erwähnte Freund – ihn ab dem 4. Februar mit seinen Huskys am Yukon Quest teilnehmen. Die Teilnahme sei aber nur dank der Unterstützung von Sponsoren, seiner Familie und Freunden möglich, betont Severin Cathry. Am Yukon Quest wird er mit 14 Hunden starten und muss mit mindestens sechs ins Ziel kommen. Unterwegs gibt es Kontrollpunkte, wo Tierärzte anwesend sind und nicht mehr rennfähige Hunde aus dem Wettbewerb nehmen und betreuen. Ersatzhunde dürfen keine eingespannt werden. Der Andermatter betont, dass das Rennen für die Hunde «natürlich eine enorme Leistung» darstelle, aber schlimme Verletzungen seien sehr selten. Nebenerscheinungen seien mit denjenigen eines Marathonläufers vergleichbar.

Schlittenführer dürfen keine Hilfe annehmen

An den Kontrollpunkten können die Musher auch Proviant auffüllen. Unterwegs wird irgendwo neben der Strecke geschlafen. Nach etwa der Hälfte der Distanz muss eine Zwangspause von 36 Stunden eingelegt werden. Ansonsten dürfen die Hundeführer keine Hilfe annehmen – mit Ausnahme von anderen Hundeführern im Rennen.

«Das schwierigste wird sein, warm zu bleiben», erklärt Severin Cathry. Dies wegen des «riesigen Schlafmangels», den man während des Rennens erleide. Denn der Schlaf hat starken Einfluss auf die Körpertemperatur. «Natürlich können aber auch tausend andere unvorhersehbare Dinge geschehen», aber Cathry rechnet fest damit, dass er das Rennen korrekt beenden und dafür etwa 12 bis 14 Tage brauchen wird. «Wir werden es also eher gemütlich nehmen», sagt er und lacht.

Matthias Stadler

matthias.stadler@urnerzeitung.ch