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Göschenen: «Wir gehen von einem Wolfsriss aus»

Im Göscheneralptal sind zwei Schafe getötet worden, drei mussten notgeschlachtet werden. Sie wurden auf einer Alp gesömmert, die als «nicht schützbar» eingestuft ist.
Bruno Arnold

Die Tierhalter haben alle auf der Alp Ochesenbördli gesömmerten Schafe am Samstag wieder wieder nach Hause geholt. (Bild: Raphael Bissig, Göschenen, 11. August 2018)

Die Tierhalter haben alle auf der Alp Ochesenbördli gesömmerten Schafe am Samstag wieder wieder nach Hause geholt. (Bild: Raphael Bissig, Göschenen, 11. August 2018)

Auf der Alp Ochsenbördli auf der rechten respektive südlichen Seite des Göscheneralptals kam es in der Nacht von Freitag auf Samstag zu Wolfsrissen. Jagdverwalter Josef Walker bestätigte am vergangenen Samstag auf Anfrage entsprechende Informationen, die unserer Zeitung zugetragen worden sind.

Zwei Schafe wurden getötet, drei hatten offene Fleischwunden und mussten notgeschlachtet werden.«Aufgrund des Rissbilds gehen wir davon aus, dass es sich um einen Wolf gehandelt hat», hielt Walker fest. «Um dies aber definitiv zu verifizieren, sind entsprechende DNA-Spuren gesichert worden. Sie werden nun im Labor ausgewertet.»

Zuchtschafe stammen aus zwei Betrieben

Die betroffenen Zuchttiere gehörten zu einer Herde von rund 50 Schafen, die sich auf einer Höhe von zirka 1900 Metern befanden. Sie stammen aus den Betrieben von Hannes und Raphael aus Seedorf sowie von Tobias und Josef Loretz aus Silenen. Die Schafhalter haben nach den Wolfsrissen reagiert und alle gesömmerten Tiere am Samstag wieder nach Hause geholt – fünf bis sechs Wochen früher als normal. «Das Risiko eines weiteren Angriffs wäre einfach zu gross», sagte Raphael Bissig gestern. «Die fünf Tiere, die dem Wolf zum Opfer gefallen sind, sind eh schon fünf zu viel.»

Alp gilt als «nicht schützbar»

Die Alp Ochsenbördli ist von Experten, welche die Situation vor Ort im Auftrag des Urner Amts für Landwirtschaft analysiert haben, offiziell als «nicht schützbar» eingestuft worden. Das heisst: Auf der Alp ist es aus topografischen Gründen und wegen der Grösse nicht möglich, Herdenschutz zu betreiben. «Nichtsdestotrotz macht es aber Sinn, auch solche Gebiete mit Tieren zu bestossen», betont Bissig. «Denn genau auf dieser Höhe ist es den Schafen während des Sommers am wohlsten, gerade in derart heissen Wochen, wie wir sie aktuell erleben.» Hinzu komme, dass die Bestossung solcher Flächen aus ökologischer Sicht sehr nachhaltig sei. «Die Tiere halten das Gebiet offen, die Verbuschung kann minimiert werden, und nicht zuletzt bleibt dadurch das dortige Naherholungsgebiet auch für den Tourismus anschaulich und gepflegt.» «Uns Tierhalter hat der Anblick der toten und verletzten Schafe äusserst traurig gestimmt», sagt Bissig. «Für uns sind Schafe nicht einfach nur Nutztiere, sondern vor allem auch Tiere, die wir mit viel Herzblut grossgezogen haben und die zu Hause fast so etwas wie einen festen Familienanschluss geniessen», erklärt der 26-jährige Seedorfer. «Solche Verluste kann man mit finanziellen Entschädigungen nicht wiedergutmachen», betont er.

Verlust ist nur eine Seite der Medaille

Doch der Verlust der Schafe ist nur die eine Seite der Medaille. Der Entscheid, die Tiere bereits jetzt von der Alp Ochsenbördli zu holen, zieht einen eigentlichen Rattenschwanz nach sich», sagt Bissig. Neben dem kurzfristig nötigen organisatorischen und logistischen Aufwand ist es vor allem die aussergewöhnliche meteorologische Situation des Somers 2018. Auf den Heimbetrieben konnte wegen der Trockenheit viel weniger Futter für den Winter eingesammelt werden. Gleichzeitig stehen auf den Wiesen, auf denen sonst saftiges Gras wächst, vielerorts nur vertrocknete Halme», sagt Bissig. «Mit andern Worten: Auf den Weiden der Heimbetriebe ist kaum Futter vorhanden, und wenn die Tiere auf andere Parzellen getrieben werden, fehlt das dortige Futter wieder als Vorrat für den Winter», schildert der Züchter die prekäre Situation.

Und noch einen wichtigen Punkt hebt Bissig hervor: «Schafe fühlen sich von Natur aus bei tiefen Temperaturen wohl, dies unter anderem auch wegen ihrer Wolle. Hinzu kommt, dass Schafe nicht schwitzen können. Sie stossen die Wärme durch schnelles Atmen aus.»

Nachhaltigkeit ernsthaft in Frage gestellt

Damit sich Schafe im Sommer wohlfühlen könnten, müsse man sie zwingend auf möglichst hoch gelegene Weiden treiben können. «Doch genau von den dafür bestimmten Schafalpen, die unseren Tieren dank genügend Futter und Wasser einen natürlichen, nachhaltigen, ja fast paradiesischen Lebensraum bieten, müssen unsere Schafe nun wegen eines Raubtiers weichen und ins heisse Tal zurück», bedauert Bissig. «Da fragt man sich als betroffener Tierhalter schon, wie nachhaltig ein solches Raubtier ist.»

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