«Wir haben gegen Coronastempel gekämpft» - Berufsbildner setzen auch in Uri auf praktische Prüfungen

Statt an der Lehrabschlussfeier haben die Absolventen von Berufslehren ihre Zeugnisse per Post erhalten. 188 Eidgenössische Fähigkeitszeugnisse und 4 Eidgenössische Berufsatteste wurden für Absolventen mit Schulbesuch am BWZ Uri ausgestellt.

Markus Zwyssig
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In den vergangenen Jahren feierten die Absolventinnen und Absolventen der Berufsschule - wie hier die Kauffrauen mit E-Profil im Theater Uri.

In den vergangenen Jahren feierten die Absolventinnen und Absolventen der Berufsschule - wie hier die Kauffrauen mit E-Profil im Theater Uri.

Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 4. Juli 2020)

Normalerweise finden Ende Juni Anfang Juli die Lehrabschlussfeiern für die Absolventinnen und Absolventen mit Berufsfachschulbesuch im Kanton Uri statt. Diesmal war wegen Corona vieles anders. Es gab keine Feiern im Theater Uri. Die Absolventen von Berufslehren wurden schulintern am Berufs- und Weiterbildungszentrum Uri (BWZ) verabschiedet. Unter einem etwas anderen Vorzeichen als sonst üblich: «Das geschah zu einem Zeitpunkt, in dem man noch nicht wusste, wer bestanden haben würde und wer nicht», erklärt Yvonne Slongo, Vorsteherin des Amts für Berufsbildung.

Inzwischen sind fast alle Ergebnisse der Absolventinnen und Absolventen, welche die Schule am BWZ besucht haben, bekannt: In diesem Jahr wurden 188 Eidgenössische Fähigkeitszeugnisse und 4 Eidgenössische Berufsatteste für Urner Absolventinnen und Absolventen mit Schulbesuch am BWZ ausgestellt. Zugestellt wurden diese für einmal per Post. Je eine Person aus dem Automobilfach- und aus dem Detailhandelsfach hat nicht bestanden, ebenso drei Maurer. Die Resultate von zwei Konstrukteuren sind noch ausstehend. Deren Ergebnisse der praktischen Arbeit und damit die Gesamtnoten fehlen noch.

Yvonne Slongo, Vorsteherin des Amts für Berufsbildung.

Yvonne Slongo, Vorsteherin des Amts für Berufsbildung.

Bild: PD

«Die Zahl der ausgestellten Ausweise war in den vergangenen Jahren immer in etwa gleich», sagt Yvonne Slongo. Im vergangenen Jahr hatte dies folgendermassen ausgesehen: 196 Ausweise wurden ausgestellt. 2019 haben 9 Lernende nicht bestanden, in diesem Jahr waren es bisher deren 5.

Das vergangene Qualifikationsverfahren 2020 war ein besonderes. Bei den schulischen Prüfungen fanden dieses Jahr ausnahmsweise keine schriftlichen Abschlussprüfungen statt. Es zählten die Erfahrungsnoten. Praktische Abschlussprüfungen fanden vor allem in den handwerklichen Berufen statt: betreffend Urner Absolventinnen und Absolventen war dies in elf Berufen mit Schulort BWZ Uri der Fall. Konkret waren dies die Automobilberufe, Coiffeusen, Elektroinstallateure, Landwirte, Maurer, Metallbauberufe, Polymechaniker, Schreiner. Nicht berücksichtigt sind in dieser Aufzählung die Konstrukteure, die aber ebenfalls praktische Abschlussprüfungen hatten.

Anfänglich gab es die Idee eines «Coronastempels» im Zeugnis der diesjährigen Absolventen. «Gegen das haben wir gekämpft», sagt Yvonne Slongo. Aufgrund der Pandemie gab es zwar angepasste Qualifikationsverfahren. Trotzdem musste man aber einige in der Berufsbildung wichtige Grundsätze beibehalten. So betont Slongo: «Es war vor allem bei den handwerklichen Berufen wichtig, dass praktische Prüfungen stattfinden konnten.» Auch wenn dies ein Schutzkonzept und Massnahmen erforderte, habe sich der Aufwand gelohnt. «Wichtig ist, dass die nun abgegebenen Zeugnisse mit denen früherer Jahre vergleichbar sind.»

Jeder Beruf musste ein eigenes Konzept vorweisen

Die besonderen Vorgaben des Bundes waren eine grosse Herausforderung für das Qualifikationsverfahren 2020. «Wie die Abschlussprüfungen aussahen, war von Beruf zu Beruf unterschiedlich», erklärt Slongo. Jeder Berufsverband war für die Inhalte der Abschlussprüfungen unter seiner Trägerschaft selber verantwortlich. Die Regeln dazu wurden schweizweit aufgestellt.

Das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) musste aber den gewählten Varianten der diesjährigen Qualifikationsverfahren zustimmen. Denn es handelt sich um eidgenössische Ausweise, die vergeben werden. Slongo findet es – nicht nur in Coronazeiten – wichtig, dass die Zeugnisse breite Akzeptanz finden. «So sind beispielsweise die Abschlüsse in Uri auch dieses Jahr mit jenen in Nidwalden oder Zürich vergleichbar», sagt sie.

Sämtliche Namen und die besten Noten gibt es hier:

Absolventen Uri 2020.pdf