Osterfestival Andermatt: Die Organisatoren haben geplant, fünf Jahre weiterzumachen

Für die soeben zu Ende gegangene fünfte Ausgabe des Osterfestival liegen zwar noch keine konkreten Zahlen vor. Intendant Jörg Conrad ist aber zuversichtlich, ohne Defizit abschliessen zu können. Auch dem Publikum hat es gefallen, gab es doch jeden Abend Standing Ovations.

Interview: Markus Zwyssig
Drucken
Teilen
German Brass sorgte in der Pfarrkirche St. Peter und Paul für einen fulminanten Festivalabschluss. (Bild: Peter Fischli, Andermatt, 22. April 2019)

German Brass sorgte in der Pfarrkirche St. Peter und Paul für einen fulminanten Festivalabschluss. (Bild: Peter Fischli, Andermatt, 22. April 2019)

Von Palmsamstag bis Ostermontag fanden in der Pfarrkirche St. Peter und Paul in Andermatt im Rahmen des Osterfestivals insgesamt sieben Konzerte statt. Zu Gast im Urserntal waren die Festival Strings Lucerne, das Ensemble Corund mit Bachs Matthäus-Passion, das Azahar Ensemble oder die Gruppo Vocale Famiglia Sala, aber auch das Eranos Trio, die Hanneli-Musig und die German Brass. Jörg Conrad, Intendant des Osterfestivals, zieht eine erste Bilanz.

Wie sind Sie mit dem Osterfestival zufrieden?

Jörg Conrad: Von künstlerischer Seite her war das Osterfestival dieses Jahr ein absoluter Höhepunkt. Bei jedem Konzert gab es vom Publikum Standing Ovations. Die Besucher waren hell begeistert. Das habe ich bei den vergangenen vier Austragungen nicht erlebt. Die diesjährige Ausgabe hat alles Bisherige in den Schatten gestellt. Weltklasse war insbesondere das Eröffnungskonzert mit dem jungen Geiger Dmitry Smirnov. Das Echo in den Medien und auch vom Publikum war entsprechend euphorisch.

Können Sie schon konkrete Zahlen nennen?

Für konkrete Zahlen ist es zu früh. Die Abrechnungen liegen noch nicht vor. Was ich sagen kann, ist, dass der Vorverkauf schlechter gelaufen ist als im Vorjahr. Der Verkauf an der Abendkasse lief dann aber recht gut. Immer mehr Besucher entscheiden sich spontan, an ein Konzert zu kommen. Sie kaufen die Tickets eben nicht mehr einen Monat im Voraus.

Im vergangenen Jahr resultierte ein grosses Defizit. Drohen nun ebenfalls rote Zahlen?

Im vergangenen Jahr hatten wir sehr grosse Probleme mit dem Wetter. Die schlechte Witterung hielt viele Besucher davon ab, spontan nach Andermatt ans Osterfestival zu kommen. Es resultierte ein Defizit von 45000 Franken. Fast 20000 Franken zahlten die Sponsoren nachträglich. 25000 legte eine Privatperson auf den Tisch. Das Geld des Privatsponsors erhielten wir mit einer ganz langen Rückzahlungsfrist. Nun haben wir vorgesorgt, dass uns das nicht mehr passieren sollte. Wir haben im Vorfeld eine entsprechende Versicherung abgeschlossen. Die Versicherungsfirma wurde zudem gleich noch Sponsor des Festivals. Ich denke, dieses Jahr wird es kein Defizit geben.

Das Osterfestival in Andermatt bietet nicht nur sakrale Musik. Mit der Hanneli-Musig war in der Kirche sogar Volksmusik zu hören. Wollen Sie mit Ihrem Festival auch Menschen ansprechen, die nicht so viel mit Klassik am Hut haben?

Wir wollen möglichst viele unterschiedliche Musikliebhaber zu einem Konzertbesuch bewegen. Unser Konzept ist aufgegangen. Die Hanneli-Musig lockte auch Leute nach Andermatt, die sonst eher wenig mit klassischer Musik anfangen können. Die Musiker boten einen guten Mix von volkstümlichen Polkas und Werken von Schubert, Rachmaninow oder Dvorák. Das hat viele Skeptiker überzeugt.

Ziemlich laut wurde es in der Kirche beim Abschlusskonzert mit German Brass.

Die zehn Solo-Bläser der German Brass waren eine Sensation. Ich habe im Publikum nur strahlende Gesichter gesehen. Das offizielle Programm dauerte bis zur Pause. Was danach folgte, war einfach mit World Brass betitelt: Da waren Bigband-Nummern zu hören und es gab ein fulminantes Schlagzeugsolo. Das war ein Mix, der zeigte, dass seriöse klassische Musik weiter führt bis in den Big Band-Bereich der Jazzmusik.

Würde ein Jazz-Konzert nicht besser in einen Konzertsaal passen?

Die Pfarrkirche St. Peter und Paul in Andermatt eignet sich von der Akustik und der Atmosphäre her ausgezeichnet für unsere Konzerte. Beim Schlusskonzert könnte man sich die Frage stellen, ob wir allenfalls in einen Konzertsaal wechseln sollten. Die geplante Konzerthalle in Andermatt bietet jedoch für zirka 600 Besucher Platz. Momentan ist es in Andermatt fast nicht möglich, einen so grossen Konzertsaal zu füllen. Aber die besondere Atmosphäre in der Kirche mit der speziellen Beleuchtung, das kann man in einem Konzertsaal auch nicht so ohne weiteres haben.

In Ihren Worten schwingt viel Begeisterung mit. Demnach ist es wohl eine rhetorische Frage: Findet im kommenden Jahr wieder ein Festival statt?

Ja, mit Sicherheit. Wir haben geplant, fünf Jahre weiterzumachen. Wir sind guter Dinge, denn wir konnten uns nun einen guten Namen und mehr Sponsoren schaffen. Das macht es auch leichter, zukünftig noch weitere Sponsoren anzugehen.