Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Göschenerälpler erinnern sich: «Wir haben gesungen wie die Dohlen»

Marlène Mattli und Marianne Loretz-Mattli lassen die Tradition des Chilbi- und Singabends im Gwüest wieder aufleben.
Christof Hirtler
Beim Singen des Lieds «Äs Puuräbiäbli» herrschte ausgelassene Stimmung. (Bild: Christof Hirtler, Göscheneralp, 5. Oktober 2019)

Beim Singen des Lieds «Äs Puuräbiäbli» herrschte ausgelassene Stimmung. (Bild: Christof Hirtler, Göscheneralp, 5. Oktober 2019)

Samstagnachmittag, 5. Oktober, im Gwüest in der Göscheneralp. Im Gasthaus herrscht reges Treiben: Der Saal wird für den Singabend vorbereitet, die Liedtexte werden projiziert. Die junge Wirtin Sereina Wicki und die Serviertochter Anja Günther aus Leipzig installieren eine 5Meter breite Leinwand – eine grosse Blache.

Von Hektik keine Spur, es wird improvisiert. «Wohin mit dem Beamer und dem Laptop?», fragt Irene Mattli. Das Bild ist zu klein, der Laptop im Weg. Sereina Wicki hat schnell eine Idee. Handwerklich geschickt bohrt sie mit dem Akkubohrer vier Löcher für die Ringschrauben in die Decke und hängt daran mit vier Kabeln den Beamer. Das passt.

Von «Zoogä-n-am-Boogä» bis zum Geburtstagslied

Bald kommen die ersten Gäste. Die beiden Initiantinnen des Liederabends, Marlène Mattli und Marianne Loretz-Mattli, wählen die Lieder aus. Von vielen alten Göschenerälpler-Liedern haben sie zwar den Text, aber keine Noten. Darum haben sie sich die Lieder vom 85-jährigen Paul Mattli vorsingen lassen und die Aufnahmen auf dem Handy gespeichert.

Um 20 Uhr eröffnet Markus Mattli im Saal den Singabend, über 40 Personen sind anwesend. Darunter etwa Konrad und Alice Mattli und ihre Grosskinder oder Max und Jolanda Mattli. Einige Bekannte und Verwandte sind von Silenen, Erstfeld oder von Bauen angereist. Zum Auftakt spielt Philipp Betschart zwei Stücke auf seiner Handorgel. Als Erstes wird das «Göschenerälpler-Lied» gesungen, es folgen «An den Ufern des Mexiko Rivers», «Das alte Försterhaus» und weitere Jäger-, Soldaten und Lumpenlieder. Max Mattli wird mit einem «Happy Birthday» geehrt – er feiert heute seinen 76. Geburtstag. Auch «Zoogä-n-am Boogä» darf nicht fehlen Beim «Puuräbiäbli» hängen sich die Gäste ein und beim Refrain «Nach ufe, nach abe, nach rechts, nach links, nach hinderä, nach füra, nach rächts, nach links» sind alle in Bewegung.

Die älteren Göschenerälpler, wie etwa der 85-jährige Paul Mattli, können unzählige Lieder auswendig. Auf der Hinteralp wurde bereits in der Schule viel gesungen, dies haben die Schülerinnen und Schüler an den strengen Lehrern geschätzt. Der Lehrer und Kaplan dirigierte auch den Kirchenchor. Der Chor sang vierstimmig, Heinrike Mattli, eine Tante von Paul und Konrad Mattli, begleitete auf dem Harmonium.

Schon um 1940 wurde im Gasthaus gesungen, wie dieses Bild aus dem Buch «Alte Göscheneralp» von Martin Steiner zeigt. (Bild: PD)

Schon um 1940 wurde im Gasthaus gesungen, wie dieses Bild aus dem Buch «Alte Göscheneralp» von Martin Steiner zeigt. (Bild: PD)

«An Weihnachten sangen wir die alten Weihnachtslieder, die man heute kaum mehr kennt», erzählt Konrad Mattli. Am 20.Januar, dem Baschitag, und am 24. Februar, dem Sankt-Mathis-Tag, haben die Familien Hauskäse, Würste und Trockenfleisch mitgebracht und zusammen im Gasthaus Göscheneralp gesungen. Viele Lieder stammten aus dem Walser-Liederbüchlein. Nach der Maiandacht sang man immer im Plätzi, dem Platz vor dem Gasthaus Göscheneralp, wie Konrad Mattli erzählt.

Die Gäste singen bis tief in die Nacht

Nicht nur an kirchlichen Feiertagen wurde gesungen: Wenn eine Triste fertig war, hat man gejuzt. War im Spätsommer das letzte Wildheu gemäht, gab es das «Wildheuerbälti» – den Wildheuerball. Kam der Pöstler mit der Post auf die Alp, hat er gejutzt. «Man sang auch bei der Arbeit, zum Beispiel beim Graben der Kartoffeln. Wir haben gesungen wie die Dohlen», erinnert sich Konrad Mattli. 1962 musste die Siedlung auf der Hinteralp dem Göscheneralp-Stausee weichen. Mensch und Tier fanden ein neues Zuhause in der benachbarten Alpsiedlung Gwüest. Dort hat die Familie Mattli das neue Gasthaus Göscheneralp gebaut, wo nun wieder gesungen wird.

Die Hotelgäste, eine Familie aus Honduras, die im Restaurant ihr Abendessen einnimmt, freut sich. Eine Frau fragt, ob sie filmen dürfe. Ab und zu macht ein Schnupf die Runde, und Marianne Mattli-Loretz filmt die ausgelassene Stimmung mit ihrem Handy. Es wird 2 Uhr morgens, bis die letzten Gäste nach Hause gehen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.