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Krokus in Andermatt: Weshalb Chris von Rohr die «Urner Art» besonders schätzt

Die Hardrockband Krokus gibt ihre letzten Konzerte. Die Musiker wollen nochmals alles geben, verspricht Bandgründer Chris von Rohr. Er selbst denkt noch lange nicht ans Aufhören. Zudem erscheint bald ein neues Buch von ihm.
Interview: Markus Zwyssig
Noch machen sie eine kurze Pause im Grünen. Am Freitag rocken sie beim Festival Andermatt live. (Bild: PD)

Noch machen sie eine kurze Pause im Grünen. Am Freitag rocken sie beim Festival Andermatt live. (Bild: PD)

Krokus ist auf Abschiedstournee und ist Headliner am Festival Andermatt Live. Bandgründer und Bassist Chris von Rohr, geboren 1951 in Solothurn, ist Rocklegende und Kultfigur. Er erzählt, warum die Band aufhört und was seine nächsten Pläne sind.

Chris von Rohr, Ende Jahr soll mit Krokus definitiv Schluss sein. Das darf doch nicht wahr sein?

Jede Party geht mal zu Ende Amigo. Den richtigen Moment zum Aufhören erwischst du eh nie. Entweder bist du zu früh oder zu spät dran. Wir haben uns für die frühere Variante entschieden. Wir wollen, dass uns unsere Fans als starke Truppe in Erinnerung behalten und nicht als bedauernswerte Geriatrie-Rocker, die nur noch 50 Prozent bringen.

Ist Ihnen das Musikmachen verleidet?

Nein, das verleidet nie, so wie der Frühling, der Fussball und die Frauen auch nie verleiden – das ist eine Therapie, die Überlebensmedizin sozusagen.

Aber gehen Ihnen eigene Hits wie «Bedside Radio» oder «Tokyo Nights» nicht langsam selber auf die Nerven?

Im Gegenteil! Langsam können wir sie auch spielen, wie sie gespielt werden müssen, und freuen uns mit den Fans ob ihrer intensiven Pracht. Sogar im Proberaum machen sie immer noch Spass. Es ist die alte Musiker-Weisheit: Nichts ist stärker als ein starker Song.

Wie wird Ihr Leben ohne Krokus aussehen?

Genau gleich wie immer: aufstehen, duschen, Frühyoga, schreiben, Siesta, spazieren, Musik machen, Essen, Zeit mit Tochter verbringen, lesen, Netflix gucken oder Liebe machen.

Sie lesen viel, was gerade zurzeit?

Im Moment «Der Goldsucher» von Le Clézio und wieder mal «Demian» von Hermann Hesse. Da geht es um die Sinnsuche eines jungen Menschen. Immer noch hochaktuell und hervorragend geschrieben.

Wann kommt ein neues Buch von Ihnen?

Nach «Sternenstaub» und «Götterfunken» kommt im Oktober «Himmel, Hölle, Rock ’n’ Roll» – ein Streifzug durch den Wahnsinn. Ich arbeite seit fünf Jahren daran.

Was ist der Unterschied zwischen Schreiben und Musik machen?

Schreiben ist ein einsamer Knochenjob, wie ein nie endendes Schachspiel. Das erfordert absolute Präzision und viel Geduld. Dagegen ist Musik reine Erholung. Doch ich liebe es, Geschichten zu erzählen und mit Wörtern zu jonglieren.

Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?

Wenn du Gott zum Lachen bringen willst, erzähl ihm von deinen Plänen. Ich plane nie länger als ein halbes Jahr und das ist gut so. Jetzt wird erst mal gerockt.

Machen Sie auch nach Ihrer Zeit mit Krokus weiter?

Wie gesagt: Musik ist mein Leben – und Schreiben. Shakespeares Hamlet sagt mal: Geb mir den Mann, den seine Leidenschaft nicht zum Sklaven macht.

Mit welcher Musik können Sie gar nichts anfangen?

Ich befasse mich nur mit Dingen, die mich erfreuen. Zum Beispiel mit dem Klang meiner akustischen Martin Gitarre. Ihr Ton verzückt mich jeden Tag aufs Neue. Herrlich! Oder mein Flügel: göttliche Glocken. Das sind feste Werte, die das Musikerherz höher schlagen lassen und meinem Leben einen Sinn geben. Wir alle brauchen etwas, das uns trägt.

Gibt es heute «zu wenig Dräck» in der Musikszene?

Wenn man das Mainstream-Radio anschaltet, mag dieser Eindruck entstehen, aber ich bin sicher, dass in irgendwelchen Kellern dieser Welt junge Musiker mächtig Gas geben – als Gegenreaktion auf die allgegenwärtige politische Korrektheit und den oberflächlichen Konsumwahn, inklusive digitaler Demenz.

Zurück zum Konzert im Kanton Uri: Zu Andermatt würde die Band Gotthard besser passen. Wie macht Krokus diese Differenz wett?

Differenz? (lacht). Krokus passt soundmässig perfekt zu Andermatt. Die Urner Fans wollen doch puren, steinigen Hardrock und nicht unplugged oder? Ich hoffe, dass Sawiris’ Bauten keine Risse bekommen nach unserem Donner-Angriff. Überhaupt gefällt mir die Urner Art.

Was gefällt Ihnen denn an den Urnern?

Ich hatte mal eine Urner Freundin. Sie hätte mich fast in den Hafen der Ehe geführt, doch dann kam etwas dazwischen. Die Urner haben den Dreck und die Natürlichkeit, die mir passen. Den Uristier wollte ich sogar mal auf einem Cover – die Plattenfirma hatte eine andere Vision: ein blödes Schlüsselloch. Jedenfalls dürfen sich die Urner am Konzert auf kompakten, ehrlichen, dreckigen, handgemachten Powerrock freuen. Wir spielen die besten Krokus-Songs mit Herz, Feeling und Freude. Wir werden abdrücken wie die jungen Hunde. Darauf können Sie wetten.

Krokus spielt am Freitag, 5. April, in der Mehrzweckhalle Andermatt. Mehr Infos: www.andermattlive.ch

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