Interview

Der Kirchenchor Bürglen freut sich auf ein spezielles Bettagskonzert

Lucia Planzer und Roman Walker sprechen im Interview über die Zukunft und das Potenzial des Kirchenchors Bürglen.

Interview: Hugo Biasini
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Lucia Planzer und Roman Walker sprechen über die aktuellen Herausforderungen des Kirchenchors Bürglen.

Lucia Planzer und Roman Walker sprechen über die aktuellen Herausforderungen des Kirchenchors Bürglen.

Bild PD

Der Kirchenchor Bürglen hat mit Lucia Planzer (Bürglen) eine neue Präsidentin und mit Roman Walker (Altdorf) einen neuen Dirigenten. Das Duo steht für eine sorgfältige Pflege der Chormusik und Kontinuität in der Tradition der Palmsonntags-Konzerte in Bürglen. Sie blicken optimistisch in die Zukunft, obwohl viele Kirchenchöre zurzeit mit grossen Nachwuchsproblemen zu kämpfen haben.

Welches sind die aktuellen Herausforderungen für die Chormusik in Bürglen?

Lucia Planzer: Ich bin heute dankbar, dass es uns gelungen ist, den Dirigentenwechsel erfolgreich zu bewerkstelligen, denn der Wechsel des Chorleiters stellt für einen Chor immer einen sehr fragilen Übergang dar. Hier hat sich auch gezeigt, dass der Kirchenrat uns in der Planung und Gestaltung unserer Arbeit kooperativ unterstützt. Dafür sind wir sehr dankbar.

Roman Walker: Aus musikalischer Sicht bin ich noch immer gefordert, mich in das immense Repertoire einzuarbeiten, das mein Vorgänger Armin Wyrsch während seiner langjährigen Tätigkeit entwickelt hat.

Welche Vorkehrungen haben Sie infolge der Coronakrise getroffen?

LP: Mitten in unseren Vorbereitungen hat der Bundesrat aus verständlichen Gründen grössere Versammlungen untersagt. Das Wohl und die Gesundheit der Mitglieder sind unser oberstes Gebot. Deshalb hat der Vorstand sofort umdisponiert und alle Proben des Kirchenchors sowie des Projektchors und der Camerata Bürglen bis mindestens Ende der Frühlingsferien abgesagt.

RW: Wir werden die Konzertproben direkt nach den Sommerferien wieder aufnehmen und sind überzeugt, für die Besucher nach dieser weltweiten Krise am Bettag ein aufbauendes und wohltuendes Konzert aufzuführen. Wir, als erweiterter Kirchenchor und Camerata Bürglen, freuen uns jetzt schon darauf.

Wenn Sie in die Zukunft blicken, worauf freuen Sie sich besonders?

LP: Neben unseren liturgischen Einsätzen sind wir bemüht, eine Konzerttradition aufzubauen und aufrechtzuerhalten. Der Chor wird am Bettag, verstärkt mit Gastsängern, mit Werken von Bruckner und Mendelssohn ein romantisches Programm aufführen, wobei wir mit den achtstimmigen Psalmen von Felix Mendelssohn an einer ganz besonderen, berührenden Klangwelt arbeiten.

RW: Ich teile natürlich die Freude unserer Präsidentin. Es ist für mich eindrücklich, dass der Chor mit Leistungsbereitschaft an den kirchlichen Anlässen unterschiedliche Werke wie zum Beispiel eine Orchestermesse von Anton Bruckner singt oder auch die Johannespassion von Heinrich Schütz aufführt oder eine barocke Messe von Rathgeber mit Orchester und Solisten zum Erklingen bringt.

Wie kann denn ein ungeübter Sänger da überhaupt einsteigen, geschweige denn Schritt halten?

LP: Das ist ja gerade das Schöne an der Chormusik. Ich singe beispielsweise im Sopran mit zehn weiteren Kolleginnen. Als Gruppe sind wir ein starkes Register. So kann eine neue Sängerin schrittweise in unser Musizieren hineinwachsen, und bei den schwierigen Passagen auch einmal mehr zuhören als singen. So entsteht nach und nach Sicherheit.

RW: Das ist natürlich eine ganz zentrale Frage. Wir wissen aber tatsächlich, dass im Grundsatz alle Menschen singen können. Zudem sind wir dankbar, dass wir in enger Zusammenarbeit mit dem Urner Kirchenmusikverband in gewisser Regelmässigkeit Stimmbildungskurse anbieten können. So können Interessierte sorgfältig und schrittweise ins Musizieren hineinwachsen.

Plagen Sie keine Nachwuchsprobleme?

LP: Jeder Chor muss sich Gedanken über den Nachwuchs und somit seine Zukunft machen. Es gibt im Kanton Uri sehr traditionelle Chöre, die nach einer über 100-jährigen Geschichte ihren Verein auflösen müssen. Das stellt einen grossen musikalischen und gesellschaftlichen Verlust dar! So weit sind wir zum Glück noch nicht. Dennoch sind wir sehr darum bemüht, neue Mitglieder zu finden.

RW: Ein Kirchenchor kann nicht nur auf Nachwuchs hoffen und dafür beten. Wir werden aktiv, sprechen mögliche Sänger gezielt an, laden zur Schnupperprobe ein und sehen das Anwerben von Mitgliedern als permanente Aufgabe. Gegenwärtig ist die Rolle der Kirche einem grossen Wandel unterworfen. Da gilt es, auch Menschen, ohne oder mit geringem Bezug zur Institution Kirche, fürs Musizieren zu gewinnen.

Sehen Sie das nicht etwas gar optimistisch?

LP: Es ist in der Tat eine schwierige Aufgabe. Wir versuchen immer wieder verschiedene Sänger für Projekte (Projekt Weihnachten, Ostern, Konzerte…) zu gewinnen, um sie so zum Mitsingen in unserem Verein und für die Kirchenmusik zu begeistern.

RW: Ich kann von meinem früheren Chor in Walchwil berichten. Dort ist es gelungen, innert weniger Jahre einen Chor mit über fünfzig Sängern neu zu gründen, wo zwölf Nationen und fünf Konfessionen vereint zu Ehre Gottes (und unserer eigenen Freude) musiziert haben. Das hatte natürlich auch mit den vielen «Expats» zu tun, zeigt aber, dass es mit echtem Interesse aneinander und mit Toleranz für andere Konfessionen und Überzeugungen möglich ist, Menschen für die Kirchenmusik zu gewinnen.

Das Bettagskonzert findet am 20. September, um 17 Uhr, in der Pfarrkirche Bürglen statt. Der Eintritt ist frei, es gibt eine Kollekte.