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«Wir wollen keine Reichen-Enklave werden»

Andreas Meier, General Manager des Radisson-Blu-Hotels Reussen, sagt im Interview was die grösste Herausforderung war und warum es neben dem «The Chedi Andermatt» ein weiteres Luxushotel braucht.
Interview: Sarah Kempf*

Andreas Meier, Weihnachten und der Jahreswechsel stehen vor der Tür. Sind Sie als General Manager und Ihr «Radisson-Blu»-Team für die Eröffnung bereit?

Auf alle Fälle werden noch dieses Jahr Gäste bei uns übernachten. Wir freuen uns extrem. Mental sind wir bereit, physisch müssen wir aber noch rund 30’000 Artikel, vom Gepäckwagen bis zum Shampoo-Fläschchen, in unserem Haus verteilen.

Das tönt nach einem enormen Endspurt im Andermatter Radisson Blu Hotel Reussen?

Dies ist nicht mein erstes Opening. Stresstage mit 12 bis 16 Arbeitsstunden gehören in den letzten zwei Monaten vor der Eröffnung einfach dazu.

Wann werden Sie die ersten Gäste begrüssen?

Mitte Dezember werden wir erste Übernachtungsgäste bei uns willkommen heissen und mit Spezialpreisen arbeiten. Diese liegen bis zu 30 Prozent unter dem Listenpreis. Wir werden klar und offen kommunizieren, dass bei diesen Preisen kleine Unvollständigkeiten auftauchen können.

Wie wird die einheimische Bevölkerung in das Opening involviert?

Nach der internen Eröffnungsfeier sind im Rahmen einer Dialogveranstaltung die Einheimischen eingeladen. Mit dem Hauptevent warten wir jedoch noch bis im kommenden März zu. Dann werden wir nämlich die einzigartige Konzerthalle in Betrieb nehmen können.

Im Urserntal gibt es bereits ein Luxushotel, das «The Chedi Andermatt». Warum braucht es auch noch ein «Radisson Blu»?

Weil Luxus etwas ist, das jeder für sich anders definiert. Im «Chedi» heisst Luxus, während 24 Stunden totalen Service mit exklusiven Produkten und Dienstleistungen zur Verfügung zu haben. Bei uns wird Luxus mit Activities angeboten wie zum Beispiel gemeinsam mit der Familie an der Reuss sitzen und grillieren.

Zur Person von Andreas Meier

Der 41-jährige Zürcher Andreas Meier ist seit April 2018 General Manager des Radisson-Blu-Hotels Reussen in Andermatt. Er ist verheiratet und Vater von zwei Kindern. Nach seiner Kochlehre und einigen Arbeitsjahren in diesem Beruf hat er die Hotelfachschule Belvoirpark absolviert und als diplomierter Hotelier abgeschlossen. Meier verfügt über langjährige Berufserfahrung in der «gehobenen» Hotellerie. Er spricht neben Deutsch, Französisch und Englisch auch Arabisch. Während der vergangenen sechs Jahre hat er als Food-and-Drink-Manager im Hotel Radisson Blu am Flughafen Zürich gearbeitet.

Aber kann sich eine Familie Ihr Hotel überhaupt leisten? Gemäss Homepage sind Zimmer ab 405 Franken buchbar, das ist doch ein saftiger Preis.

Es ist wichtig, die Preise in eine Relation zu stellen. Natürlich habe ich die Preisstruktur der Hotels in Andermatt studiert und nicht erwürfelt. Grundsätzlich ist das «Radisson Blu» halb so teuer wie das «Chedi» und etwa doppelt so teuer wie ein kleines lokales Hotel ohne Extra-Facilities wie Hallenbad, Fitnesscenter, Spa oder Room-Service. Es ist immer dem Kunden überlassen, was er buchen will.

Apropos lokale Hotels: Ist es nicht so, dass das «Radisson Blu» kleineren, langjährigen Hotels die Gäste wegnimmt?

Es wäre natürlich vermessen zu sagen, dass kein anderes Andermatter Hotel keine einzige Buchung verlieren wird, weil das neue Radisson Blu Hotel Reussen eröffnet wird. Ich bin aber ganz klar der Meinung, dass die Spielwiese für alle gross genug ist. Die verschiedenen Hotels in Andermatt sind ja sehr unterschiedlich positioniert.

Wie meinen Sie das?

Wäre ich ein Jugendlicher, der mit Kollegen für einige Tage nach Andermatt zum Skifahren kommt, wäre es mir wahrscheinlich egal, wenn mein Hotel kein Hallenbad und keinen In-Room-Safe hätte und das Zimmer im Charme der 1960er-Jahre daherkäme. Auch diese Gäste wollen wir in Andermatt weiterhin. Unbedingt. Wir wollen keine Reichen-Enklave werden, sonst hätte ein zweites oder drittes «The Chedi» gebaut werden müssen und kein «Radisson Blu».

Mitte April haben Sie als General Manager die Leitung des Radisson Blu Hotel Reussen Andermatt übernommen. Warum?

Ich habe im Jahr 1993 als Koch zu arbeiten begonnen. Dies ist ein wirklich toller Beruf, doch ich habe schon bald gemerkt, dass mir das Talent fehlt, um ganz an die Spitze zu kommen. Ich wusste aber, dass ich in der Hotellerie bleiben und in möglichst vielen unterschiedlichen Hotelarten arbeiten will. Ich war schon in City-, Flughafen- und Business-Hotels am Werk, aber auch in reinen Freizeithotels. Im Resortbereich war ich bereits am Beach tätig, nun ist der Berg an der Reihe. Das ist eine neue Herausforderung.

Was war die grösste Herausforderung, die es zu meistern galt?

Die allergrösste Herausforderung in jedem Betrieb ist es, die richtigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden. Wir in der Hotellerie haben generell Mühe, genügend Kandidaten im Selektionsverfahren zu haben. Das ist in ganz Zentraleuropa eine riesige Herausforderung geworden.

Haben Sie zu spät mit der Mitarbeiter-Rekrutierung begonnen?

Es war sicher spät, aber nicht zu spät. Zu spät wäre es gewesen, wenn das Hotel aufgrund von zu wenig Personal nicht Mitte Dezember eröffnet werden könnte. Dies ist aber nicht der Fall.

Werden Urner Bewerberinnen und Bewerber bei der Personalrekrutierung bevorzugt?

Die Urner Bewerberinnen und Bewerber haben nicht einfach einen Bonus, der alle anderen Schwächen zu überstrahlen vermag. Ich bin aber der Meinung, dass es schwierig und nicht zielführend wäre, das Hotel nur mit ausländischen oder auswärtigen Arbeitskräften zu betreiben. Ich will unbedingt Einheimische. Das «Radisson Blu» ist Teil des Urserntals und das Urserntal muss Teil des «Radisson Blu» werden.

* Sara Kempf aus Spiringen ist freie Mitarbeiterin der «Urner Zeitung» und absolviert zurzeit den berufsbegleitenden Bildungsgang Journalismus an der Erwachsenenbildung Zürich.

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