WIRTSCHAFTSFÖRDERUNG: FDP kritisiert Urner Strategie

Die FDP-Fraktion möchte der Pflege und Unterstützung bestehender Betriebe erste Priorität beimessen – und nicht der Ansiedlung neuer Firmen.

Bruno Arnold
Drucken
Teilen
Die Vision Wirtschaftsgebiet Eyschachen wartet weiter auf ihre Umsetzung – auch wegen der Grundstückspreise? (Bild: Zeichnung: Diego Balli)

Die Vision Wirtschaftsgebiet Eyschachen wartet weiter auf ihre Umsetzung – auch wegen der Grundstückspreise? (Bild: Zeichnung: Diego Balli)

Bruno Arnold

bruno.arnold@urnerzeitung.ch

Die Wirtschaftsförderung im Kanton Uri erhält von der FDP-Fraktion des Landrats schlechte Noten: «Sie wird vom Urner Gewerbe kritisch beurteilt oder ist gar nicht bekannt», sagte Matthias Steinegger gestern bei der Begründung seiner parlamentarischen Empfehlung «Wirtschaftsförderung und Standortpflege im Kanton Uri». Anders sei dies etwa in Nidwalden oder Schwyz. «Bei verschiedenen Anlässen ist uns aufgefallen, dass dort die Wirtschaftsförderungen im lokalen Gewerbe ein hohes Ansehen geniessen.»

FDP sieht in Uri noch einiges Potenzial

Den Unterschied zwischen Uri und den erwähnten Nachbarkantonen mache vor allem die Standortpflege aus. «Während sich die einheimischen Unternehmen in Nidwalden und Schwyz gut bis sehr gut aufgehoben und betreut fühlen, sehen die Vertreter der Urner Wirtschaft im eigenen Kanton noch einiges Potenzial», betonte Steinegger. Ausserkantonal seien die Vertreter des Gewerbes und der Verbände auch stärker in die Bestandspflege und in die Wirtschaftsförderung integriert. So werde etwa die Wirtschaftsförderung in Nidwalden als kombinierte Aufgabe zwischen Kanton, Verbänden und Gewerbe angesehen, während man dies in Uri vor allem als Verwaltungsaufgabe interpretiere.

Das Urner Botschafternetz diene prioritär als Netzwerk zum Austausch von Informationen. Es könne der Wirtschafts- oder Tourismusförderung dienen, sei aber kein operatives Instrument in diesem Bereich.

Steinegger sprach aber auch die aufwendige Suche nach ausschliesslich auswärtigen Investoren und die angestrebte Ansiedlung von Firmen im Dienstleistungssektor, in der Feinindustrie, in Bildungs- und Forschungsstätten mit hoher Wertschöpfung für das Areal Eyschachen an. «Im heutigen wirtschaftlichen Umfeld ist das teilweise illusorisch und nicht zielführend», sagte der Flüeler FDP-Vertreter. «Zeitgleich ist eine Entleerung artgleicher Infrastruktur im Ruag-Areal zu beobachten.»

FDP möchte Preise im Eyschachen überdenken

Die FDP-Landratsfraktion empfiehlt dem Regierungsrat, der Bestandspflege und Unterstützung der einheimischen Unternehmen bereits in der strategischen Ausrichtung, später auch in der praktischen Umsetzung der Wirtschaftsförderung erste Priorität einzuräumen. Auch seien Gewerbeverbände, Industrie Uri, Wirtschaft Uri et cetera und das Know-how dieser Unternehmen besser in die Wirtschaftsförderung und Standortpflege einzubinden. «Die restriktiven Nutzungsbedingungen und die ‹sportlichen› Vorstellungen betreffend Grundstückpreise für das Areal Werkmatt im Eyschachen als Entwicklungsgebiet für die Urner Wirtschaft sollten überdacht werden», erklärte Steinegger. «Das Thema gemischte Nutzung respektive Wohnen und Arbeiten am selben Ort sollte ebenfalls als Möglichkeit neu erörtert werden.»

Bestehenden Unternehmen sollte nach Meinung der FDP die Möglichkeit geboten werden, an der Vision Werkmatt Uri aktiv teilhaben zu können. «Grundsätzlich müsste der Kanton Uri den bestehenden langjährigen Urner Unternehmen die bestmöglichen Entwicklungsmöglichkeiten bieten», so Steinegger. «Auch dies wird neue Arbeitsplätze schaffen, aber solche für junge Urner und nicht nur für Pendler von ausserhalb. Dies kann in einer zweiten Phase immer noch als Ziel definiert werden.»