Wirtschaftsstürme über Uri

Der Industriebetrieb Berghoff, die Urner Kantonalbank und die Sprengstofffabrik Cheddite lösen Diskussionen aus.

Christian Tschümperlin
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Das Industrieunternehmen Berghoff gab einiges zu reden.

Das Industrieunternehmen Berghoff gab einiges zu reden.

Bild: Florian Arnold (Schattdorf, 4. Dezember 2019)

Wenn wirtschaftliche Entscheidungsträger «strukturelle Veränderungen» vornehmen, ist gewöhnlich für politischen Zündstoff gesorgt. Die Nachrichten von der Schliessung der Filialen der Urner Kantonalbank (UKB) und der drohenden Massenentlassung bei Berghoff waren in diesem Jahr Anlass für Diskussionen. Bei der UKB hilft ein Dialog namens «Denkräume» sowie die schützende Hand des Landrates, im Falle von Berghoff erscheint unverhofft ein Retter aus Nidwalden.

Am 12. Dezember 2018 macht die UKB ihre «Strategie 2021» bekannt. Der Plan ist brisant, sieht er doch vor, dass die Zweigstellen in Göschenen, Wassen und Seelisberg per Ende März geschlossen werden. Die Filialen in Bürglen, Erstfeld und Schattdorf sollen bis Dezember auf Videoservice umgerüstet werden. Somit verbleiben nur Altdorf und Andermatt als Bastionen des klassischen Bankgeschäfts mit Schalterpersonal.

Anfangs Februar formiert sich politischer Widerstand: Die Urner Regierung rügt das Vorgehen der Bank und fordert, dass ein Konsultationsverfahren nachgeholt werden müsse. Schützenhilfe erhalten die betroffenen Gemeinden auch im Landrat: Die CVP fordert die UKB auf, ihre Strategie zu überdenken, verzichtet aber auf einen Vorstoss. Am schärfsten schiesst die SVP: In einer Motion fordert sie die Absetzung des Bankratspräsidenten Heini Sommer. In Wassen und Erstfeld werden Unterschriften für eine Petition gesammelt.

UKB sucht den Kompromiss

Anfang Mai wird bekannt, dass die UKB an der Schliessung festhält. Sie drosselt aber das Tempo: Die Filialen gehen neun Monate später zu als geplant. Zudem erhält Göschenen ab 2020 einen Bancomaten, in Wassen und Seelisberg dürfen UKB-Kunden den Raiffeisen-Bancomaten ohne Zusatzgebühr nutzen.

Ende Mai kommt die Sache im Landrat zur Debatte. Dabei hagelt es Kritik von Seiten der Politik. Dem Vorschlag der SVP-Motion, den Bankratspräsidenten abzusetzen, folgt der Rat allerdings nicht.

Für eine Hiobsbotschaft sorgt anfangs Dezember auch der Industriekonzern Berghoff mit der Schliessung seines Urner Standorts: 71 Mitarbeitern droht die Entlassung. Kurz darauf folgt das grosse Aufatmen: Die Nidwaldner Benpac Holding AG übernimmt von Berghoff alle 71 Angestellten. Der Standort Schächenwald wird fortgeführt.

An der Isleten geht im Dezember eine Ära zu Ende: Nach 150 Jahren stellt die Sprengstofffabrik Cheddite ihre Produktion ein. Das Traditionshaus stellte ab 1873 Nitroglyzerin für den Bau des Gotthard-Tunnels her, später wurde der Sprengstoff zu medizinischen Zwecken verwendet. Was mit dem Areal geschieht, ist offen. Es existieren allerdings Pläne, ein Tourismusprojekt zu lancieren.