Reportage

Älpler-Wunschkonzert: Wo nicht nur musikalische Träume in Erfüllung gehen

Das Älpler-Wunschkonzert ging gestern in die 28. Runde. Es gilt als heimliche Heiratsbörse.

Christian Tschümperlin
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Älpler-Wunschkonzert auf dem Urnerboden

Älpler-Wunschkonzert auf dem Urnerboden

Über mangelnde Besucherzahlen braucht sich das Älpler-Wunschkonzert auf dem Urnerboden am Klausenpass keine Sorgen zu machen: Es hat unter Volksmusikfreunden längst Kultstatus erreicht. Urchige Klänge, Festwirtschaft und Marktstände locken die Gäste in Scharen an.

Bereits am Nachmittag herrscht an der 28. Ausgabe ausgelassene Stimmung. Das Festzelt ist zum Bersten voll. Ab und an hört man einen Jauchzer. Es wird zünftig gefeiert, gejasst, getanzt und über Gott und die Welt diskutiert. Die Formation Steibach Buam sorgt für lüpfige Musik. Viele der rund 2500 Gäste aus nah und fern kennen sich und sind nicht zum ersten Mal hier. Heidi Emmenegger aus Sörenberg ist eine von ihnen. Sie ist mit ihrer Kollegin Martina Klus von Schönengrund gekommen. Beide wollen vor Ort übernachten und das Tanzbein bis in die frühen Morgenstunden schwingen. «Die Stimmung ist immer gut hier», sagt Emmenegger. Heidi hat sich spontan entschieden zu kommen, denn: Ihr Ehemann wird am Schluss des Wunschkonzertes den «Bätt­rüäf» machen.

Sie sind in schönster Tracht gekommen. (Urs Hanhart, Urnerboden, 05.08.2019)
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Die Formation Steibach Buam sorgt für gute Stimmung. (Urs Hanhart, Urnerboden, 05.08.2019)
Tanzen von früh bis spät. (Urs Hanhart, Urnerboden, 05.08.2019)
Viele Älpler sind mit von der Partie. (Urs Hanhart, Urnerboden, 05.08.2019)
Tanzen von früh bis spät. (Urs Hanhart, Urnerboden, 05.08.2019)
Nur dank fleissigen Helfern geht alles reibungslos über die Bühne. (Urs Hanhart, Urnerboden, 05.08.2019)
Auch hinter der Kulisse wird emsig gearbeitet. (Urs Hanhart, Urnerboden, 05.08.2019)
Es wird über Gott und die Welt diskutiert. (Urs Hanhart, Urnerboden, 05.08.2019)
Schon am Nachmittag ist das Zelt fast bis auf den letzten Platz gefüllt. (Urs Hanhart, Urnerboden, 05.08.2019)
Es gibt Edelweiss-Unterwäsche zu kaufen. (Urs Hanhart, Urnerboden, 05.08.2019)
v.l.n.r.: Die Cousinen Anita Rohrer und Stefanie Rohrer mit ihrer Kollegin Anja von Moos und Noemi Rohrer aus Lungern sind auch schon zum zweiten Mal mit dabei. (Christian Tschümperlin, Urnerboden 5.8.2019)
Martina Klus von Schönengrand und Heidi Emmenegger aus Söreberg. (Christian Tschümperlin, 5.8.2019, Urnerboden)
Florian Koch, Thomas Stalder und Martin Schöpfer aus dem Entlebuch. (Christian Tschümperlin, 5.8.2019, Urnerboden)
Älpler-Wunschkonzert: Helferin Mary Fritsch arbeitet am Buffet. (Christian Tschümperlin, 6.8.2019, Urnerboden)
Älpler-Wunschkonzert: SRF-Moderator Bernhard Siegmann freut sich auf die Livesendung. (Christian Tschümperlin, 6.8.2019, Urnerboden)

Sie sind in schönster Tracht gekommen. (Urs Hanhart, Urnerboden, 05.08.2019)

Junge gehen beim Wunschkonzert auf Brautschau

Aber nicht nur das: Das Älpler-Wunschkonzert gilt als heimliche Heiratsbörse. Das können die Jungen vor Ort nur bestätigen. «Ich bin glücklich vergeben, aber als ich noch alleine war, ging ich auch ans Älpler-Wunschkonzert, um Eine zu finden», sagt Thomas Stalder aus dem Entlebuch. Denn hier würde sich ein gleich gesinntes Völkchen treffen. Daraus entstehen Freundschaften. «Wir haben Freunde aus dem Appenzell, die wir einmal im Jahr hier oben treffen», sagt sein Kollege Florian Koch.

Die Cousinen Anita, Noemi und Stefanie Rohrer aus Sachseln und ihre Kollegin Tania von Moos aus Lungern sind auch schon zum zweiten Mal mit dabei. «Es gibt gute Musik und eine gute Stimmung», sagt Stefanie Rohrer. Sie werden vor Ort zelten. Die Damen freuen sich schon darauf, neue Leute kennen zu lernen. «Wir werden noch sehen, ob sich das mit der Partnerbörse heute bewahrheitet», sagt Anita schmunzelnd.

Ohne Helfer im Hintergrund wäre all dies unmöglich. Mary Fritsch ist eine von zirka 140 Freiwilligen. «Am Buffet arbeiten wir in drei Schichten», sagt sie. Die letzte Schicht beginnt um 24 Uhr und endet frühmorgens. «Die letzten Gäste sitzen noch im Zelt, wenn sie um 5 Uhr morgens beginnen, dieses abzubauen», sagt sie. Diese Gäste wechselten dann direkt ins Restaurant Urnerboden und hätten dort «Katerfrühstück». Am Buffet laufe es gut. Wenn die Musik gut sei, werde hinter der Theke mitgejodelt.

Der Zusammenhalt in der Älplerszene ist sehr gross

Unterdessen ist OK-Präsident Markus Walker stark beschäftigt. Auf das Älpler-Wunschkonzert angesprochen, macht er einen zufriedenen Eindruck. Allerdings: «Es ist nicht immer ganz einfach, genügend Helfer zu finden, doch wir haben sie immer zusammengebracht», sagt er. Der Zusammenhalt in der Älplerszene sei sehr gross.

Ein Teil des Älpler-Wunschkonzertes wurde als zweistündige Livesendung zwischen 20 und 22 Uhr auf Radio SRF Musikwelle und Radio SRF 1 übertragen. Dabei wurden im Zelt Grüsse und Musikwünsche entgegengenommen und gespielt. «Die meisten Wünsche können jeweils erfüllt werden», sagt Markus Walker im Vorfeld.

Das Älpler-Wunschkonzert hat SRF-Moderator Thomas Bär ins Leben gerufen und lange moderiert. 2003 beendete er seine Radio-Karriere und begann als Quereinsteiger als Hotelier in Bergün im Graubünden. Nach ihm moderierten Beat Tschümperlin und Christine Gertschen den Anlass. Tschümperlin ist aber inzwischen in den Ruhestand getreten.

Am Abend fast so laut wie an einem Rockkonzert

Nachfolger von Beat Tschümperlin ist der langjährige SRF-Moderator und Direktor der Musikwelle Bernhard Siegmann. Er blickt am Nachmittag mit grosser Vorfreude auf den kommenden Abend. «Das Älpler-Wunschkonzert ist gelebte Volkskultur, es hat eine riesige Tradition und es ist eine richtige Marke geworden», sagt Siegmann. Heutzutage müsste man keinen Anlass mehr am Montag aufziehen. «Aber ans Älpler-Wunschkonzert geht man», sagt er. Gegen Abend überlaufe das Zelt fast. Das treibe den Lärmpegel im Zelt enorm in die Höhe. «Es ist in den letzten Jahren immer lauter geworden. Gemessen in Dezibel ist es inzwischen fast so laut wie an einem Rockkonzert. Das bringt uns auch technisch enorm an Grenzen», sagt er. Deshalb sei einer der besten SRF-Tonmeister engagiert worden, der die Musik abmischt. «Wir haben noch immer eine Jodler-Formation. Wenn der Lärmpegel so laut ist, sind die Jodler kaum noch zu hören. Jetzt haben wir das anders gelöst: Die Jodler singen in der Kirche nebenan und wir spielen die Musik ins Zelt rein.»