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Mysteriöse Besucher: «Woldmanndli» sorgen in Andermatt für Spektakel

Mit bösen Geistern haben sie nichts zu tun, trotz ihres lautstarken Auftritts. Einmal im Jahr werden die etwas mysteriösen «Woldmanndli» im Dorf begeistert empfangen.
Urs Hanhart
Urchige Truppe: Die Woldmanndli beim Einzug in Andermatt. (Bilder: Dominik Wunderli, Andermatt, 27. Oktober 2018)

Urchige Truppe: Die Woldmanndli beim Einzug in Andermatt. (Bilder: Dominik Wunderli, Andermatt, 27. Oktober 2018)

Es waren seltsame Gestalten, die sich am Samstag um die Mittagszeit im Bannwald oberhalb der frisch verschneiten Urschner Metropole herumtrieben, allesamt mit Jutesäcken bekleidet und mit einer Kuhschelle oder einem Ziegenhorn ausgerüstet. Just als die Kirchturmuhr ein Uhr schlug machten sie sich auf den Weg ins Dorf hinunter. Dabei wurde «getryychelt» und getutet, was das Zeug hielt.

Touristen staunen über urchigen Brauch

Es war ein Höllenlärm, den die rund 80 urchigen Figuren auf ihrem Marsch veranstalteten. Dieser dauerte rund eine Stunde und führte via eine Schlaufe zweimal über Andermatts gepflästerte Dorfstrasse. Endpunkt des von Einheimischen und Touristen mit Begeisterung beziehungsweise Staunen verfolgten Spektakels war der Platz vor dem Hotel Drei König und Post. Dort erhielten alle, die sich am Umzug beteiligt hatten, von der Bürgergemeinde Andermatt eine beim herrschenden nasskalten Wetter willkommene heisse Suppe spendiert.

Die Woldmanndli erinnern an Taglöhner aus dem 14. Jahrhundert.

Die Woldmanndli erinnern an Taglöhner aus dem 14. Jahrhundert.

Bei den mysteriösen Gestalten handelte es sich um einheimische Kinder und Erwachsene, die sich als sogenannte «Woldmanndli» verkleidet hatten. «Wir pflegen diesen Brauch schon seit einigen Jahrzehnten, und zwar immer am Chilbi-Samstag», sagte Dean Dahinden, Präsident der für diesen Anlass verantwortlich zeichnenden St.-Nikolaus-Organisation. «Für uns Andermatter hat diese Veranstaltung eine grosse Bedeutung, zumal sie auf einem geschichtlichen Hintergrund beruht. Die ‹Woldmanndli› haben früher eine sehr wichtige Arbeit geleistet. Wir sind sehr stolz darauf, dass es dieser Brauch vor ­einigen Jahren sogar auf die Liste der lebendigen Traditionen der Unesco geschafft hat.» Im Vergleich zu den vorangegangenen Jahren herrschten deutlich schlechtere Bedingungen. «Auf die Beteiligung wirkte sich die garstige Witterung kaum negativ aus», stellte Dahinden fest. «Erfreulicherweise bekunden wir nie Probleme, genügend Leute zu mobilisieren.»

Taglöhner pflegten den Wald

Ende des 14. Jahrhunderts wurde der verbliebene Rest des Waldes oberhalb von Andermatt in Bann gelegt. Jegliche Nutzung war unter Androhung hoher Strafen strengstens untersagt. Um diesem Verbot Achtung zu verschaffen, brauchte es Leute, die den Wald pflegten und Übertretungen meldeten. Bei diesen handelte es sich meistens um Taglöhner, die von den Einheimischen «Woldmanndli» genannt wurden. Dem rauen Klima im Urserental entsprechend, trugen sie aus Jute hergestellte Arbeitskleider. Und zur Verständigung benutzten sie Ziegenhörer.

Vor allem eines muss es sein: laut!

Vor allem eines muss es sein: laut!

Einmal im Jahr lebt nun die Erinnerung an diese Männer, die durch ihre Überwachungstätigkeit dafür sorgten, dass der Urschner Hauptort seinen natürlich gewachsenen Lawinenschutz behielt, wieder so richtig auf.

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