WOV: Das Ja zur WOV sorgt für Reaktionen in den Gemeinden

Bürglen und Schattdorf haben Nein zur neuen Strasse gesagt – eine Botschaft, die bei den Gemeinderäten angekommen ist. Dagegen atmen die Altdorfer Behörden auf.

Anian Heierli
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Bürglen (hier im Bild) und Schattdorf wollen die Neue West-Ost-Verbindung nicht. (Symbolbild Neue UZ)

Bürglen (hier im Bild) und Schattdorf wollen die Neue West-Ost-Verbindung nicht. (Symbolbild Neue UZ)

Anian Heierli

Der 19,8 Millionen Franken teure Kredit für die neue West-Ost-Verbindung wurde mit 52,7 Prozent knapp angenommen (siehe unsere Zeitung von gestern). Die direkt betroffene Gemeinde Altdorf war klar dafür (74,2 Prozent Ja-Stimmen). Doch die beiden anderen unmittelbar betroffenen Orte Bürglen und Schattdorf lehnten die neue Umfahrungsstrasse deutlich ab (Bürglen 63,7 Prozent Nein-Stimmen; Schattdorf 56,2).

Bürglen bleibt wachsam

Der Bürgler Gemeinderat will deshalb künftig ganz genau hinschauen: Laut Medienmitteilung des Gemeinderats steht man jetzt in der Pflicht, sich weiter dafür einzusetzen, dass die WOV für die betroffene Bevölkerung möglichst verträglich umgesetzt wird. Der Gemein­derat Bürglen möchte aus diesem Grund die weitere Planung und die Ausführung eng begleiten. Er werde sich für jene ein­setzen, die wegen der WOV zusätzliche Belastungen auf sich nehmen müssten, heisst es in der Mitteilung.

Als Erstes erwartet der Gemeinderat Bürglen von den Gemeinden Schattdorf und Altdorf ein klares Bekenntnis, dass sie die in ihren Vereinbarungen mit dem Kanton getroffenen flankierenden Massnahmen auch umsetzen und nicht abschwächen. Als Zweites erwartet der Gemeinderat Bürglen vom Kanton, dass er wie bis anhin eng in die weitere Planung einbezogen wird und dass die betroffene Bevölkerung zeitnah über die nächsten Schritte informiert wird.

Das Ja zur WOV gibt dem Kanton Planungssicherheit für das regionale Gesamtverkehrskonzept im Urner Talboden. Der Entscheid nehme den Kanton und alle betroffenen Gemeinden aber auch in die Pflicht, so der Bürgler Gemeinderat. Die Umsetzung müsse sorgsam angegangen werden, und die neu belasteten Gebiete gelte es mit kreativen Ideen zu entlasten. «Der Gemeinderat ist bereit, sich dieser Herausforderung zu stellen», schreibt er in der Mitteilung. Dasselbe Engagement erwarte man auch von den aufatmenden Gemeinden.

«Das Ja müssen wir akzeptieren»

Obwohl sich der Schattdorfer Gemein­derat vor der Abstimmung zur WOV bekannt hatte, hält sich die Begeisterung jetzt in Grenzen: «Der Entscheid ist klar und demokratisch gefallen», sagt Rolf Zgraggen, Gemeindepräsident von Schattdorf. «Und diesen Entscheid werden wir so akzeptieren müssen.» Bis zuletzt habe er aber das Stimmverhalten der Schattdorfer nicht definitiv einschätzen können. Ein derart klares Nein hatte der Gemeindepräsident dann aber doch nicht erwartet. Persönlich glaubt er nicht, dass die Uneinigkeit zwischen Altdorf und Schattdorf einen Einfluss auf die weiteren Verhandlungen habe. «Die Flamas sind ganz klar mit dem Kanton vereinbart und müssen umgesetzt werden», sagt er. «Jetzt heisst es, anzuschauen, wie wir das genau machen.» Aus politischer Sicht befürchtet Zgraggen aber, dass es nun einen gewissen Widerstand und ein unterschwelliges Konfliktpotenzial in anderen Geschäften geben könnte. «Als Beispiel denke ich hier an den Finanzausgleich», sagt er. Altdorf stimmte mehrheitlich für die WOV, Bürglen und Schattdorf dage­gen. «Das zeigt deutlich, dass die Bevöl­kerung der Gemeinden Bürglen und Schattdorf mehrheitlich das Gefühl hat, man würde nicht von der WOV profitieren», so Zgraggen.

Indiz für Aufbruchstimmung

Weit enthusiastischer ist die Reaktion der Gemeinde Altdorf. «Der Gemeinderat freut sich sehr über das Ergebnis», sagt Präsident Urs Kälin auf Anfrage. Erfreut sei man auch über das unmissverständliche Verdikt aus Altdorf, welches die Politik des Gemeinderates klar bestätige. In einer gestrigen Medienmitteilung hält der Altdorfer Gemeinderat fest: «Die WOV wird die Hauptsiedlungsgebiete entlasten und zu mehr Lebensqualität führen.» Sie sei das Herzstück eines leistungsfähigen Verkehrsnetzes im Urner Talboden und werde auch künf­tigen Anforderungen der Mobilität gerecht.

Der Gemeinderat Altdorf sieht im Abstimmungsergebnis ein Indiz für die anhaltende Aufbruchstimmung in Uri: «Mit dem Ja zur WOV können die zentralen Planungen für das Untere Reusstal jetzt umgesetzt werden», schreibt der Gemeinderat. Darunter fallen das ge­samte ÖV-Konzept, die Erschliessung der Entwicklungsschwerpunkte, der geplante Kantonsbahnhof, der Langsamverkehr und das Agglomerationsprogramm. «Bei einem Nein wäre das ganze Entwicklungsprogramm zur Makulatur geworden», sagt Gemeindepräsident Kälin erleichtert. Die Aufgabe des Gemeinderates werde es sein, die Flamas auf dem Gemeindegebiet zu konkretisieren und die dafür notwendigen Bewilligungen einzuholen. «Ein spezieller Dank des Gemeinderats geht an den Urner Baudirektor Markus Züst für seinen herausragenden Einsatz», heisst es in der Mitteilung.