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«Xavier Koller war wie ein Vater für uns»

Regisseur Xavier Koller war es ein Anliegen, dass der Film «Das gefrorene Herz» möglichst authentisch wirkt. Deshalb liess er praktisch sämtliche Filmrollen von Urner Sprechern mit urchigem Dialekt nachsynchronisieren. Eine der grössten Sprechrollen erhielt dabei der heute 73-jährige Ernst Herger aus Unterschächen – besser bekannt als «Stickiger Ernst». Er hatte die Rolle des Hinterauer Gemeindepräsidenten inne. «Ich wurde regelrecht ins kalte Wasser geworfen», erinnert sich der ehemalige Älpler und «Schächenwäldler» an die Arbeiten.

Damals habe er jeweils beim Theater in Unterschächen mitgespielt. Deshalb seien die Produzenten wohl auf ihn aufmerksam geworden und hätten ihn für ein Casting ins Hotel Alpina eingeladen. «Ich musste dort nur einige Sätze sagen», sagt Ernst Herger. «Doch ich hätte nie damit gerechnet, dass ich ausgewählt werde.»

Rund eine Woche verbrachte «Stickiger Ernst» in einem Studio in Zürich, bis sein Text im Kasten war. «Die Arbeit war streng», erinnert er sich. «So etwas hatte ich zuvor noch nie gemacht.» Doch die Zeit in Zürich sei sehr interessant und lehrreich gewesen.

Wenn es nicht klappte, wurde Kaffee getrunken

Herger musste seinen Text nicht auswendig lernen, sondern ablesen. Einige Sätze hätten gleich beim ersten Mal gepasst, andere hätte er fünfzehn- oder zwanzigmal sagen müssen. «Wenn es nicht klappte, wurde man auch ein bisschen nervöser», erzählt Herger.

Einmal habe er mit einem anderen Sprecher einen Dialog einfach nicht fehlerfrei zu Stande gebracht. «Der Text wäre nicht einmal so schwierig gewesen», so Herger. Schliesslich hätte Regisseur Xavier Koller die Übung unterbrochen und die Sprecher erst einmal in eine Kaffeepause geschickt. «Danach ging es besser», sagt der Unterschächner. «Wir waren wirklich ein sehr gutes Team, und Xavier Koller war wie ein Vater für uns.» Herger hatte den Regisseur teilweise auch ein bisschen beraten und dabei die verschiedenen Textstellen noch stärker an den Urner Dialekt angepasst.

Während andere Urner mit kleineren Sprechrollen zum Teil gemeinsam nach Zürich reisten, wohnte Ernst Herger eine Woche ganz allein in einem Hotel in der Grossstadt. «Aber ich ging trotzdem nie in den Ausgang», stellt er klar. Denn er habe strenge Tage gehabt.

«Ich finde den Film noch heute sehr gelungen»

Die Arbeitskollegen im «Schächenwald» hätten ihn, als der Film schliesslich in den Kinos lief, ab und zu schon ein bisschen hochgenommen. «Doch den meisten hat der Film sehr gut gefallen», sagt der Unterschächner. «Und ich selber finde ihn noch heute sehr gelungen.» Trotzdem blieb die Sprechrolle Hergers einziger Ausflug ins Filmbusiness.

Elias Bricker

elias.bricker@urnerzeitung.ch

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