Zgraggen schleppt Neat-Berg

Beim Fasnachtsumzug in Schattdorf hat ihn kaum jemand beachtet. Doch erst dank Christian Zgraggens Einsatz kam der Wagen des Velo-Moto-Clubs ins Rollen.

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Gäste aus Deutschland: Bechtle Zapfe. (Bild: Urs Hanhart/Neue UZ)

Gäste aus Deutschland: Bechtle Zapfe. (Bild: Urs Hanhart/Neue UZ)

Christian Zgraggen sitzt direkt vor dem Neat-Berg. Er steuert den Umzugswagen des Velo-Moto-Clubs, der den Neat-Durchstich thematisiert. Zgraggen muss sozusagen den Gotthard schleppen. Doch die Besucher des Umzugs vom Samstag können den Fahrer kaum sehen. Ein breiter Schlitz vorne in der Mitte und seitlich je zwei kleine Löcher: Das muss für die Sicht genügen. Obwohl Zgraggen mit dem Traktor nur im Schritttempo fährt, bleibt er vorsichtig. Die Strasse in Schattdorf wird von Tausenden Zuschauern bevölkert, die Stimmung ist ausgelassen. «Ich muss sofort reagieren können, wenn jemand direkt vor mir die Strasse überquert», sagt Zgraggen. Er versucht, immer in der Mitte der Strasse zu bleiben. «Wenn es eine hat, konzentriere ich mich auf die Mittellinie.»

Bundesrat Moritz Leuenberger jubelt über den Neat-Durchstich. (Bild: Urs Hanhart/Neue UZ)
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Furchteinflössend: Die Guggenmusik Smürfer-Spätzinder. (Bild: Urs Hanhart/Neue UZ)
Freundliche Piraten verteilen Getränke. (Bild: Urs Hanhart/Neue UZ)
Am Umzug wurde auch geschwungen. (Bild: Urs Hanhart/Neue UZ)
Reisende müssen sich gedulden - kein Abflug wegen dem Vulkanausbruch in Island. (Bild: Urs Hanhart/Neue UZ)
Reisende müssen sich gedulden - kein Abflug wegen dem Vulkanausbruch in Island. (Bild: Urs Hanhart/Neue UZ)
Bei den Landfrauen läuft beim Kochen nicht alles rund. (Bild: Urs Hanhart/Neue UZ)
Wiederbelebungsversuche nach der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko. (Bild: Urs Hanhart/Neue UZ)
Zu stark gestylte Kühe sorgten an der kantonalen Grossviehausstellung für Knatsch. (Bild: Urs Hanhart/Neue UZ)
Der Neat-Zug fährt im Kanton Uri einfach durch - zum Ärger der Einheimischen. (Bild: Urs Hanhart/Neue UZ)
Die Katzenmusik Schattdorf führte den Umzug an. (Bild: Urs Hanhart/Neue UZ)
Farbenfroh präsentierte sich diese Gruppe. (Bild: Urs Hanhart/Neue UZ)
Freude bei diesen ganz jungen Fasnächtlern. (Bild: Urs Hanhart/Neue UZ)
Freude bei diesen ganz jungen Fasnächtlern auf einem Piratenschiff. (Bild: Urs Hanhart/Neue UZ)
Furchteinflössend: Die Guggenmusik Smürfer-Spätzinder. (Bild: Urs Hanhart/Neue UZ)
Farbenfroh präsentierten sich diese Fasnächtler. (Bild: Urs Hanhart/Neue UZ)
Farbenfroh präsentierten sich diese Fasnächtler. (Bild: Urs Hanhart/Neue UZ)
Farbenfroh präsentierten sich diese Fasnächtler. (Bild: Urs Hanhart/Neue UZ)
Ein unerschrockener Pirat. (Bild: Urs Hanhart/Neue UZ)
Furchteinflössende Gesellen. (Bild: Urs Hanhart/Neue UZ)
Gäste aus Deutschland: Bechtle Zapfe. (Bild: Urs Hanhart/Neue UZ)
Umzugfahrer Christian Zgraggen (Bild: Urs Hanhart/Neue UZ)

Bundesrat Moritz Leuenberger jubelt über den Neat-Durchstich. (Bild: Urs Hanhart/Neue UZ)

Der 51-jährige Schattdorfer ist dunkel geschminkt wie seine Kollegen. Auf seinen Wangen leuchtet ein gelb-schwarzer Uristier. Er trägt ein oranges Kombi und einen Helm – obwohl ihn hinter der Wagenverkleidung niemand sieht. Seine Kollegen vom Velo-Moto-Club feiern derweil draussen den Neat-Durchstich. Die Tunnelbohrmaschine fräst sich durch den Berg. Es steigt Rauch empor.

Es gab schon rote Köpfe

Die logistischen Herausforderungen begannen bereits vor dem Umzug. Zuerst musste der Umzugswagen an den Startort beim «Briggäli» gefahren werden. Zusammengebaut worden war das 3,5 Meter breite, 11,5 Meter lange und 4 Meter hohe Gefährt im Altdorfer Eyschachen. Der Berg war absichtlich in zwei Teilen gefertigt worden. Denn sonst hätte man beim Walter Fürst die Unterführung nicht passieren können. Diesmal hat alles geklappt. Vor ein paar Jahren war das anders. Da sorgte der eben fertig gestellte Umzugswagen für rote Köpfe. Als man aus der Halle herausfahren wollte, stellte man mit Schrecken fest, dass das Gefährt einen halben Meter zu breit war. Es half nichts. Der Wagen wurde nochmals auseinandergenommen. Man musste sich zwar ein bisschen beeilen, aber gereicht hat es schliesslich trotzdem noch für den Umzug.

Christian Zgraggen sass schon ein paarmal beim Fasnachtsumzug am Steuer. Vor bald zwanzig Jahren ist er erstmals mit einem Umzugswagen gefahren. «Unser Verein hatte keinen Fahrer, da bin ich eingesprungen.» Er mache es für den Verein. Denn vom Umzug kriegt er als Fahrer nicht viel mit. Die Fasnacht ist für Zgraggen mit dem Umzug aber nicht zu Ende. Als angefressener Katzenmusiker wird er heute mehrere Stunden unterwegs sein – ohne Berg im Schlepptau.

Markus Zwyssig