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Ziegen bereichern das Lagerleben in der Göscheneralp

Familien mit behinderten Kindern erholen sich derzeit in Indianerzelten im Gwüest. Besonderen Spass machen der Naturerlebnis-Gruppe «Wakanda» die Trekkings mit «Bärti», «Chrigu», «Lars» und «Elma».
Markus Zwyssig
Myrta Gisler (links) und Nadine Bless heissen die Teilnehmer im Tipilager willkommen. (Bild: Markus Zwyssig (Göscheneralp, 7. Juli 2018))
Iwan und Rita Zgraggen zusammen mit Tochter Anja und Gottenkind Anita Gisler. (Bild: Markus Zwyssig (Göscheneralp, 7. Juli 2018))
Wenn im Lager etwas Wichtiges ansteht, schlägt Myrta Gisler auf das Indianer-Tambourin. (Bild: Markus Zwyssig (Göscheneralp, 7. Juli 2018))
Iwan und Rita Zgraggen kochen auf dem offenen Feuer. (Bild: Markus Zwyssig (Göscheneralp, 7. Juli 2018))
Unterwegs mit den Ziegen in der Göscheneralp. (Bild: Markus Zwyssig, 7. Juli 2018)
Unterwegs mit den Ziegen in der Göscheneralp. (Bild: Markus Zwyssig, 7. Juli 2018)
Unterwegs mit den Ziegen in der Göscheneralp. (Bild: Markus Zwyssig, 7. Juli 2018)
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Familien mit behinderten Kindern geniessen Tipilager und Ziegentrekking

Den Weg kann man nicht verfehlen. Schon von Weitem sind sie zu sehen, die drei grossen Tipis im Gwüest in der Göscheneralp. Die Indianerzelte haben einen stattlichen Durchmesser von 5,5 bis 7 Meter. Diesen Sommer prägen sie das Bild des wildromantischen Zeltplatzes.

Nach und nach treffen die Familien mit ihren Kindern ein. Der Zeltplatz ist gut erreichbar – sowohl mit dem Privatfahrzeug als auch mit dem Postauto. Die Leute kommen aus dem Kanton Luzern, aus dem Grossraum Zürich und aus dem Kanton Uri. Das dreitägige Lager in der freien Natur kann beginnen. Rund um die Zelte kommt Leben auf. Rechnet man alle Leiter dazu, sind es 27 Personen, die dabei sind. Elf Kinder mit körperlicher und geistiger Behinderung machen mit.

Mut, sich auf ein solches Lager einzulassen

«An unserem Lager soll die ganze Familie teilnehmen können», sagt Nadine Bless, welche das Lager zusammen mit Myrta Gisler-Bissig organisiert. Die Eltern sollen aber auch ihre Freizeit haben und einmal einen Tag etwas auf eigene Faust unternehmen. Die einen Kinder werden nur von der Mutter begleitet, bei anderen ist die ganze Familie dabei. «Es muss für die Teilnehmenden stimmen», sagt Bless. «Schliesslich braucht es auch Mut, sich auf ein solches Lager einzulassen.» Das Lager findet in der Natur statt. Alle schlafen im Tipi. Das Thema «Indianer» steht im Zentrum. Neben Ziegentrekkings in der Umgebung, werden auch Indianerutensilien gebastelt. Musiktherapeutin Verena Gisler kommt auf einen Besuch vorbei.

Myrta Gisler hat viel Erfahrung im Bereich Kinder und Naturpädagogik und Bless mit Ziegen und Trekkings. Sie haben erkannt, dass eine Kombination von beidem zu einer spannenden Mischung führt. Deshalb haben sie die Naturerlebnis-Gruppe «Wakanda» mit Ziegen für Kinder von fünf bis zwölf Jahren ins Leben gerufen.

«Da wir Familien mit behinderten Kindern aus unserem Umfeld kennen, wissen wir, wie streng und manchmal aufopfernd ihr Alltag sein kann», sagt Bless. «Oft müssen sie sich in der Freizeit aufteilen, um allen gerecht zu werden.» Beim Ziegentrekking oder dem dreitägigen Lager können die Familien gemeinsam Zeit verbringen und dabei erst noch Spannendes und Neues entdecken.

Zwei Tage brauchten sie mit etlichen Helfern zum Aufstellen der Tipis. «Das Zusammenräumen geht dafür dann etwas schneller», sagt Myrta Gisler und schmunzelt. Doch noch ist es nicht so weit. Bis im Oktober werden die Zelte stehen bleiben. Campingbetreiber Stefan Mattli ist den Organisatoren entgegen gekommen. Im Gegenzug kann er die Tipis den ganzen Sommer lang an Interessierte vermieten. Die drei Tipis sind dank den massiven Lastwagenblachen wetterfest. Zwei der Indianerzelte haben einen Boden aus Holz. Auch im dritten Tipi sind Paletten ausgelegt worden.

Ziegenbock Bärti führt die Gruppe an

Nur ein paar Meter vom Lagerplatz entfernt grasen die Ziegen Bärti, Chrigu, Lars und Elma. Vor allem die Kinder kennen keine Berührungsängste. «Die Tiere sind sehr neugierig», erklärt Bless. Sie öffnet die Abschrankung und lässt die Tiere ins Freie. Die Gruppe läuft los. «Bärti» läuft vorne. Er trägt eine Statteltasche mit dem Zvieri.

«Ziegen können Kinder, besonders auch solche mit einer Behinderung, auf einer ganz eigenen Ebene berühren», sagt Bless. Und tatsächlich: die Kinder laufen gemütlich mit den Tieren. Fast scheinen sie die Zeit zu vergessen. Die Wanderung könnte noch lange weiter gehen, sie scheinen gar nicht müde zu werden. «Die Kinder werden im Umgang mit den Tieren sensibilisiert», so Bless. «Die Natur wird mit allen Sinnen und auf spielerische Art erfahren.»

Zur Serie «z'Alp und z'Bärg»

Über die Sommermonate herrscht im Kanton Uri wieder reges Treiben auf den Alpen und in den Bergen. Im Rahmen unserer neuen Serie «z’Alp und z’Bärg» stellen wir in loser Folge Menschen vor, die auf einer Alp oder in den Bergen arbeiten oder ihre Freizeit verbringen. Wir porträtieren aber auch Männer und Frauen, die anderen Menschen zu einem schönen Erlebnis verhelfen und sie gut auf den Gipfel und wieder nach Hause bringen. (red)

Zurück auf dem Lagerplatz lodert das Feuer, im Kessel brodelt das Wasser. «Alle sind mit viel Herzblut dabei», sagt Iwan Zgraggen. Er ist zusammen mit seiner Frau Rita für das leibliche Wohl verantwortlich. Sie sind mit einem alten Militäranhänger in die Göscheneralp gekommen. Ein Kollege hat das Gefährt in Raron ersteigert. Nun haben sie den Anhänger zu einer fahrenden Küche umfunktioniert. Auf den praktischen Gestellen hat vieles Platz. Es gibt sogar eine kleine Wäscheleine. Abwechslung gibt es auch auf dem Teller. Zum Frühstück gibt es Birchermüesli. Gekocht wird am offenen Feuer. Risotto und Spaghetti stehen auf der Menüliste. Auch Älpermaggronen dürfen nicht fehlen.

Jetzt ist Zeit für einen Marschhalt. Zwei Trekkings und zwei Lager mit Ziegen konnten organisiert werden, weil das Projekt von der UKB im Rahmen des 100-Jahr-Jubiläums der Bank unterstützt wurde. Inzwischen sind die 40000 Franken langsam aufgebraucht. «Wollen wir weiter machen, müssen wir nun auf Sponsorensuche gehen», sagt Bless. In irgendeiner Form soll es aber weiter gehen, das möchte auch Gisler. «Wir haben von den teilnehmenden Familien durchwegs ein gutes Feedback erhalten. Jetzt aufhören wäre schade.»

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