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«Ziel ist es nicht, Michelangelo zu sein»

Der Garten des Kulturklosters wird während einer Woche zur Steinhauer-Werkstatt. Die Kursteilnehmer kreieren dabei nicht nur ihre persönlichen Kunstwerke, sondern nutzen auch das klösterliche Ambiente, um vom Alltagsstress abzuschalten.
Remo Infanger
Hugo Biasini feilt an seiner Skulptur aus Alabaster im Garten des Kulturklosters Altdorf. (Bild: Remo Infanger, dAltdorf, 11. September 2018)

Hugo Biasini feilt an seiner Skulptur aus Alabaster im Garten des Kulturklosters Altdorf. (Bild: Remo Infanger, dAltdorf, 11. September 2018)

Im Garten des Kulturklosters Altdorf stehen in dieser Woche steinerne Skulpturen auf hölzernen Scheitstöcken, daneben Frauen und Männer – ausgerüstet mit Hammer und Meissel. Noch sehen die Figuren aus Alabaster-Stein unvollendet aus, doch schon bald entstehen aus den garstigen Rohlingen individuelle Kunstwerke in den unterschiedlichsten Formen.

Mit viel Fingerspitzengefühl feilt Hugo Biasini an seinem Werk. «Ich werde es wohl ‹Gordischer Knoten› nennen, weil ich an einer Stelle oft mit dem Stein kämpfen musste», scherzt der ehemalige Abteilungsleiter des Berufs- und Weiterbildungszentrums Uri (BWZ). So erinnere die Skulptur einerseits optisch daran, andererseits passe auch die metaphorische Bedeutung des «Gordischen Knotens» – wenn man an einen Punkt angelangt, wo es kaum mehr weiter geht.

Der Fantasie freien Lauf lassen

Bereits zum vierten Mal nimmt Biasini am Steinhauerkurs im ehemaligen Kapuzinerkloster teil. Für den Bürgler bedeutet die Kurswoche vor allem Erholung. «Beim Steinhauen kann ich total Abschalten vom Alltag», so der Bürgler. «Ich bin ja sonst schon ein sehr ruhiger Mensch, aber während dieser Arbeit muss ich nochmals eine Portion gelassener werden.» Beim Werken könne man seiner Fantasie freien Lauf lassen und die Kreativität so richtig ausleben.

Wendelin Gisler, Leiter des Steinhauerkurses. (Bild: Remo Infanger)

Wendelin Gisler, Leiter des Steinhauerkurses. (Bild: Remo Infanger)

Wendelin Gisler leitet den Steinhauerkurs, der nun zum zehnten Mal durchgeführt wird. Der Mitleiter des Klosters führt darin auch eine homöopathische Praxis für zwei- und vierbeinige Patienten. «Das Steinhauen ist für mich ein beruflicher Ausgleich und mein künstlerischer Beitrag im Kulturkloster», so Gisler. Auf die Idee, zweimal jährlich diese Projektwoche durchzuführen, ist Gisler nach einem Aufenthalt im Schwarzwald gekommen. Aus einer gestressten Arbeitssituation habe er in einer Schule für künstlerisches Gestalten ein Steinhauerkurs besucht. «Innerhalb zwei Wochen habe ich mich total erholen können und mich bei der Arbeit vom Stress freigeklopft», erinnert sich Gisler. Deshalb wollte er auch in Uri etwas Ähnliches anbieten. «Und wo findet man ein ruhigeres Plätzchen als im Klostergarten mit Blick über Altdorf?» Die insgesamt acht Kursteilnehmer haben auch die Möglichkeit, im Kloster zu logieren.

Der Stein gibt vor, wie er aussehen wird

«Zuerst wählen sie einen Rohling aus Speckstein, Alabaster oder Serpentin aus, der sie anspricht», sagt Gisler. «Beim Bearbeiten gibt der Stein durch seine Beschaffenheit die Bewegung und Richtung an und nicht der Künstler», erklärt er weiter. Das sei für viele am Anfang etwas schwer zu akzeptieren. «Wenn jemand kommt und sagt, er wolle eine Katzenstatue erschaffen, muss ich betonen, dass der Stein vielleicht keine Katze werden will.»

Das weiss auch Hugo Biasini. «Ziel ist es nicht, Michelangelo zu sein und eine zweite David-Statue zu kreieren», so Biasini. «Man muss sich am Anfang von der Vorstellung einer bestimmten Wunschfigur loslösen. Erst im Prozess selber entsteht dann das ganz persönliche Kunstwerk.»

Am kommenden Samstag, 10.30 Uhr, werden die kreierten Werke im Garten des Kulturklosters Altdorf öffentlich ausgestellt.

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