«Zivis» sanieren Trockenmauern im Meiental

Rund ums urnerische Meien sind viele Natursteinmauern am Zerfallen. Nun ist eine Gruppe Zivildienstleistender daran, einige davon fachmännisch wieder aufzubauen.

Urs Hanhart
Drucken
Teilen
Zivildienstleistende sanieren im Steilen Trockenmauern.

Zivildienstleistende sanieren im Steilen Trockenmauern.

Bilder: Urs Hanhart / Urner Zeitung (Meien, 23. September 2020)

In der Nähe des Dorfes Meien, rund 50 Meter oberhalb der Susten-Passstrasse, gibt es derzeit eine ganz spezielle Baustelle. Etwas unterhalb davon wehen drei blaue Fahnen mit der Aufschrift «Zivis im Einsatz». Rund ein Dutzend junger Männer packt mächtig zu. Mit Schaufeln, Hämmern und Meisseln wird im sehr stotzigen Gelände echte Knochenarbeit geleistet.

Gut zu sehen auf der Baustelle sind die Fahnen mit der Aufschrift «Zivis im Einsatz».

Gut zu sehen auf der Baustelle sind die Fahnen mit der Aufschrift «Zivis im Einsatz».

Die Zivildienstleistenden sind unter fachkundiger Anleitung mit dem Wiederaufbau von beschädigten Trockenmauern beschäftigt. Gestern erhielten sie Besuch von Regierungsrat Daniel Furrer, der zusammen mit weiteren Gästen einen Baustellenrundgang absolvierte und sich bei dieser Gelegenheit bei den jungen Männern für den grossen Einsatz bedankte.

Das steile Terrain ist eine Herausforderung

«Wir haben im letzten Jahr in einem Steilhang mit der Instandstellung einer Reihe von Stützmauern begonnen. Damals konnten wir 89 Quadratmeter Sichtfläche wieder aufbauen», erklärte Nicolas Ilg von der Stiftung Umweltschutz (SUS), die den Einsatz der Zivildienstleistenden organisiert hat.

Tolle Aussicht aufs Meiental, aber die Arbeit im derart steilen Gelände ist äusserst anstrengend.

Tolle Aussicht aufs Meiental, aber die Arbeit im derart steilen Gelände ist äusserst anstrengend.

Für Ilg, der bei der SUS für den Bereich Trockenmauern verantwortlich zeichnet, ist klar:

«Wir führen das Projekt dieses Jahr weiter, wobei das steile Terrain
und die darunterliegende Strasse
eine grosse Herausforderung darstellen. Hier sind besondere Sicherheitsvorkehrungen
mit Hilfe einer speziellen
Infrastruktur notwendig.»

Die 1976 gegründete SUS ist bereits seit vielen Jahren im Kanton Uri und im Meiental mit ihren Einsätzen für die Natur und die Kulturlandschaften präsent. Bereits Anfang der 2000er-Jahre wurden einzelne Umwelteinsätze mit Schulklassen im Urnerland organisiert. In Kooperation mit Pro Natura wird seit 2003 jährlich eine Biotop-Pflegewoche mit erwachsenen Freiwilligen im Meiental durchgeführt. Mit ihren Zivildienstgruppen, die im Bereich der Biotoppflege arbeiten, hat die Stiftung im Meiental bereits ein Total von mehr als 27 Hektaren Fläche gepflegt. «Die Palette reicht von Trockenwiesen und Trockenweiden bis hin zu Flachmooren», verriet Rita Haudenschild, Stiftungsratspräsidentin der SUS.

Der aktuelle Einsatz steht im Zusammenhang mit dem Landschaftsentwicklungskonzept (LEK) des Kantons Uri, das unter anderem auch den Erhalt von Natursteinmauern beinhaltet. «Mit dem Wandel in der Gesellschaft, aber auch in der Landwirtschaft gibt es weniger Bauern und Leute, die die Kulturlandschaft unterhalten. Hier setzt unser Konzept an», betonte Justizdirektor Furrer und fügte gleich an: «Der Unterhalt ist mit grossem Aufwand verbunden, aber aus verschiedenen Gründen sehr lohnenswert. So finden beispielsweise Pflanzen und Tiere ihren Lebensraum.»

Ein altes Handwerk wiederbeleben

Schon seit Beginn der Baugeschichte in der Jungsteinzeit errichten die Menschen Trockenmauern. Diese prägen und beleben die Landschaft, schaffen einen ökologischen Mehrwert und schützen teilweise auch vor Lawinen und Murgängen. Bereits 1994 hat die SUS damit begonnen, das fast verlorengegangene Wissen um den Bau und Unterhalt von Trockensteinmauern in der Schweiz zu fördern. Der Know-how-Transfer kam von britischen Experten. Mittlerweile hat sich die Stiftung schweizweit zu einem Kompetenzzentrum für Trockenmauerbau gemausert. Seit Beginn ihres Engagements hat die SUS in der Schweiz in verschiedenen Arbeitseinsätzen an mehr als hundert Orten rund 45'000 Quadratmeter Mauern gebaut. Die Zusammenarbeit mit dem Zivildienst besteht seit 1999. «Der Vorteil einer solchen Trockenmauer besteht darin, dass man mit lokalem Material arbeiten kann. Die Mauern wirken sehr harmonisch in der Landschaft», erklärte Ilg.

Stein um Stein ... So werden die alten und teilweise stark beschädigten Trockenmauern wieder aufgebaut.

Stein um Stein ... So werden die alten und teilweise stark beschädigten Trockenmauern wieder aufgebaut.

Im Meiental wurden gemäss Ilg rund 850 Trockenmauern im Landschaftsentwicklungskonzept inventarisiert. Das entspricht einer Länge von 18 Kilometern, wobei es sich bei rund 80 Prozent um Stützmauern handelt. Der Rest sind freistehende Mauern, die primär als Grenzmauern dienen. «Etwa ein Kilometer Trockenmauer ist in einem kritischen Bereich und prüfenswert für eine Sanierung, weil das Gefahrenpotenzial relativ hoch ist», erläuterte Ilg. Bei einer weiteren Sanierung werde aber auch darauf geachtet, welche Trockenmauern landschaftlich, ökologisch oder für die Landwirtschaft interessant seien. Basierend auf diesen Abklärungen, sollen dann die weiteren Etappen geplant werden.