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Seelisberg: Otto Odermatt ist in Kunst, Sagen und Meditation zu Hause

Otto Odermatt schreibt Aphorismen, ist Sagenerzähler, Kulturvermittler und Meditationslehrer. 1976 erschien sein «Innerschweizer Almanach». Heute leitet er mit seiner Frau die Maharishi European Research University in Seelisberg.
Christof Hirtler

Ab Dienstag, 28. Mai, wird Seelisberg wieder von indischen Klängen eingenommen. Namhafte indische Künstler spielen dabei am «Maharishi Gandharva Festival», das bis am 2. Juni stattfindet. Zu den Drahtziehern dieser Veranstaltung zählt Otto Odermatt. Zusammen mit seiner Frau leitet er das Meditationszentrum «Maharishi European Research University» (Meru) in Seelisberg. Doch das ist nicht der einzige Grund, weshalb man Odermatt kennt. Kunst und Kultur werden genau so mit seinem Namen in Verbindung gebracht.

Otto Odermatt wurde 1946 als zehntes von elf Kindern in Stans geboren. Sein Vater betrieb in der Schmiedgasse ein Sattlergeschäft. «Wir waren eine Familie von Handwerkern.» Und von Künstlern. Der bekannteste war der Eisenplastiker Josef Maria Odermatt: Zahlreiche Werke befinden sich im öffentlichen Raum und in Sammlungen von Schweizer Museen. Auch Otto Odermatts Bruder Beat war Künstler. Er besuchte er die Kunstakademie in Düsseldorf, einer seiner Professoren war der weltbekannte Aktions- und Konzeptkünstler Joseph Beuys.

Botengänge für eine geheimnisvolle Frau

Mit Kunst kam Otto Odermatt bereits als kleiner Bub in Kontakt. Er war in den 1960er-Jahren einer der Ausläufer von Annemarie von Matt, der Künstlerin, die jahrelang zurückgezogen in ihrem Haus in Stans wohnte. Nachdem sie sich 1940 in den Priester Josef Vital Kopp verliebte, sprengte ihr Werk die Grenzen gängiger Kunst. Annemarie von Matt zog sich zunehmend in ihre eigene Welt zurück. Odermatt erzählt:

«Man musste drei Mal läuten und danach nach einem speziellen Rhythmus an die Türe klopfen. Erst dann öffnete die geheimnisvolle Frau die Türe.»

Odermatt erinnert sich an die vielen kleinen Zettel, auf denen sie ihre Gedanken festhielt. «Wir wussten nicht, dass dies Kunst war.»

1967 eröffneten Rover das Kleintheater Chäslager in Stans mit dem Ziel, Kultur nach Nidwalden zu bringen. An der Spitze des Chäslagers waren Josef, Beat und Otto Odermatt. 1969 kam es zum Eklat. Das von Beat Odermatt organisierte Wiener Festival geriet aus den Fugen, als die «First Vienna Working Group» auf der Bühne des Chäslagers das Action-Theater «Hunger: Biafra» aufführte. Angepriesen wurde es als Wohltätigkeitsveranstaltung für die Hungernden in Biafra. «Auf der Bühne fand aber ‹das grosse Fressen statt›. Die Aktionisten warfen Pouletknochen ins Publikum», erinnert sich Odermatt. «Verfressen wurden Speisen aus dem ‹Stanserhof› und die Besucher zahlten.»

Die Zuschauer schrien und protestierten. «Der Tumult brach los, als einer der Wiener Aktionisten dem Publikum das ‹Sammelergebnis› präsentierte. Er rechnete vor, wie viel Geld, abzüglich der Rechnung vom ‹Stanserhof›, für Afrika übrig blieb: 3 Franken und 10 Rappen.» Das war zu viel. «Jemand riss den Vorhang herunter und die empörten Zuschauer stürmten die Bühne.» Das hatte Folgen: Josef Maria Odermatt musste unter dem Druck der Regierung als Präsident des Chäslagers zurücktreten. Beat und Otto Odermatt wurden aus dem Verein ausgeschlossen.

Innerschweizer Kultur auf 840 Seiten festgehalten

Der Schriftsteller Paul Nizon schenkte Odermatt, damals Primarlehrer in Spiringen, ein kleines Büchlein, den «Zürcher Almanach». «Ich dachte, in Zürich läuft ja überhaupt nichts. Ich beschloss den Innerschweizer Almanach herauszugeben, eine Anthologie sämtlicher Maler, Bildhauer, Architekten und Schriftsteller», erzählt Odermatt. 1972 erschien der erste, 1976 folgte der zweite, 840 Seiten starke Band.

Im Kunstmuseum Luzern machte Odermatt Aktionen. «Ich druckte ein Plakat ‹Ich bin ein Kunstwerk› und hängte es allen Vernissagebesuchern um den Hals. Ein anderes Mal verschenkte ich Pralinées, beschriftet mit ‹Beuys›», zu Ehren des extravaganten Künstlers Joseph Beuys, der bei der Ausstellungseröffnung anwesend war und sich über Odermatts Idee freute.» Und weiter sagt Odermatt:

«Rückblickend waren mir schon damals die Menschen viel wichtiger als all die ausgestellten und verehrten Kunstwerke.»

Odermatt hatte den Abschluss am Lehrerseminar in Rickenbach noch nicht in der Tasche, als er als Aushilfslehrer nach Spiringen kam. «Ich hatte die Kinder gerne. Das ist das Wichtigste beim Unterrichten.» Das Schulmaterial aber war knapp. «Es gab zu wenig Scheren und keinen Matrizen-Drucker.»

Jeder Bundesrat schickte 250 Franken nach Spiringen

Mit den Kindern stellte Odermatt ein Sagenbuch her. Auf der Gemeindekanzlei wurden die Texte vervielfältigt, die Linolschnitte druckte die Druckerei Huber kostenlos und der «Bido» band die Bücher gratis. «Allen Bundesräten verschickten wir ein Buch, jeder Bundesrat schickte uns 250 Franken», erinnert sich Odermatt an die schöne Gester. Der Fotograf Richard Aschwanden drehte darüber einen Film, den das Fernsehen zeigte. Nebenbei schrieb Odermatt Gedichte im Nidwaldner Dialekt und gab 1974 den Band «Nidwaldner Saage» heraus.

Seit 1976 ist Odermatt Lehrer für Transzendentale Meditation (TM). In den 1960er-Jahren zeigte der indische Meditationslehrer Maharishi Mahesh Yogi auf, dass es eine Meditationstechnik als einfachen Weg zu Glück und Erfüllung gäbe. Die Transzendentale Meditation führe zur Quelle der Schöpfung, ermögliche kosmisches Bewusstsein und befähige den in der modernen Welt lebenden Menschen, parallel im Bereich des Absoluten und Relativen auszuharren und kontinuierlich fehlerlos zu handeln. Maharishi wurde wegen der Beatles zu einer Ikone im Hippie-Mystizismus der 1960er-Jahre.

Und der Meditationslehrer reiste in den Kanton Uri. «Es war eine grosse Aufregung in der ganzen Schweiz, als der Maharishi nach Seelisberg kam», sagt Odermatt.

«Wir wurden als Sekte bezeichnet und die Medien interessierten sich vor allem für das ‹yogische Fliegen›.»

Odermatt betont: «TM ist weder eine Sekte noch eine Religion. Sie ist nur eine einfache, natürliche, geistige Technik, um durch Meditation und tiefe, wohltuende Ruhe inneres Glück und inneren Frieden zu erlangen.» Er glaubt an die heilsame Wirkung:

«Man stelle sich vor, der Nationalrat und der Ständerat in Bern würden vor und nach ihren Sitzungen miteinander meditieren. Die würden anders miteinander reden, das wäre grossartig.»

Maharishi bezeichnete Seelisberg als «Heaven on Earth». Der ideale Ort für das Festival. Die melodische Grundstruktur der klassischen indischen Musik basiert auf dem Raga. Ragas werden meistens einer bestimmten Tageszeit (Morgen, Mittag, Abend) oder Situation zugeordnet. Die Musik basiert auf traditionell festgelegten Tonfolgen, bietet aber Raum für den persönlichen Ausdruck und Improvisation. Die Musik spiegelt die Rhythmen und Schwingungen der Natur wider: Naturtöne, wie wir sie auch vom Alphorn oder vom Naturjodel her kennen.

Infos unter www.meru.ch.

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