ZÜRICH: Bodenständiges für die Städter

Die Urner stellten traditionelles Handwerk vor und zeigten sich auch am grossen Sechseläuten-Umzug von der urchigen Seite. Das fand bei den Zürchern Anklang.

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Margrit Kempf am Besticken von «Tryychlä»-Riemen, (Bild Anian Heierli)

Margrit Kempf am Besticken von «Tryychlä»-Riemen, (Bild Anian Heierli)

Geht es nach dem Zürcher Böögg, so wird der Sommer 2015 ziemlich mies. (Bild: Keystone)
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Genau 20 Minuten und 39 Sekunden nachdem der Scheiterhaufen angezündet worden war, explodierte der Kopf des Riesenschneemanns. (Bild: Keystone)
Der Volksmund sagt: Je rascher nach dem Anzünden der Kopf des Böögg weg fliegt, desto schöner wird der Sommer. (Bild: Keystone)
Die Böögg-Prognose ist allerdings nicht wirklich verlässlich: Letztes Jahr sagte er mit etwas über sieben Minuten einen prächtigen Sommer voraus. (Bild: Keystone)
Tatsächlich war es bloss im Juni - vor allem über Pfingsten - extrem heiss. (Bild: Keystone)
Der Rest des Sommers war dann vor allem nass und kühl. (Bild: Keystone)
Ein Reiter liegt verletzt auf dem Boden, nachdem er vom Pferde geflogen war. (Bild: Keystone)
Nothelfer laden ein verletztes Pferd in den Anhänger. (Bild: Keystone)
Reiter galoppieren um den brennenden Böögg. (Bild: Keystone)
Sie haben den Böögg aufgebaut: Heinz Wahrenberger (links) und sein Nachfolger Lukas Meier auf dem Sechseläutenplatz in Zürich. (Bild: Keystone)
Wildheuer aus dem Schächental im Kanton Uri. (Bild: Keystone)
Wildheuer aus dem Schächental im Kanton Uri. (Bild: Keystone)
Wildheuer aus dem Schächental im Kanton Uri. (Bild: Keystone)
Viktor Röthlin, Marathon-Europameister aus Obwalden. (Bild: Keystone)
Sängerin Francine Jordi und Schwinger Christian Stucki beim traditionellen Umzug Zug der Zünfte am Sechseläuten in Zürich. (Bild: Keystone)
Corine Mauch, Stadtpräsidentin von Zürich. (Bild: Keystone)
Strahlende Gesichter beim Umzug. (Bild: Keystone)
SRF-Sportjournalist Rainer-Maria Salzgeber. (Bild: Keystone)
Unternehmerin Carolina Müller-Möhl. (Bild: Keystone)
Formel 1 Rennstallbesitzer Peter Sauber hoch zu Ross (Bild: Keystone)
«Weltwoche»-Verleger Roger Köppel. (Bild: Keystone)
Kinder am traditionellen Umzug. (Bild: Keystone)
Bundesrat Ueli Maurer (Bild: Keystone)
Der Zürcher Stadtrat Filippo Leutenegger (Bild: Keystone)
Strahlende Gesichter der Frauenzunft. (Bild: Keystone)
Michael Hengartner (links), Rektor der Universität Zürich und André Blattmann, Chef der Armee. (Bild: Keystone)
Alt Bundesrat Hans-Rudolf Merz (Bild: Keystone)
Begeehrter Ex-Mister-Schweiz Renzo Blumenthal. (Bild: Keystone)
Die frisch gewählte Zürcher Regierungsrätin Carmen Walker Späh (Bild: Keystone)
SVP-Nationalrat Toni Brunner (Bild: Keystone)
Zünfter beim traditionellen Umzug (Bild: Keystone)
Strahlende Gesichter (Bild: Keystone)

Geht es nach dem Zürcher Böögg, so wird der Sommer 2015 ziemlich mies. (Bild: Keystone)

Anian Heierli und Markus Zwyssig

Der Kanton Uri war am Sechseläuten prominent vertreten. Wilhelm Tell mit Walterli und eine Wildheuergruppe aus dem Schächental marschierten gestern beim grossen Umzug der Zünfte mit. Mit Rechen, Sense, Bürdeli, Triste und Dengelplatz gaben sich die Urner traditionsbewusst. Bei den Delegationen aus Bürglen, Spiringen und Unterschächen lief auch Erich Herger mit. Der Mitorganisator des Schächentaler Auftritts zeigte sich nach dem Auftritt gegenüber unserer Zeitung beeindruckt von den Menschenmassen. «Es gab viele positive Zurufe und Applaus», sagte der ehemaliger Bürgler Gemeindepräsident erfreut.

Handwerkskunst im Herzen Zürichs

Braun gebrannt, ein Sennenhemd und eine Krumme im Mund: Von Freitag bis Montag zeigten sich die Schächentaler als Gäste auf dem Lindenplatz mitten im Herzen Zürichs als Inbegriff von Ländlichkeit und Bodenständigkeit. Hier stellten die Schächentaler den Städtern traditionelles Urner Handwerk live vor. Sie schmiedeten Treicheln, stickten Riemen und verfilzten Schafwolle. Mit ihrem Handwerk faszinierten sie die Schaulustigen. Allein am Sonntagnachmittag nutzten Hunderte Gäste die Gelegenheit, den knorrigen Handwerkern über die Schulter zu schauen.

«Das Publikum ist angenehm und sehr interessiert», sagte Margrit Kempf aus Bürglen, die Lederriemen für Schellen und «Tryychlä» bestickt. Kempf übt dieses Handwerk seit 25 Jahren in ihrer Freizeit aus. Und dementsprechend perfekt wirken ihre gestickten Blumen und Ornamente. Pro Blume habe sie etwa eine Stunde, erklärte sie. In einem ganzen grossen Lederriemen würden dagegen schon 30 bis 40 Stunden Arbeit stecken. Riemen-Sticken ist aber keine typische Frauenarbeit. In der Regel werden die Kunstwerke von Männern angefertigt. Am meisten Schaulustige drängten sich um den Stehplatz des Spirgners Kobi Arnold, der eifrig eine «Tryychlä» nach der anderen schmiedete.

Auf den Urner Alpen weiden jährlich rund 17 000 Schafe. Deren Wolle wird zu einer breiten Palette kunsthandwerklicher Produkte verarbeitet. Deshalb präsentierte der Verein Urner Wolle am Sechseläuten diverse Filzprodukte. An einem Stand wurde sogar vorgeführt, wie aus gefärbter Wolle richtige Wandbilder entstehen.

Gespräche mit Heimweh-Urnern

Am Infostand erklärte Walter Muheim den Städtern alles rund ums Schächental. «Es kommen viele Leute, die Schächentaler Wurzeln haben oder die Region sonst irgendwie kennen», sagte er. Daraus würden spannende Gespräche entstehen. Klausenpass und Urnerboden seien den meisten Zürchern aber ein Begriff. Das Publikum kam aber nicht nur wegen des Handwerks, sondern auch wegen der Urner Spezialitäten. So gab es Käse von der Alpkäserei auf dem Urnerboden zu degustieren. Auch Älplermagronen, Chabis und Schaffleisch sowie Käsesuppe waren im Angebot. «Mit der Aktion möchten wir den Kontakt zu der Patenschaft für Berggemeinden pflegen und die Tourismusregion Schächental breiter bekannt machen», sagte Muheim.

Kobi Arnold am Schmieden neuer Schellen. (Bild Anian Heierli)

Kobi Arnold am Schmieden neuer Schellen. (Bild Anian Heierli)