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ZUG: Mit Sack und Pack macht er sich auf zur Wallfahrtskapelle

Das wöchentliche Pilgern in den Kanton Uri gehört zum festen Ritual von Josef Arnold – und das schon seit 25 Jahren.
Der 87-jährige Josef Arnold rostet nicht, denn er wandert regelmässig im Kanton Uri. (Bild Werner Schelbert)

Der 87-jährige Josef Arnold rostet nicht, denn er wandert regelmässig im Kanton Uri. (Bild Werner Schelbert)

20 000: Dies ist die Bilanz der Schritte, die Josef Arnold wöchentlich an einem Tag zurücklegt. Seit nun mehr als 20 Jahren stellt sich der 87-Jährige jeden Freitag einer grossen Herausforderung. Egal ob bei Wind, Regen, Schnee oder sengender Hitze, das Pilgern ins Riedertal bei Bürglen im Kanton Uri gehört für den Rentner zu seiner Wochenroutine.

Wallfahrtskapelle Maria Riedertal

«Die Wallfahrtskapelle Maria Riedertal ist eingebettet in Natur und Realität und ist für mich ein wahres Bijoux», schwärmt Josef Arnold. Das Pilgern und die Verbundenheit zur Kapelle liegen in seinen Genen. Sein Vater war Ministrant und pilgerte fast täglich von Bürglen zur Kapelle.

Als gebürtiger Urner war Josef Arnold Schüler des Kollegiums Altdorf. So kam er ebenfalls in den Genuss des Pilgerns: «Dadurch, dass das Kollegium von Benediktinerpatres geführt wurde, vermittelten sie uns schon in jungen Jahren das Motto ‹Ora et Labora›, zu Deutsch: Bete und arbeite. Auch regelmässige Bittgänge zu Wallfahrtsorten gehörten zu unserem Leben dazu.» Dieser lateinische Sinnspruch wurde zum Lebensmotto von Arnold. Durch seine Arbeit als Posthalter war er zuerst in Erstfeld und dann in Oberwil tätig. Während dieser Jahre voller Arbeit konnte er sich nicht ausgiebig dem Pilgern widmen. 1991 wurde der Posthalter pensioniert. Die Zeit war nun vorhanden, um sporadisch den langen Weg von Oberwil bis zur Kapelle im Riedertal zu bestreiten.

Arnold erzählt: «Seit 1995 pilgere ich regelmässig einmal in der Woche. Das Pilgern ist für mich ein grosses Bedürfnis.» Für den ehemaligen Posthalter ist der Hintergrund hauptsächlich geistlicher Natur: «Auf den Pilgerweg nehme ich all die persönlichen Anliegen, Sorgen und Nöte meiner Angehörigen mit, um sie der Mutter Gottes zu vermitteln.» Laut Arnold gehört es auch zu seinem Ritual, für jede Sorge eine Kerze in der Kapelle anzuzünden. Den Pilgerweg bestreitet der gebürtige Urner am liebsten alleine oder in Begleitung seiner Frau. So habe er die Ruhe, die er brauche. Wenn ihn jedoch die ganze Familie begleitet, kann es durchaus vorkommen, dass er als Vater und Grossvater zum Anführer eines ganzen Pilgerzuges wird.

Jeden Freitag also steigt Arnold frühmorgens in Oberwil in die S 2 und fährt nach Altdorf. Sein Weg führt ihn mit dem Bus weiter nach Loreto. Von dort beginnt der gut einstündige Marsch des sportlichen Rentners.

Schokolade hat er immer dabei

In Loreto wird er jeweils sehnlichst erwartet. «Angeblich kennt man mich in Loreto als den Schoggiman», sagt der 87-Jährige lachend und erklärt: «Auf meine Reise nehme ich immer Schokoladetafeln mit und lege sie in die Briefkästen der Kinder. Aber besonders freuen sich die Hunde Luna und Bäri mich zu sehen.» Der Schoggiman denkt nicht nur an das Wohl der Kinder, sondern hat auch immer eine Überraschung für die beiden Vierbeiner dabei.

Nach knapp 350 Höhenmetern erreicht er sein Ziel. Eingebettet in Wald und Wiese ruht die Kapelle und wartet auf den wöchentlichen Besucher. Doch der Weg dorthin ist kein Zuckerschlecken. In den Wintermonaten bereitet er Arnold oft Mühe. Durch das schattige Tal kann es sehr kalt und eisig werden. Aus diesem Grund musste der Rentner seiner Frau ein Versprechen machen: «Immer, wenn ich unterwegs bin, habe ich mein Handy eingeschaltet, um im Notfall meine Frau oder meinen Sohn, der Arzt ist, anzurufen. Bis auf ein paar Stürze ist jedoch noch nie etwas Schlimmeres passiert.»

Denn zum jetzigen Zeitpunkt mit dem Pilgern aufzuhören, ist für ihn keine Option: «Dank des Pilgerns roste ich nicht ein und bleibe fit. Solange es die gesundheitliche Situation erlaubt, ist es mir ein tiefes Anliegen zu Pilgern», so Arnold. Stolz rechnet er vor, wie viele Male er bereits den Weg ins Riedertal auf sich genommen hat. Die Anzahl überschreitet die Tausendergrenze, und wenn es nach seinem Willen geht, so werden noch viele weitere Male dazukommen.

Amanda Amstad

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