Altdorf: Zukunft des Alpen-Gütertransports thematisiert

Der Schlüssel für einen nachhaltigen Güterverkehr im Alpenraum liegt in der internationalen Zusammenarbeit – so lautet das Fazit des Logistik-Dialogs vom Mittwoch in Altdorf.

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Johannes Heeb (v.l.), Jon Pult, Ingrid Felipe und Ernst Lung diskutierten über den Gütertransport. (Bild: Remo Infanger, Altdorf, 17. Oktober 2018)

Johannes Heeb (v.l.), Jon Pult, Ingrid Felipe und Ernst Lung diskutierten über den Gütertransport. (Bild: Remo Infanger, Altdorf, 17. Oktober 2018)

Wie sollen Güter in Zukunft durch die Alpen transportiert werden? Wie können dabei die Auswirkungen auf Natur und Bevölkerung reduziert werden? Wie lösen andere Alpenregionen ihre Transportprobleme?

Mit Fragen wie diesen beschäftigten sich am Mittwoch rund 90 Fachpersonen aus ganz Europa im «Uristier»-Saal in Altdorf. Der Höhepunkt des ganztägigen «Logistik-Dialogs» war die von Markus Maibach moderierte Podiumsdiskussion mit Akteuren, die mit dem Verkehr im Alpenraum zu tun haben. Innovative Ansätze für nachhaltige Transportlösungen standen im Zentrum der Gespräche.

Landesgrenzen sollen überschritten werden

Einig waren sich die Redner besonders in einer Sache: Ein nachhaltiger Güterverkehr durch die Alpen funktioniert nur gemeinsam. «Wir müssen vom Gedanken wegkommen, dass der Alpentransit bloss ein nationales Anliegen ist», sagte Jon Pult, Präsident der Alpen-Initiative. «Den Schienenverkehr durch die Alpen voranzubringen, schaffen wir nur aus einer internationalen Perspektive.»

Dem pflichtete auch die Tiroler Landeshauptmann-Stellvertreterin Ingrid Felipe bei. Sie unterstrich die Wichtigkeit der internationalen Zusammenarbeit, um den Güterverkehr auf die Schiene zu verlagern. «Das zentrale Stichwort heisst Harmonisierung», so Felipe. «Es darf nicht sein, dass sie Verkehrspolitik einer Alpenregion auf Kosten einer anderen Region geht.» So würden beispielsweise jedes Jahr mehr Lastwagen über den Brenner in Österreich fahren, während die Zahl des alpenüberquerenden Schwerverkehrs in der Schweiz rückläufig ist. Felipe sprach zudem ein weiteres Pro-blem an, das gerade den Lastwagenverkehr zusätzlich belastet. «Kostenloser Rückversand von Produkten bei Onlinehändlern gehört eigentlich verboten», forderte Felipe. «Wenn man jederzeit alles gratis zurückschicken kann und man nicht einmal einen Preis dafür bezahlen muss, dass dafür ein LKW durch die Gegend fährt, dann wird irgendwann ein Wildwuchs draus.»

Der Schienenverkehr soll leiser werden

Dass die Topografie der Alpen die Logistik vor grosse Herausforderungen stellt, weiss auch Ernst Lung, Vertreter der Alpenkonvention. «Der Schutz des Alpengebiets sowie der Erhalt der Lebensqualität der Bevölkerung dürfen nicht ausser Acht gelassen werden», so Lung. «Gerade bei der Lärmminderung des Schienenverkehrs gibt es in Europa bereits sehr innovative Ansätze.»

Johannes Heeb, Co-Direktor des Innovationszentrums Detranz, ergänzte: «Die Verkehrs- und Transportproblematik in den Alpen kann nur gelöst werden, wenn verschiedene Puzzleteile zusammenpassen. Setzt man nur bei der Innovation, bloss bei den Konsumenten, oder nur in der Politik an, dann laufen wir irgendwann auf.» Es brauche nebst der Harmonisierung im Bereich der Technik auch mehr Sensibilisierung der Bevölkerung und eine «vorwärtsgerichtete politische Agenda» auf europäischer Ebene.

Organisiert wurde der Logistik-Dialog von «AlpInnoCT», ein Projekt mit dem Ziel, technische Innovationen für den kombinierten Verkehr voranzutreiben. Auch das Innovationszentrum Detranz, das sich für eine transporteffiziente Wirtschaft einsetzt sowie Imonitraf, ein Netzwerk von Regionen im Alpenraum, die vom Transitverkehr betroffen sind, waren Mitorganisatoren.