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ZUNFT: Urner Legende prägt die Fasnacht in Sursee

Vor 142 Jahren haben sich Männer aus Sursee einen Urner zum Vorbild genommen. Seither lässt die Zunft Heini von Uri zur Fasnachtszeit jenen Narren wieder auferstehen, der gemäss Legende als Vollwaise aus Sisikon in Luzern gestrandet sein soll.
Carmen Epp
Mit einem Fackelzug (links) wird am Dreikönigstag jeweils der neue Heinivater vorgestellt. Der mimt während der Fasnacht den legendären «Heini von Uri», begleitet von den drei Trabanten; rechts, von oben: Teufel, Feuk und Lälli. B (Bilder: Corinne Glanzmann)

Mit einem Fackelzug (links) wird am Dreikönigstag jeweils der neue Heinivater vorgestellt. Der mimt während der Fasnacht den legendären «Heini von Uri», begleitet von den drei Trabanten; rechts, von oben: Teufel, Feuk und Lälli. B (Bilder: Corinne Glanzmann)

Carmen Epp

carmen.epp@urnerzeitung.ch

In Sursee ist ein Urner fester Bestandteil der Fasnacht: Obwohl schon mehrere Jahrhunderte tot, wird die Legende des «Heini von Uri» seit 1876 jedes Jahr zur fünften Jahreszeit von der gleichnamigen Zunft zum Leben erweckt.

Wer die Fasnachtszunft in Sursee erlebt, erkennt schnell, dass ihr Urner Erbe auch optisch zum Tragen kommt: In schwarzgelben Gewändern begleiten die rund 120 Zunftmitglieder an der Fasnacht ihr Oberhaupt, den Heinivater. Der mimt in einem gelbschwarzen Narrengewand mit Zipfeln und Schellen den «Heini von Uri». Der Mantel des Heinivaters macht die Beziehung zu Uri und die Geschichte des Fasnachtshelden deutlich: Auf der linken Brust prangt der Uristier, auf der rechten das Wappen Österreichs.

Eine Nauenfahrt endet beim Habsburger Herzog

Was es mit der Zunft Heini von Uri auf sich hat und wer ihr Vorbild ist, erzählt Präsident Peter Wyder gerne. Die Geschichte beginnt in Uri: «Der Legende nach ist Heini von Uri 1366 als Heiri Grepper in Sisikon geboren», beginnt Wyder. Die Mutter starb bei der Geburt, der Vater war unbekannt. Und so verbrachte der spätere Fasnachtsheld seine Kindheit bei seinem Grossvater mütterlicherseits. «Als Neunjähriger durfte Heiri Grepper seinen Grossvater auf einer Nauenfahrt nach Luzern begleiten», fährt Wyder fort – jetzt wird die Geschichte spannend. Wegen eines Sturms geriet der Nauen im Luzerner Seebecken in Seenot. Das Schiff kenterte, der Grossvater ertrank. Heiri konnte gerettet werden und wurde vom Schultheiss von Luzern aufgenommen.

Jahre später begleitete Heiri Grepper den Schultheiss auf einem Besuch beim Habsburger Herzog Leopold III. «Alle Gäste stellten sich dem Herzog vor, und ein jeder hatte ein ‹von› in seinem Namen, nur Heiri nicht. Schlau wie er war, wusste sich der vife Urner zu retten», erzählt Wyder weiter: Als er an der Reihe war, habe er sich als «Heini von Uri» vorgestellt – dem Namen, der ihm seither bleiben sollte. Diese Schlagfertigkeit imponierte dem Herzog, und so nahm er den Urner als persönlichen Hofnarren unter seine Fittiche.

Am 9. Juli 1386 – ein Datum, das später in die Geschichte eingehen sollte – wurde Herzog Leopold III. bei der Schlacht von Sempach getötet. «Heini wollte seinen Herrn noch davon abhalten, überhaupt in die Schlacht zu ziehen, nachdem er das Heer der Eidgenossen gesehen hatte», fährt Wyder fort. Als Strafe für diese unheilvolle Prophezeiung musste Heini im damals noch österreichischen Sursee bleiben, während sein Herzog in die Schlacht zog. Nachdem Leopold III. nie mehr zurückkehrte, machte er dort einige Jahre lang den Stadt- statt den Hofnarren.

Heini von Uri hält der Gesellschaft den Spiegel vor

Diesen Narren hat sich die 1876 von ein paar Bürgern von Sursee ins Leben gerufene Zunft zum Vorbild genommen. Seither tragen sie das Erbe des «Heini von Uri» an jeder Fasnacht weiter. Nebst der Aufrechterhaltung des Brauchtums und der Tradition gehören auch die Belebung der Fasnacht und die Pflege der Geselligkeit zu den wichtigsten Aufgaben der Zunft. Zudem habe ein Hofnarr, wie «Heini von Uri» es war, nicht nur dumme Sprüche geklopft, sondern mit seinen Spässen auch immer – und als einziger im Hofstaat – dem Herzog den Spiegel vorhalten dürfen.

Das tut denn auch die Heinizunft, indem der Heinivater immer von drei maskierten Trabanten begleitet wird: dem Teufel, dem «Lälli» und dem «Feuk». Der Teufel steht für das Böse, der «Lälli» für die Geschwätzigkeit und der «Feuk» für den Hochmut. «Wie damals bereits Heini von Uri mahnen nun auch wir an der Fasnacht vor diesen drei Untugenden», erklärt Wyder. Das beginnt in der Heinizunft schon früh: Für jede der drei Trabanten gibt es ein Pendant bei den Kindermasken. So begleiten die Kleinsten den Heinivater an der Fasnacht als «Grobian», «Vögelistruss» und «Chiletürndler».

Überhaupt verstehe sich die Zunft Heini von Uri Sursee als Familienzunft, erklärt Wyder. Auch er sei schon als Kind durch seinen Vater, der 1971 Heinivater war, in die Zunft hineingewachsen. 40 Jahre später zog Wyder selber im Narrenkostüm durch Sursee. Um Heinivater zu werden, muss man mindestens zehn Jahre aktiv in der Zunft dabei sein und von einem dreiköpfigen Gremium ausgewählt werden. Anders als etwa der «Fritschivater» der Zunft zu Safran in Luzern sei das Amt des Heinivaters nicht an finanzielle Voraussetzungen gebunden, wie Wyder erklärt. «Bei uns ist es sogar verpönt, dass der Heinivater eine Runde zahlt.» Das tut dem Ansehen des Heinivaters in Sursee keinerlei Abbruch. «Im Gegenteil», sagt Wyder. «An der Fasnacht gibt der Stadtratspräsident quasi für eine Woche das Zepter in die Hände des Heinivaters. Dann ist er der höchste Surseer.»

Freundschaft zu Sisikon ist geblieben

An 50 bis 60 Anlässen pro Fasnacht macht der Heinivater mit seinem Gefolge denn auch Jung und Alt in Sursee die Aufwartung. Wyder nennt etwa die Besuchsfahrten in Altersheime, den Heiniball, die Seniorenfasnacht, die Familienfasnacht oder das Narrenlaufen.

Ausserdem pflegt die Zunft eine Verbindung zum Ursprungsort ihres Namensgebers und Vorbilds – zu Sisikon beziehungsweise zur dortigen Fasnachtsgesellschaft. Zum 100-Jahr-Jubiläum der Heinizunft etwa fuhren die Zünftigen mit einem Nauen nach Sisikon, wo sie von der Fasnachtsgesellschaft gefeiert wurden. Und zur alljährlichen Inthronisation des neuen Heinivaters werden die Sisiger Fasnächtler jeweils nach Sursee eingeladen – für Wyder eine «Ehrensache».

«Wie damals Heini von Uri mahnen auch wir an der Fasnacht vor den drei Untugenden.» Peter Wyder, Zunftmeister (Bild: UZ)

«Wie damals Heini von Uri mahnen auch wir an der Fasnacht vor den drei Untugenden.» Peter Wyder, Zunftmeister (Bild: UZ)

Einer der Trabanten des Heinivaters: der Teufel. (Bild: Corinne Glanzmann)

Einer der Trabanten des Heinivaters: der Teufel. (Bild: Corinne Glanzmann)

Der Trabant «Feuk». (Bild: Corinne Glanzmann)

Der Trabant «Feuk». (Bild: Corinne Glanzmann)

Trabant «Lälli». (Bild: Corinne Glanzmann)

Trabant «Lälli». (Bild: Corinne Glanzmann)

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