Zusammenarbeit wird bekräftigt

Seit 50 Jahren pflegt die Gemeinde partnerschaftliche Beziehungen mit der Stadt Grenchen. Diese äusserst fruchtbare Kooperation basiert auf drei kräftigen Pfeilern, die auch künftig Bestand haben sollen.

Drucken
Teilen
Am Grenchner Fest wurde der Vertrag für die Patenschaft der Stadt Grenchen mit der Gemeinde Unterschächen nach 50 Jahren wieder erneuert und bekräftigt. (Bild: Oliver Menge, Grenchen, 2. September)

Am Grenchner Fest wurde der Vertrag für die Patenschaft der Stadt Grenchen mit der Gemeinde Unterschächen nach 50 Jahren wieder erneuert und bekräftigt. (Bild: Oliver Menge, Grenchen, 2. September)

Am 19. August hat die Gemeinde Unterschächen anlässlich des traditionellen gemeinsamen Wandertags, verbunden mit der Einweihung der neuen WC-Anlage auf der Alp Äsch, auf die 35-jährige Patenschaft mit der Baselländer Gemeinde Aesch zurückgeblickt (wir berichteten). Im Rahmen des Grenchner Fests 2018 wurde nun am vergangenen Sonntag auch das 50-jährige Bestehen der Patenschaft zwischen der Stadt Grenchen und der Gemeinde Unterschächen gebührend gefeiert. Aus diesem Grunde reiste eine zwölfköpfige Delegation aus Unterschächen, angeführt von Gemeindepräsident Ambros Arnold, in die Solothurner Uhrenstadt.

Stadtpräsident François Scheidegger erinnerte in seiner Ansprache an die Anfänge der Beziehungen, die auf das Jahr 1968 zurückgehen. Nach dem damaligen Lawinenwinter, der in Uri Tod und Verwüstung gebracht hatte, nahmen die Behörden der Stadt Grenchen mit dem Urner Regierungsrat Kontakt auf. Sie wollten eine Berggemeinde unterstützen und baten um einen Vorschlag.

Regierung schlägt Unterschächen vor

Die Wahl des Urner Regierungsrats fiel auf die damals finanzschwächste Gemeinde Unterschächen, die zum dritten Mal in Folge unter schlimmen Lawinenschäden litt. Bald kam es zu einem ersten Treffen zwischen den Behörden von Grenchen und Unterschächen. Just zu Weihnachten war die Patenschaft mit der Überweisung eines Beitrags zur Soforthilfe besiegelt.

In den vergangenen 50 Jahren sind rund 750000 Franken aus der zweitgrössten Solothurner Stadt ins Schächental geflossen. Die Gelder wurden gezielt zur Tilgung von Schulden, für die Erstellung von Infrastrukturen und damit verbundene Landerwerbe, zur Behebung von Unwetterschäden oder auch für die Unterhaltskosten in Unterschächen eingesetzt. Erwähnt sei an dieser Stelle etwa die finanzielle Unterstützung der Stadt Grenchen für den Bau der Wasserversorgung (1968 bis 1977; 166000 Franken) und der Bielenstrasse (1973 bis 1980; 170000 Franken), für den Landerwerb im Planzermätteli zur Erstellung des Sportplatzes (1981; 70000 Franken, für den Bau der neuen Aula (1988 bis 1991; 190000 Franken), für die Sanierung des Sportplatzes (1997; 40000 Franken) oder auch für die Anschaffung eines idealen Feuerwehrfahrzeugs (2007; 25000 Franken).

Grenchner packen auch tatkräftig zu

Es sei aber nicht nur finanziell geholfen worden, betonte der «Stapi» am vergangenen Sonntag. Grenchnerinnen und Grenchner hätten immer wieder auch tatkräftig zugepackt. «So kam in den vergangenen 50 Jahren eine stattliche Anzahl an Manpower-Stunden zusammen», erklärte Scheidegger. Jugendliche, Schüler, der Zivilschutz, aber auch die «Kiwaner» oder der Lions Club Grenchen hätten verschiedene Projekte realisiert, so etwa den beliebten Grenchnerweg rund um das Dorf, den Begegnungsplatz Rüti oder auch den Spielplatz beim Primarschulhaus. Bei einem Zivilschutzdienst erfolgten 1989 Praxiseinsätze im Lawinenschutz und für die Alpwirtschaft. Und auch nach den Hochwasserschäden von 1977 und 2005 durfte Unterschächen auf tatkräftige Unterstützung aus Grenchen zählen. Scheidegger betonte ferner die kulturellen und persönlichen Beziehungen, die sich im vergangenen halben Jahrhundert entwickelt hätten.

Unterschächen: Zeitgemässe Infrastruktur und engagierte Bevölkerung

Der Unterschächner Gemeindepräsident Ambros Arnold verglich die Beziehungen mit einem dreibeinigen Stuhl, der bekannterweise nie wackle. Finanzielle Unterstützung, tatkräftige Einsätze vor Ort und freundschaftliche Verbundenheit seien die drei Säulen dieser Paten- und Partnerschaft. Hilfe zur Selbsthilfe habe man immer als zielführendes Motto vor Augen gehalten. Und diese Hilfe zur Selbsthilfe hat gefruchtet – nicht zuletzt dank der Grenchner Unterstützung. Unterschächen konnte seine Selbstständigkeit erhalten und ist heute ein lebens- und liebenswertes Bergdorf mit zeitgemässer Infrastruktur und einer engagierten Bevölkerung.

Der Unterschächner Gemeindepräsident Arnold Ambros und Grenchens Stadtpräsident François Scheidegger tauschten wertvolle Geschenke aus. (Bild: Oliver Menge, Grenchen, 2. September 2018)

Der Unterschächner Gemeindepräsident Arnold Ambros und Grenchens Stadtpräsident François Scheidegger tauschten wertvolle Geschenke aus. (Bild: Oliver Menge, Grenchen, 2. September 2018)

Holzbank und Broschüre als Gastgeschenke

Geschenke erhalten bekanntlich die Freundschaft. So überreichte Grenchens «Stapi» der Unterschächner Delegation eine von Claude Barbey gefertigte Monotypie. Diese revanchierte sich mit einer «bäumigen» Holzbank sowie mit einer Broschüre, in der die Meilensteine der Patenschaft aufgearbeitet worden sind. «Freundschaften sind entstanden, die man weder in Grenchen noch in Unterschächen missen möchte», ist darin zu lesen. «Gleichzeitig kam es bei beiden Partnern zu wichtigen Horizonterweiterungen. Schön, wenn das Verständnis zwischen Stadt- und Bergbevölkerung Früchte trägt.»

Fortführung der Zusammenarbeit unterstrichen

In einer gemeinsamen Erklärung wurde am vergangenen Sonntag schliesslich die Fortführung der Zusammenarbeit schriftlich festgehalten. Diese Kooperation stehe symbolisch für die Solidarität zwischen Stadt und Land in der Schweiz, wurde bei den Feierlichkeiten in Grenchen betont. «Unterschächen freut sich, wenn die Beziehungen auch in Zukunft Bestand haben», betonte Ambros Arnold. Er bedankte sich gleichzeitig bei allen Grenchnern für die nachhaltige Unterstützung, die man in den vergangenen Jahren habe erfahren dürfen. (red)