Altdorf: Zwei Journalisten – zwei Welten

Kurt Zurfluh und Anian Heierli standen Erich Herger im Sonntagsgespräch Red und Antwort.

Paul Gwerder
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Anian Heierli (von links) und Kurt Zurfluh im Gespräch mit Erich Herger.

Anian Heierli (von links) und Kurt Zurfluh im Gespräch mit Erich Herger.

Bild: Paul Gwerder (Altdorf, 26. Januar 2020)

Grösser hätte der Unterschied zwischen den zwei Protagonisten im Sonntagsgespräch in den Räumlichkeiten von Triff Altdorf vor vielen Gästen kaum sein können: Auf der einen Seite der 88-jährige ehemalige Chefredaktor des «Urner Wochenblatt» Kurt Zurfluh und auf der anderen der um 55 Jahre jüngere «Blick»-Reporter Anian Heierli. «Ich war nie gerne Lehrer und wollte lieber schreiben», sagte Zurfluh auf eine Frage von Moderator Erich Herger. Als die Anfrage vom «Urner Wochenblatt» kam, musste er nicht zweimal überlegen.

In den ersten drei Jahren ab 1961 arbeitete er noch nebenamtlich, dann wurde er Redaktor. Ein eigenes Büro gab es nicht, sondern er arbeitete von zu Hause aus – ohne Computer und Fotoapparat. «Ich schrieb viele Artikel von Hand und da meine Schrift sehr gut lesbar war, konnte ich diese direkt in der Druckerei abgeben.» Ob er denn auch schon bedroht wurde? «Es gab schon manchmal Reklamationen und die Menschen waren am Telefon nicht immer so freundlich.» Zurfluh weiss aber auch: «Nicht alles, was wahr ist, darf man dann auch schreiben.»

Nach einigen stressigen Jahren habe er die Zeitung für drei Jahre verlassen, um wieder als Lehrer zu arbeiten. Dann kehrte er als erster UW-Chefredaktor zur Zeitung zurück und erhielt zwei Mitarbeiter. Absolute Höhepunkt war der Goldmedaillengewinn von Bernhard Russi an den Olympischen Spielen in Sapporo. Der riesige Empfang in Altdorf und später in Andermatt war eine Extraausgabe des «Urner Wochenblatt» wert. «Für mich war dies einer meiner zahlreichen 24-Stunden-Tage», so Zurfluh.

Nicht alle haben Freude am «Blick»-Reporter

Anian Heierli ist im Kanton Graubünden aufgewachsen und hat die Matura in Chur abgeschlossen. Im Jahr 2012 beendete er sein Studium in Medienwissenschaften und Soziologie an der Universität Basel. Anschliessend folgte ein Volontariat bei der «Zürichsee Zeitung» und danach arbeitete er während dreieinhalb Jahren als Redaktor bei der Urner Zeitung. Seit vier Jahren ist der begeisterte Mountainbiker beim «Blick» als Reporter beschäftigt, ist für die Zentralschweiz zuständig und wohnt weiterhin in Uri.

Als «Blick»-Reporter ist er ständig auf Achse und an vorderster Front dabei, wenn es um Unfälle, Verbrechen oder Gerichtsverhandlungen geht. «Ich bin immer da, wo es brennt, mache die Bilder selber und erstelle daheim für den ‹Blick› den Bericht», sagt Heierli. Doch wie steht es um die Glaubwürdigkeit des «Blick»? Dazu Heierli: «Alle Augen der Konkurrenten richten sich immer auf uns und warten nur auf einen Fehler, deshalb geben wir uns die grösste Mühe, immer wahrheitsgemäss von einem Ereignis zu berichten und dies erst noch mit Fotos zu belegen.» Nicht alle hätten Freude, wenn er an der Tür läute. Sätze wie «Mit dem ‹Blick› wollen wir nichts zu tun haben, hau ab», habe er schon öfters gehört.

Der Ruf der Journalisten sei nicht der beste, so Erich Herger, deshalb fragte er provokativ, ob die beiden Gäste den Beruf wieder ergreifen würden. Zurfluh: «Für mich ist das keine Frage, denn es war eine schöne Zeit, in der ich sehr viele Bekanntschaften machen durfte und war mit dem ganzen Kanton per Du. Ich würde diesen vielseitigen Beruf jedem jungen Menschen empfehlen.»

Heierli sagte dazu: «Im Moment stimmt es für mich, obwohl es manchmal harte Arbeitszeiten gibt.» Aber wenn seine Berichte von den Leuten gelesen würden, gebe dies schon ein tolles Gefühl. «Das Schlimmste für mich ist, wenn nichts passiert und ich fieberhaft nach einer Story suchen muss, denn es wäre absolut peinlich, wenn mein Chef etwas in meiner Region sieht und ich die Geschichte verpasst hätte.» Deshalb ist Heierli froh um sein grosses Beziehungsnetz, denn die Leute, die etwas erfahren haben rufen eher den «Blick» an als die NZZ.