ZWEITE RÖHRE: Ein Landrat sorgt sich um die Zukunft der Urner Passstrassen

Aussagen von Doris Leuthard und Astra-Angaben lassen David Imhof nicht kalt. Der SP-Landrat hat eine Interpellation eingereicht.

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Der SP-Landrat David Imhof sorgt sich um die Urner Passstrassen. (Symbolbild Neue UZ)

Der SP-Landrat David Imhof sorgt sich um die Urner Passstrassen. (Symbolbild Neue UZ)

bar. Bei der Wiedereröffnung der Schöllenenstrasse sagte Bundesrätin Doris Leuthard im Juni 2015: «Die Passstrasse ist zwar wichtig, aber sie ist eben nicht immer ganz sicher. Es braucht deshalb ein redundantes System von Schiene und Strasse ohne Kapazitätserweiterung, damit in Ereignisfällen ein Tunnel zur Verfügung steht.»

Gehe man von einem Ja des Volks für den Bau einer zweiten Röhre aus, so lasse einen diese Aussage der Verkehrsministerin nicht kalt, meinte der Erstfelder SP-Landrat David Imhof gestern. Fragen werfe aber auch der im Dezember 2015 publik gemachte massiv höhere Landbedarf in Uri und im Tessin für den Bau einer zweiten Röhre auf. Gemäss Bundesamt für Strassen (Astra) werden in Uri für den lnstallationsplatz und das Deponieren von Ausbruchmaterial 150 000 statt 30 000 m2 beansprucht. «Das ist fünfmal mehr als zuerst angenommen und entspricht einer Fläche von rund 21 Fussballfeldern, die für eine Zeitdauer von zwölf Jahren oder länger belegt sein wird», sagte der Erstunterzeichner. Für die LKW-Verladeanlage im Rynächt wären gemäss Imhof während rund sechs Jahren 30 000 bis 40 000 m2 nötig.

Aus Nationalstrassennetz streichen

Die Schöllenenstrasse und die Gotthard-Passstrasse sind Teil des Nationalstrassennetzes und ergänzen den zweispurigen Strassentunnel zu einem vierspurigen System. So wurde es 1965 bei der Aufnahme des Gotthard-Strassentunnels ins Nationalstrassennetz festgelegt. «Wenn eine zweite Strassentunnelröhre gebaut wird, könnte der Bund die Schöllenenstrasse und die Gotthard-Passstrasse wie die andern Urner Passstrassen als überflüssig aus dem Nationalstrassennetz streichen», befürchtet Imhof. Er stellt in seiner Interpellation deshalb folgende Fragen:

  • Bundesrätin Doris Leuthard hat im vergangenen Juni durchblicken lassen, dass für den Bundesrat ein vierspuriger Betrieb der beiden Strassentunnelsam Gotthard bei einer Sperrung der Passstrasse durchaus denkbar ist. Teilt der Urner Regierungsrat diese Ansicht, und welche Möglichkeit sieht er in seinem Kompetenzbereich, um ein solches Szenario des vierspurigen Betriebs bei einerStörung der Gotthard-Passstrasse zu verhindern?
  • Ist der Aussage der Bundesrätin nicht zu entnehmen, dass – sollten einmal zwei Strassentunnelröhren gebaut sein – die Bereitschaft des Bundes deutlich abnehmen wird, die Schöllenenstrasse nach einem Naturereignis wie in diesem Jahr rasch wieder zu öffnen? Welche Möglichkeiten sieht der Regierungsrat, die Versorgung des Urserntals sicherzustellen, wenn es längere Zeit auf der Strasse abgeschnitten sein wird, weil die rasche Wiedereröffnung der Schöllenenstrasse aufgrund der möglichen Transportredundanz in den beiden Tunnelröhrenfür den Bund keine Priorität mehr hat?
  • Der Bau einer zweiten Röhre würde einen viel grösseren und auch länger dauernden Landverlust zur Folge haben als der Bau einer LKW-Verladerampe beim Verzicht auf den Bau einer zweiten Röhre. Hat die Regierungbereits nähere örtliche und zeitliche Angaben zu diesem Landverbrauch beim Bau der zweiten Röhre? Sieht sie die Möglichkeit, den grossen Landverbrauch für den Bau einer zweiten Röhre zu vermindern?
  • Gerüchten zufolge soll das Bundesamt für Strassen in Amsteg grosse Landflächen aufkaufen, die von der Alptransit Gotthard nach der Neat-Fertigstellungnicht mehr benötigt werden. Hat dieRegierungdavon Kenntnis, und welchem Zweck soll dieser allfällige Landkauf durch das Astra dienen? Wird der Kauf im Hinblick auf einen Installationsplatz für den Bau einer dritten Bergspur getätigt, wenn die Tunnelröhren dereinst zweispurig betrieben werden? Wie gross sind diese Flachen? lst es möglich, dass die Handwechsel im Amtsblatt nicht publiziert werden, weil diese Wechsel quasi innerhalb des Bundesvermögens (von Alptransit Gotthard zum Astra) stattfinden?
  • Welche finanziellen und anderen Folgen hätte die Streichung der Schöllenenstrasse und der Gotthard-Passtrasse aus dem Nationalstrassennetz für den Kanton Uri?