Göschenen/Airolo
Justiz dürfte den Bau der zweiten Gotthardröhre verzögern

Gegen die Vergabe des Hauptbauloses ist eine Beschwerde hängig. Ansonsten läuft der Bau der zweiten Röhre gut. Das Bundesamt für Strassen betont, dass auf die Lärmvorschriften ein Augenmerk gelegt werde.

Florian Arnold
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Am Donnerstag hat sich die politische Begleitkommission für den Bau der zweiten Gotthardröhre getroffen. Neben dem Bundesamt für Strassen (Astra) sind in dieser Kommission auch die betroffenen Gemeinden und die Kantone Tessin und Uri vertreten. Sie trifft sich einmal pro Jahr.

Auf beiden Seiten – im Süden und im Norden – laufen die Vorbereitungsarbeiten für den Vortrieb der beiden Zugangsstollen auf Hochtouren, wie das Astra mitteilt. «Im Moment sind wir im Zeitplan», sagt Mediensprecher Eugenio Sapia auf Anfrage. Komplikationen bautechnischer Art seien keine bekannt. «Aber ein juristisches Verfahren führt zu Verzögerungen, die wir noch nicht abschätzen können.»

Ball liegt beim Bundesgericht

Gemeint ist damit die Einsprache gegen die Vergabe des Hauptloses für den Abtransport von Aushubmaterial im Norden und im Süden. Das Bundesverwaltungsgericht hatte erstinstanzlich zu Gunsten des Astra entschieden. Das Urteil wurde hingegen angefochten, das Dossier liegt nun beim Bundesgericht. «Dieses Verfahren wird sich auch auf das gesamte Arbeitsprogramm auswirken, da ohne abschliessenden Entscheid die beiden Hauptlose für den Tunnelvortrieb gar nicht vergeben werden können», so das Astra.

Weiter hängig ist auch das Verfahren rund um eine Anzeige gegen die Bauherrschaft. Der Göschener Sebastian Tresch ging gegen diese vor, weil die Umweltvorschriften (insbesondere die Lärmvorschriften) nicht eingehalten worden seien (wir berichteten). «Zum Verfahren dürfen wir nichts sagen», sagt Mediensprecher Sapia. Im Rahmen des Kommissionstreffens sei aber aufgezeigt worden, dass mit den Baufirmen die gesetzlichen Vorschriften nochmals durchgegangen worden seien. «Wir haben geschaut, welche Maschinen wann arbeiten können, um die Lärmarbeiten auf einen Zeitraum zu beschränken», erklärt Sapia. Die Lärmemissionen seien so reduziert worden. «Das Amt für Umwelt von Uri hat entsprechende Messungen durchgeführt und die Werte sind eingehalten.» Sapia gibt aber auch zu: «Vereinzelt kam es sicher zu kleineren Überschreitungen der Vorschriften.»

Bohrmaschinen installiert

Im Rahmen der Sitzung der Begleitgruppe wurde am Donnerstagvormittag die Tunnelbohrmaschine «Delia» – wie das Unternehmen sie getauft hat – in Betrieb genommen. In Airolo und in Göschenen werden derzeit die beiden Tunnelbohrmaschinen installiert, die sich ab dem kommenden Sommer in den Berg bohren werden. Diese beiden Stollen werden dazu dienen, die zwei grossen geologischen Störzonen zu erreichen und auszubauen, damit die Tunnelbohrmaschinen, die den Haupttunnel graben werden, ohne Probleme durch diese Störzonen kommen.

Die Tunnelbohrmaschine an der Inbetriebnahme mit (von links) Valentina Kumpusch, Projektleiter Astra, Sergio Massignani, Bauleitung, und Daniele Stocker, Arge Bedrina.

Die Tunnelbohrmaschine an der Inbetriebnahme mit (von links) Valentina Kumpusch, Projektleiter Astra, Sergio Massignani, Bauleitung, und Daniele Stocker, Arge Bedrina.

Bild: PD/Astra

In der Zwischenzeit ist die Verlegung des Service- und Infrastrukturstollens in Airolo bereits abgeschlossen, während diese Arbeiten in Göschenen in den kommenden Wochen beendet werden. Sowohl im Norden als auch im Süden laufen die Vorbereitungsarbeiten für den Ausbruch des Haupttunnels, der ab 2024 erfolgen soll. Das Astra präsentierte auch die neuen Gebäude, die als Personalunterkünfte dienen, sowie die neu eröffnete Baustellenkantine in Göschenen.

Informationszentren gut besucht

Was die Information der Öffentlichkeit anbelangt, so hat die Kommission anlässlich dieser Sitzung den angelaufenen Betrieb der beiden Infozentren in Airolo und Göschenen zur Kenntnis genommen. Diese werden von Touristen wie auch von Einheimischen gut frequentiert. Seit Ende April 2022 ist es auch möglich, die Baustellen auf einer ausgeschilderten Route zu besichtigen, entweder als geführte Gruppe (ab mindestens sechs Personen) oder aber individuell. Alle Informationen dazu sind auf der Website www.gotthardtunnel.ch zu finden.

Die nächste Sitzung der politischen Begleitkommission ist im Frühling 2023 geplant.