Venus zieht vor der Sonne durch

Ein seltenes Naturspektakel erlebten Frühaufsteher am Mittwochmorgen: Die Venus zog vor der Sonnenscheibe durch. Das Spektakel war auch in der Zentralschweiz sichtbar.

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Das Himmelsschauspiel war von Rain aus nur wenige Sekunden zu sehen, deshalb war es umso dramatischer. (Bild: Leser Emanuel Niederhauser)

Das Himmelsschauspiel war von Rain aus nur wenige Sekunden zu sehen, deshalb war es umso dramatischer. (Bild: Leser Emanuel Niederhauser)

Am Mittwochmorgen zwischen halb sechs und fünf vor sieben Uhr morgens zog die Venus vor der Sonnenscheibe durch. Das Phänomen war auch in der Zentralschweiz sichtbar, wie das Bild von Leserreporter Beat Fischer aus Schlierbach beweist – entgegen der Ankündigung von SF Meteo. Der Wetterdienst prognostizierte, dass die Chancen in der Region Davos und Unterengadin am grössten liegen würden. Leserreporter Emanuel Niederhauser aus Rain schreibt: «Der Venustransit war nur während wenigen Sekunden zu sehen, dafür umso dramatischer». Und auf Facebook schreibt Christian Roos: «Es war beeindruckend».

Die Venus war als kleinen Punkt auf der Sonne zu beobachten. Sonne, Venus und Erde liegen dabei auf einer Linie - die gleiche Konstellation, die mit dem Mond zu einer Sonnenfinsternis führt.

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Das Himmelsschauspiel war von Rain aus nur wenige Sekunden zu sehen, deshalb war es umso dramatischer. (Bild: Leser Emanuel Niederhauser)
14 Bilder
Venustransfer, aufgenommen bei der Flüss-Kapelle in Nottwil. (Bild: Leser Christian Roos)
Die Nasa («National Aeronautics and Space Administration») hat das Phänomen von Washington aus aufgenommen. (Bild: AP)
Venus durchquert Mond. Aufgenommen in Schlierbach. (Bild: Beat Fischer)
Seoul / Tokio (Bild: Keystone / EPA)
Berlin / Deutschland (Bild: Keystone / EPA)
Hamburg / Deutschland (Bild: Keystone / EPA)
Sharjah / Vereinigte Arabische Emirate (Bild: Keystone / EPA)
Kansas City / Missouri (Bild: Keystone / EPA)
Sydney / Australien (Bild: Keystone / EPA)
Kansas City / Missouri (Bild: Keystone / EPA)
Agra / Indien (Bild: Keystone / EPA)
Kolobrzeg / Polen (Bild: Keystone / EPA)
Quezon City / Manila / Philippinen (Bild: Keystone / EPA)

Das Himmelsschauspiel war von Rain aus nur wenige Sekunden zu sehen, deshalb war es umso dramatischer. (Bild: Leser Emanuel Niederhauser)

In der Geschichte der Astronomie wurden bisher erst sechs Venusdurchgänge beobachtet: 1639, 1761, 1769, 1874, 1882 und am 8. Juni 2004. Der nächste findet in 105 Jahren statt, am 11. Dezember 2117. Er wird allerdings von der Schweiz aus nicht zu beobachten sein.

Seltene Konstellation

Wären die Bahnebenen von Erde und Venus identisch, gäbe es alle 1,6 Jahre einen Venustransit. So lange braucht der Planet Venus, um auf seiner Umlaufbahn eine Runde Vorsprung auf die Erde herauszuholen. Doch da die Umlaufbahn der Venus um die Sonne im Vergleich zur Erdbahn im Winkel von 3,4 Grad geneigt ist, stehen die drei Himmelskörper nur selten auf einer Linie.

So kommt es, dass die Intervalle zwischen Transiten sehr unterschiedlich lang sind. Der letzte Transit ist nur acht Jahre her, nun dauert es 105 Jahre, dann wiederum 8 Jahre, danach sogar 122 Jahre. Nach insgesamt 243 Jahren beginnt dieses Intervall wieder von vorne.

Astronomische Messungen

Schon Astronomen im 18. und 19. Jahrhundert verwendeten Transite von Merkur und Venus, um den Abstand der Erde von der Sonne zu messen. Auch am Mittwoch werden Astronomen das Phänomen nutzen, um diverse Instrumente zu kalibrieren, die ausserhalb unseres Sonnensystems nach Planeten jagen, teilte die Europäische Raumfahrtbehörde ESA mit.

Dabei suchen die Forscher gezielt nach Planeten, die eine Atmosphäre besitzen und somit potenziell Leben beherbergen könnten. Wenn ein Planet mit Atmosphäre vor einem Stern durchzieht, dann wird ein kleiner Teil des Sternenlichts durch seine Atmosphäre hindurch dringen.

Daran kann ihre Zusammensetzung erkannt werden - etwa ob Wasser oder Methan vorhanden sind. Das Europäische CoRoT Weltraumteleskop habe mit der Methode schon über 20 Exoplaneten entdeckt.

Die Venus benötigt insgesamt acht Stunden, um vor der Sonne durch zu ziehen. In der Schweiz war die Endphase am frühen Morgen sichtbar, denn kurz vor sieben Uhr verlässt die Venus die Sonnenscheibe wieder.

rem/sda