Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

VERANSTALTUNGEN: Adrenalinrausch oder Spass: Jetzt ist Hochsaison der verrückten Events

Viele Zentralschweizer packen in den Wintermonaten die Skier, das Snowboard oder gar ein Serviertablett und brechen auf zu einem kleinen Abenteuer. Sie nehmen an spektakulären Skirennen oder ausgefallenen Anlässen teil. Diese haben zur Zeit Saison.
Die Fahrer brettern am Freeride-Rennen «King of the mountain» 2008 die Strecke am Gemsstock hinunter. (Bild: Archiv UZ)

Die Fahrer brettern am Freeride-Rennen «King of the mountain» 2008 die Strecke am Gemsstock hinunter. (Bild: Archiv UZ)

Eines haben die Anlässe gemeinsam: Sie sind nichts für Stubenhocker und finden im Winter in den Bergen statt. Abgesehen davon ist die Bandbreite der Veranstaltungen enorm; Skifahrer brettern im Renndress über die Piste, Freerider ziehen weite Kurven in einen Pulverschnee-Hang oder die Teilnehmer rutschen auf einem Serviertablett den Hügel hinunter. Ob es sich um einen kuriosen Parcour oder um ein sportliches Rennen handelt – jeder Anlass hat sein Publikum.

«Inferno» Mürren: Kilometerlange Abfahrt mit Tradition

Eines der anspruchsvolleren Rennen ist die «Inferno»-Abfahrt in Mürren, die jeweils im Januar stattfindet. In diesem Winter nahmen rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus den Zentralschweizer Kantonen teil. Unter den insgesamt 1850 Teilnehmern aus aller Welt befinden sich viele Pläuschler, die gemächlich die Piste runterkurven, aber auch ambitionierte Fahrer.

Gestartet wird auf dem Schilthorn auf 2790 Metern. Das Ziel liegt, wenn es das Wetter und die Schneebedingungen zulassen, in Lauterbrunnen auf 800 Metern. Auf der Strecke gilt es nicht nur möglichst schnell ins Tal zu donnern, sondern mittendrin auch noch einen Aufstieg zu bewältigen. Der Veranstalter gibt an, dass «gute Skifahrer» normalerweise rund 45 Minuten für die 14,9 Kilometer lange Abfahrt benötigen. Die schnellsten Rennfahrerinnen und Rennfahrer legen die Strecke in weniger als 15 Minuten zurück. Den Streckenrekord hält der Kernser Kuno Michel mit 13.20,53.

Das Rennen wurde am 20. Januar 2018 bereits zum 75. Mal ausgetragen, aufgrund des Wetters musste die Abfahrt aber stark verkürzt werden. Seit ein paar Jahren fährt auch die in Alpnach aufgewachsene und in Sarnen wohnhafte Cäcilia Wiese mit. Sie meistert die gesamte Strecke in weniger als 16 Minuten. «Es macht einfach Spass, mal eine beinahe leere Piste runter zu brettern. So schnell fahre ich sonst nie», sagt die 39-Jährige. Die Inferno Rennen umfassen auch noch weitere Wettkämpfe. Die Abfahrt aber ist das Aushängeschild und erfreut sich der grössten Beliebtheit. Es gibt mehr Bewerber als Startplätze. Jedes Jahr muss der Veranstalter einige Hundert Fahrerinnen und Fahrer abweisen.

«King of the Mountain» Andermatt: Abseits der Piste

Die in der Zentralschweiz stattfindenden Events sind kleiner und jünger. Nebst den klassischen Disziplinen wie Abfahrt und Riesenslalom, gibt es auch Freeride- oder Freeskirennen. Der «King of the Mountain» in Andermatt am Gemsstock ist einer der Freeride-Events. Das bedeutet, der Wettkampf findet nicht auf einer eigens dafür präparierten Piste statt, sondern die Strecke führt durch Passagen abseits der Piste. Aber auch bei diesem Event gilt es, die mit nur ein paar wenigen Toren markierte Strecke möglichst schnell hinter sich zu bringen. Das Rennen ist für Skifahrer, Snowbaorder und Telemarkfahrer offen.

«Der Event ist klein aber fein, sehr familiär und ich fühle mich dort wohl. Man trifft immer wieder bekannte Gesichter und hat eine gute Zeit zusammen», erzählt Flo Odermatt aus Alpnachstad. Im letzten Jahr haben rund 70 Fahrerinnen und Fahrer den King oder die Queen unter sich ausgemacht. Der 28-jährige Odermatt ist bereits mehrmals mitgefahren. Er nimmt teil, um seiner «Leidenschaft Skifahren, insbesondere dem Freeriden» zu frönen, wie er sagt. Er schätzt es zusätzlich, dass die Strecke immer dieselbe ist und er sich an seiner eigenen Zeit aus dem Vorjahr messen kann. «Diese Challenge mit mir selber finde ich spannend».

«Down To One» Sörenberg: Wettlauf mit der Gondelbahn

Beim Rennen «Down to One» in Sörenberg wird auch die Gondelbahn mit eingebunden. Beim Event am Brienzer Rothorn starten alle Teilnehmer mit der gemeinsamen Fahrt in der Gondel der Luftseilbahn. Oben auf dem Brienzer Rothorn auf rund 2350 Metern angekommen, rennen die 70 Teilnehmer durch den Tunnel von der Bahn zum Ausgang, schnallen ihre Schneesportgeräte an und düsen zur Talstation auf 1250 Metern runter, um die Gondelbahn wieder zu erwischen. Von Fahrt zu Fahrt wird die Kadenz der Gondelbahn erhöht. Die Zeit, die den Wintersportlern für eine Abfahrt zur Verfügung steht, wird also immer kürzer. Sieger oder Siegerin ist am Ende, wer am längsten mit dem Rhythmus der Gondelbahn mitziehen kann. Auch bei diesem Rennen fahren die Sportlerinnen und Sportler durch unpräpariertes Gebiet und die Startplätze sind limitiert.

«Badewannen-Rennen» Stoos und «Tablar-Race» Jochpass: Spass und Spielereien

Nebst den Wettkämpfen auf herkömmlichen Wintersportgeräten finden in der Zentralschweiz auch unkonventionellere Anlässe im Schnee statt. So fand am vergangenen Wochenende auf dem Stoos das sechste «Badewannen-Rennen» statt. In Teams von drei oder mehr Leuten rutschten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Badewannen die Piste hinunter. Dabei ist nicht nur das schnellste Team mit einem Preis belohnt worden, sondern auch die drei besten Kostümierungen wurden prämiert.

Zum zweiten Mal fand im Januar das «Tablar-Race» auf dem Jochpass statt. Hierbei nutzen die Teilnehmer ein Serviertablett als Sportgerät. Diesen Anlass hat das Organisationskomitee des Freestyle Events «Hill Jam» ins Leben gerufen. Es starten jeweils sechs bis acht Teilnehmer pro Durchgang miteinander und versuchen, möglichst schnell ins Ziel zu rutschen. Die schnellere Hälfte der Teilnehmer kommt eine Runde weiter, die langsamere Hälfte fliegt raus. Am Rennen im letzten Winter haben rund 40 Rutscher teilgenommen, etwas mehr waren es am vergangenen Wochenende. Die Organisatoren der Hill Jam wollen so bei Fans und Unterstützern präsent bleiben und ihnen einen Skitag mit Plauschwettkampf und Party bieten. «Es ist auch eine gute Gelegenheit, um neue Kontakte zu knüpfen, wir benötigen viele Helfer», erklärt Roman Gallati aus Stans. Der 27-jährige ist OK-Mitglied der Hill Jam und Organisator des Tablar Race.

«Gämschelijagd» Jochpass: Wilde Kombinationsformen

Bei der «Gämschelijagd» auf dem Jochpass in Engelberg geht es um Fahrkönnen, Schiesskünste und Geschicklichkeit. Bei dieser «Jagd» fahren Skifahrer und Snowboarder eine Strecke, die sie erst kurz vor dem Start erfahren. Die Streckenführung ist abhängig von den Wetter- und Schneeverhältnissen am Wettkampftag. Wenn möglich, setzt sich diese aus Pistenabschnitten und Freeridepassagen zusammem. Kombiniert wird der Wettkampf mit Schiessen. Die Teilnehmer zielen auf eine Biathlonscheibe und pro Fehlschuss müssen sie eine Runde Joggen – in Ski- oder Snowbaordschuhen. Der Veranstalter kann dies mit Spassposten wie Nageln oder Fischen ergänzen, die «Gämschelijagd» ist nicht in jedem Jahr exakt gleich.

«Es soll aber schon noch gewinnen, wer am schnellsten und besten fährt», sagt Pascal Würsch, der 30-jährige Verantaltungsvorsitzende über das Konzept. Organisiert wird der Event von einem Buochser Sportfachgeschäft zusammen mit zwei Partnern aus der Gastronomiebranche. Auch für dieses Rennen sind die Startplätze limitiert, maximal 99 Sportlerinnen und Sportler können auf die Pirsch gehen. «Die ganze Idee war ursprünglich mehr ein Jux. Alle Parteien wollten einfach etwas Verrücktes und Lustiges machen. Dass dieses Rennen nun für viele ein Fixtermin in der Agenda ist, hätten wir so nicht erwartet», erklärt Würsch.

Bevorstehende Volksrennen und Winter-Events in der Zentralschweiz 2018*

Datum Event Ort Disziplin
27. Januar Sie und Er Rennen Sörenberg Riesenslalom
17. Februar Volksabfahrt Hoch-Ybrig Abfahrt
18. Februar Sie und Er Rennen, Team-Staffel-Event Marbachegg Riesenslalom
24. Februar Chnorz und Morx Klewenalp Skitouren
3. März Nostalgie-Skirennen Mörlialp Riesenslalom
4. März Down to One Brienzer Rothorn Freeride
17. März Eiki Cup Melchsee-Frutt Cross
18. März Stöckli Derby Melchsee-Frutt Riesenslalom
1. April King of the Mountain Gemsstock Freeride
7. April Gämschelijagd Jochpass Freeride und Fun
21. April Waterslide Contest Jochpass Fun

*ohne Gewähr der Vollständigkeit, ohne Veranstaltungen in den Parks der Zentralschweizer Skigebiete

Wetter und Sicherheit

Bei allen gesichteten Wettkämpfen gilt: «Versicherung ist Sache der Teilnehmer. Der Veranstalter übernimmt keine Haftung». Das Tragen von Helmen ist bei den meisten Veranstaltungen aber obligatorisch, bei Freeride- und Skitourenrennen ist in der Regel auch das Mitführen von Equipment wie Schaufel, Sonde und Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS) zwingend.

Massgebend für die endgültige Durchführung der Events sind jeweils die Wetter- und Schneebedingungen. So kommt es vor, dass Veranstalter Strecken verkürzen müssen, wie bei der diesjährigen «Inferno»-Abfahrt oder den Anlass ganz absagen müssen, wie dies beim letztjährigen Down to One der Fall war. Auch bei den aus sportlicher Sicht weniger anspruchsvollen Rennen spielen die äusseren Bedingungen eine wichtige Rolle. «Wie viele Teilnehmer tatsächlich kommen, ist immer abhängig vom Wetter», bestätigt Roman Gallati, Organisator des Tablar-Race.

Partyprogramm und Sachpreise

Damit sich nicht nur die Sportler, sondern auch die Zuschauer an einem Event verausgaben können, warten die meisten Anlässe mit einem Rahmenprogramm mit Après-Ski Betrieb während den Wettkämpfen oder abendlichen Partys und Konzerten auf. «Auch das Programm im Zielgelände und die Rangverkündigung am Abend mit anschliessender Party machen den Event zu dem was er ist», sagt Teilnehmer Flo Odermatt über den King oft the Mountain. Die Rangverkündigung dieses Rennens findet jeweils in einer Bar in Andermatt statt.

Bei vielen Wettkämpfen gibt es nebst Ruhm und Ehre auch Naturalpreise wie Skis, Snowboards, Bindungen, Bekleidung oder Übernachtungen, Skitickets oder Gastronomiegutscheine der jeweiligen Regionen zu gewinnen. Nach wie vor organisieren Vereine und Skiclubs Rennen, oft organisieren oder sponsern aber auch Sportfachgeschäfte, Tourismusorganisationen sowie Gastronomiebetriebe oder Bergbahnen diese Veranstaltungen.

Sandra Peter

sandra.peter@luzernerzeitung.ch

Am Start auf dem Gemsstock machen sich Teilnehmer für das «King of the Mountain» Freeride-Rennen bereit. (Bild: Valentin Luthiger / Archiv UZ)

Am Start auf dem Gemsstock machen sich Teilnehmer für das «King of the Mountain» Freeride-Rennen bereit. (Bild: Valentin Luthiger / Archiv UZ)

Ein Teilnehmer absolviert die «Inferno»-Abfahrt in Mürren.

Ein Teilnehmer absolviert die «Inferno»-Abfahrt in Mürren.

Ein Teilnehmer stürzt auf der «Inferno»-Abfahrt in Mürren 2018. Gemäss dem Veranstalter hat er sich, ebenso wie weitere Sturzkandidaten, keine ernsthaften Verletzungen zugezogen. (Bild: PD)

Ein Teilnehmer stürzt auf der «Inferno»-Abfahrt in Mürren 2018. Gemäss dem Veranstalter hat er sich, ebenso wie weitere Sturzkandidaten, keine ernsthaften Verletzungen zugezogen. (Bild: PD)

Auch eine Aufstieg gehört zum «Inferno»-Rennen in Mürren. Hier feuern die Zuschauer 2018 die Teilnehmer des 75. Rennens kräftig an. (Bild: PD)

Auch eine Aufstieg gehört zum «Inferno»-Rennen in Mürren. Hier feuern die Zuschauer 2018 die Teilnehmer des 75. Rennens kräftig an. (Bild: PD)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.