Kommentar
Verhalten umkehren - Distant Socializing ist neu gefragt

Soll man wegen Corona schon weit voraus mögliche Absagen thematisieren? Zum Beispiel die Fasnacht 2021? Das Skizzieren von Worst-Case-Szenarien birgt zwar psychologische Vorteile. Bloss: Den notwendigen Optimismus fördert das ganz und gar nicht.

Jérôme Martinu, Chefredaktor
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Jérôme Martinu, Chefredaktor "Luzerner Zeitung" und Regionalausgaben

Jérôme Martinu, Chefredaktor "Luzerner Zeitung" und Regionalausgaben

Bild LZ

«Das Konzept des Social Distancing ist undurchführbar.» Stimmt! Der Blick geht hier aber weit voraus, auf die Tage ab 11. Februar 2021: Fasnacht! Das Lozärner Fasnachtskomitee LFK streicht wegen der Pandemie sämtliche Anlässe bis Anfang November – und spricht das aus, was keine Fasnächtlerin und kein Fasnächtler hören will: Sogar die Absage der rüüdigen Tage ist ein mögliches Szenario. Denn: «An der Fasnacht kommt es naturgemäss zu unkontrollierbaren Menschenansammlungen.»

Man mag dem LFK nun vorwerfen, der Weckruf erschalle zu früh. Zumal die Vorbereitungsarbeiten selbstverständlich dennoch vorangetrieben werden. Aber wenigstens würde so – anders als heuer bei den Baslern – der Schock nicht völlig unvorbereitet einschlagen in unserer Region. So gesehen ist es psychologisch clever, das Absageszenario sehr früh zu skizzieren. Das Risiko ist wegen der möglichen zweiten Pandemiewelle ja tatsächlich nicht ganz unerheblich.

Bloss: Nach Optimismus tönen solche Warnungen nicht. Optimistisch sollten wir aber vorausschauen, damit unser Alltag nicht vorsätzlich von Coronamassnahmen erstickt wird. Das geht bis hin zur Abkehr vom Begriff Social Distancing. Das Gegenteil sollten wir tun, wie ein Leser unlängst vorgeschlagen hat: Distant Socializing! Genial, diese Umkehr, oder? Denn sie bringt exakt auf den Punkt, was wir unbedingt wieder pflegen müssen: das soziale Leben ausserhalb der eigenen vier Wände. Einfach mit den nötigen Sicherheitsabständen.