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Verkaufszahlen von E-Trottinetten steigen massiv an – doch viele Modelle dürfen nicht auf die Strasse

Beim Onlinehändler Digitec Galaxus haben sich die Verkaufszahlen für E-Trottinette verfünffacht. Doch nur jedes vierte Modell ist für die Strasse zugelassen – ein Luzerner Händler spricht von Täuschung.
Janick Wetterwald

Seit Schulbeginn sind vermehrt Kinder mit E-Trottinetten im Verkehr unterwegs. Das beschäftigt auch die Luzerner Polizei. Sie bittet in einer Mitteilung Lehrpersonen und Eltern um Unterstützung, den Gebrauch von E-Trottinetten durch Kinder unter 14 Jahren zu unterbinden. Denn dies sei «sehr gefährlich und verboten!».

Die neuste Verkaufsstatistik von Digitec Galaxus zu den E-Trottinetten bestätigt den Trend: «Der Verkauf von E-Scootern hat sich im Vergleich zum Vorjahr verfünffacht.» Im Jahr 2019 seien bisher mehrere Tausend Stück verkauft worden – genaue Zahlen will der Online-Händler nicht nennen.

Brisant: In der Mitteilung steht auch, dass nur jedes vierte Modell der verkauften E-Scooter für die Strasse zugelassen ist – sprich drei Viertel sind es nicht. Im Online-Shop weist Digitec Galaxus unter «Wichtige Hinweise» auf eine vorhandene oder eben nicht vorhandene Zulassung hin. Um diesen Hinweis zu lesen, muss man allerdings nach unten scrollen. Für Alex Hämmerli von Digitec Galaxus ist diese Platzierung absolut ausreichend. Er sagt:

«Wer sich einen E-Scooter für mehrere hundert Franken leistet, der schaut sich das Produkt und die Informationen dazu auch genau an.»

Am Ende sei es dem Kunde überlassen, welches Produkt er kaufen will. Hämmerli weist zudem darauf hin, dass im Shop bei der E-Scooter-Übersicht prominent auf einen Ratgeber-Artikel verwiesen wird.

Der Preis spielt beim Kauf bestimmt auch eine Rolle: Mit Strassenzulassung kostet ein E-Scooter bei Digitec Galaxus im Schnitt 700 Franken, ohne Zulassung rund 420 Franken.

«Kunden kennen die Konsequenzen nicht»

Rolf Hermetschweiler ist Inhaber der Hermap AG Elektromobile in Ebikon. Er hat ebenfalls einen Anstieg der Verkaufszahlen festgestellt: «Im letzten Jahr verkauften wir gesamthaft 80 E-Trottinette, im laufenden Jahr sind es bereits 120.»

Hermetschweiler verkauft ausschliesslich E-Trottinette, die für die Strasse zugelassen sind und hauptsächlich solche, auf denen der Fahrer sitzen kann. Seine Meinung zu anderen Angeboten ist klar: «Wer E-Trottinette ohne Strassenzulassung verkauft, der täuscht seine Kunden.» Diese seien sich oftmals nicht bewusst, was eine regelwidrige Benutzung für Konsequenzen haben kann. Zum Fahren im Sitzen statt im Stehen sagt er: «Die Gefahr eines Sturzes ist im Stehen grösser. Im Sitzen ist man sicherer unterwegs.»

Diesen E-Scooter zum Fahren im Sitzen hat die Hermap AG beispielsweise im Angebot:

Klare Spielregeln und harte Sanktionen

Wichtig für einen reibungslosen und unfallfreien Verkehr ist die Einhaltung der Spielregeln. Zuerst muss also die Frage geklärt werden: Mit welchem E-Trottinett darf man auf die Strasse? Folgende Punkte müssen erfüllt sein:

  • Klingel
  • Vorder- und Rücklicht am Gefährt
  • Bremsen an beiden Rädern
  • Maximalgeschwindigkeit von 20 km/h bzw. 25 km/h mit Unterstützung durch Muskelkraft
  • Die Leistung des Motors darf 48 Volt bzw. 500 Watt nicht überschreiten

Zusätzlich gelten folgende Regeln, auf welche die Polizei in einem Flyer hinweist:

Was passiert, wenn man sich nicht an die Regeln hält, oder das E-Trottinett nicht für die Strasse zugelassen ist? Gemäss Ordnungsbussenverordnung (OBV) kann die Polizei bei Übertretungen von E-Trottinett-Nutzern direkt vor Ort Bussen von 20 bis 120 Franken aussprechen. Bei schlimmeren Übertretungen folgt eine Anzeige und die Untersuchung der Staatsanwaltschaft. Dies kann im schlimmsten Fall bis zu einem Entzug des Fahrausweises führen.

(Bild: Stefan Kaiser, Zug, 15. Juli 2019)

(Bild: Stefan Kaiser, Zug, 15. Juli 2019)

Eine regelrechte Überschwemmung von solchen elektronischen Trottinetten hat Luzern im Gegensatz zu anderen europäischen und auch Schweizer Städten noch nicht erlebt. Dies hat einen Grund: Die Stadt Luzern wehrt sich gegen Verleihanbieter von E-Scootern.

Trotzdem fällt dem aufmerksamen Beobachter in der Stadt Luzern auf, dass regelmässig E-Trottinette im Verkehr unterwegs sind. Erwin Gräni, Chef-Prävention bei der Luzerner Polizei bestätigt: «Die Anzahl von E-Scootern auf den Strassen hat zugenommen.» Spezielle Kontrollen sind aber kein Thema. Gräni sagt dazu: «Um die Sicherheit zu gewährleisten, kontrolliert die Polizei im Rahmen ihrer normalen Patrouillentätigkeit auch die E-Scooter.»

Kickboards sind ebenfalls Problem

Erwin Gräni, Chef-Prävention bei der Luzerner Polizei, weist auch auf die Gefahren des Kickboards hin. Dies ist ein so genanntes fahrzeugähnliches Gerät und ist dem Fussgänger gleich gesetzt. «Viele kleine Kinder fahren mit einem Kickboard zur Schule, können jedoch Geschwindigkeit und Gefahren noch nicht richtig einschätzen», sagt Gräni. Er appelliert an die Eltern, ihre Kinder zu sensibilisieren und sie zu Fuss zur Schule zu schicken. (jwe)

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