Verliebter Kriminaltourist und seine Ex wegen bandenmässigem Diebstahl verurteilt

Rund ein Dutzend Einbruchdiebstähle soll ein Liebespaar verübt haben. Das Duo bestritt die meisten Vorwürfe. Das Luzerner Kriminalgericht verhängte für die Frau eine Gefängnisstrafe, der Mann kommt mit einer bedingten Strafe davon.

Roger Rüegger
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Für den Staatsanwalt sind die Straftaten, die der 31-jährigen Serbin und ihrem 36-jährigen Geliebten zur Last gelegt werden, nur die Spitze des Eisbergs. Die beiden in Deutschland lebenden Beschuldigten sind angeklagt, zwischen dem 24. August und dem 16. November 2017 an zwölf Diebstählen in sieben Kantonen, meist mit Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung, beteiligt gewesen zu sein. An der Verhandlung am Luzerner Kriminalgericht beantragte der Staatsanwalt für die Frau eine Freiheitsstrafe von 3,5 und für ihren Landsmann 2,5 Jahren.

Die Beschuldigten, die der Verhandlung nicht beiwohnten, handelten laut der Anklage mit hoher krimineller Energie. Ihr Aufenthalt in der Schweiz diene nur dem Zweck, Einbrüche zu begehen. Sie würden jegliche Form von legaler Arbeit scheuen.

Wollte mit Geliebten eine schöne Zeit in der Schweiz verbringen

Die Verteidigung zeichnete eine fast rührende Geschichte. Der Beschuldigte wurde als verliebter Mann beschrieben, der nur in die Schweiz einreiste, um mit seiner damaligen Geliebten eine schöne Zeit zu verbringen. Seine Familie – er ist Vater von vier Kindern – habe sich gegen seine Beziehung zur Beschuldigten gestellt.

Von den Einbrüchen habe der Mann jeweils nichts gewusst, er sei stets im Auto geblieben, wenn seine Geliebte und ihr minderjähriger Bruder Gebäude in mehreren Kantonen besucht hätten. Erst als sie ihn in Malters aufgefordert hätten, einen Tresor aus einem Haus zu schaffen, habe er mitbekommen, was ablief. Eine Strafe von 120 Tagessätzen zu je 30 Franken sei angemessen, so der Verteidiger.

Das gefundene Deliktsgut beweise nicht die Teilnahme an der Tat

Auch die Beschuldigte wurde schon fast als Opfer dargestellt. Sie stamme aus schwierigen Verhältnissen. Sie wohne als Roma in Deutschland, wo sie zwei Kinder habe und eine kranke Mutter. Sie habe zwei Taten begangen, weil sie Geld für Medikamente und Kindernahrung brauche. Dass es sich bei den Delikten, wie vom Staatsanwalt beschrieben, bloss um die Spitze des Eisbergs handelt, stellte er in Frage. Es handle sich wohl eher um eine Eisscholle. Die zwölf Einbrüche, die seiner Mandantin vorgeworfen werden, könne man ihr nicht nachweisen.

Dass in einer von ihr benutzten Wohnung sowie in ihrem Auto Einbruchswerkzeug und Deliktsgut gefunden wurden, beweise nicht, dass sie an den Taten beteiligt gewesen sei. Er forderte eine bedingte Strafe für zwei Taten, an denen sie mitgewirkt habe.

Das Kriminalgericht verurteilte die beiden Beschuldigten für gewerbs- und bandenmässigen Diebstahl, mehrfache Sachbeschädigung und mehrfachen Hausfriedensbruch. Die Frau wurde zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und acht Monaten verurteilt, unter Anrechnung von 206 Tagen bereits entstandenem Freiheitsentzug. Zudem muss sie 24'500 Franken Verfahrenskosten bezahlen.

Der Beschuldigte wurde zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 15 Monaten verurteilt, unter Anrechnung von 201 Tagen entstandenem Freiheitsentzug. Die Probezeit beträgt zwei Jahre. Die Verfahrenskosten von 21'000 Franken muss er ebenfalls übernehmen. Das Urteil liegt im Dispositiv vor, es ist noch nicht rechtskräftig.