Interview

Abtretender Präsident des Zentralschweizerischen Jodlerverbands: «Viele wollen nur festen, sind aber nicht bereit anzupacken»

Richard Huwiler legt sein Amt als Präsident des Zentralschweizerischen Jodlerverbands nieder. Der 59-jährige Ruswiler prangert ein Phänomen an, das nicht nur bei den Jodlern verbreitet ist.

Interview: Monika van de Giessen
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Richard Huwiler.

Richard Huwiler.

Bild: Philipp Koch

Richard Huwiler (59) aus Ruswil war elf Jahre im Vorstand des Zentralschweizerischen Jodlerverbands (ZSJV), wovon deren neun als Präsident. Der Verband zählt aktuell 3947 Mitglieder. Er ist der zweitgrösste von fünf Unterverbänden des Eidgenössischen Jodlerverbands.

Ihr vorzeitiger Rücktritt als Präsident des ZSJV hat einige überrascht. Was ist der Grund?

Richard Huwiler: Vorzeitig ist der Rücktritt nicht. Für mich und meine Familie stimmt es so. Ich habe viel erlebt, gelernt, mitverantwortet und dafür praktisch meine gesamte Freizeit aufgewendet. Ganz weg bin ich jedoch nicht, ich werde das 100-Jahre-Verbandsjubiläum im Jahr 2022 als OK-Präsident ausrichten.

In Ihrem Jahresbericht ist zwischen den Zeilen eine gewisse Enttäuschung auszumachen. Wie ist das zu verstehen?

Enttäuschungen gehören zum Präsidialamt wie Erfolge. Das «Nicht-Mehr-Verantwortung-Übernehmen-Wollen» ist in unserer Gesellschaft und natürlich auch im Jodlerverband und bei seinen Mitgliedern spürbar. Viele wollen einfach nur geniessen und festen, sind aber nicht bereit, Verantwortung zu übernehmen, anzupacken und zu organisieren.

«Altes bewahren und vor Neuem die Augen nicht verschliessen.» Diesen Satz haben Sie in Ihrer Amtszeit oft gesagt. Wie soll das Neue aussehen?

Neu heisst unter anderem für mich, dass bei feststellbaren Tendenzen und Mitgliederwünschen im Verband, als Beispiel neue Regeln an Jodlerfesten, diese abzuwägen und umzusetzen. So gesehen ist das ein beständiger, dynamischer Prozess. Gleichzeitig dürfen wir aber nicht vergessen, was unsere Werte und Wurzeln sind.