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Rückblick Zentralschweiz: Vierköpfige Familie stirbt bei Flugzeugabsturz

Im August zerschellte in Hergiswil ein Sportflugzeug. Die Frage nach der Ursache beschäftigt bis heute. Bis zum Jahrestag soll der Untersuchungsbericht vorliegen.
Matthias Piazza
Oscar J. Schwenk, Pilatus-Verwaltungsratspräsident, spricht an der Abdankungsfeier für die verunglückte Familie. (Bild: Dominik Wunderli (Ennetbürgen, 22. August 2018))

Oscar J. Schwenk, Pilatus-Verwaltungsratspräsident, spricht an der Abdankungsfeier für die verunglückte Familie. (Bild: Dominik Wunderli (Ennetbürgen, 22. August 2018))

«Jetzt lassen wir sie fliegen, in grosser Dankbarkeit und Liebe», sagte Diakon Elmar Rotzer in einer bewegenden Trauerfeier am 22. August. Hunderte Angehörige, Freunde, Mitarbeiter, Mitschüler und Vereinskollegen nahmen Abschied von der vierköpfigen Ennetbürger Familie. Sie wurde am 4. August jäh aus dem Leben gerissen, als das gemietete Sportflugzeug auf dem Flug von Kägiswil in die Ferien oberhalb von Hergiswil in den Wald abstürzte.

Der 4. August geht als schwarzer Tag für die Schweizer Luftfahrt in die Geschichte ein: Am gleichen Tag kommen beim Absturz einer Nostalgie-Maschine vom Typ Ju-52 in Graubünden alle 20 Insassen ums Leben.

Schwieriges Gelände für Einsatzkräfte

Zurück nach Nidwalden: Im Renggpassgebiet verteilten sich die Trümmer der ausgebrannten Maschine auf rund 160 Quadratmetern. Übrig geblieben waren nur kleine Einzelteile. Neben den schlimmen Bildern erwies sich die Bergung auch wegen des steilen Geländes für die Einsatzkräfte als Herausforderung.

Ein Helikopter löscht den Brandherd nach dem Absturz. (Bild: Urs Flüeler/Keystone (Hergiswil, 4, August 2018))

Ein Helikopter löscht den Brandherd nach dem Absturz. (Bild: Urs Flüeler/Keystone (Hergiswil, 4, August 2018))

Die Tragödie in Hergiswil erschütterte die ganze Region und auch die Mitarbeiter der Pilatus-Flugzeugwerke, dessen Chefpilot der Vater der verunglückten Familie war. Oscar J. Schwenk, Verwaltungsratspräsident der Pilatus-Flugzeugwerke, würdigte ihn als aussergewöhnlichen Menschen, der auch in schwierigen Situationen immer sagte: «Es chunt de scho guet.» Seine Fliegerkollegen ehrten den früheren Militärpiloten und seine Familie nach der Trauerfeier mit dem Überflug einer Zweierformation der Pilatus-Flugzeugwerke sowie einer Viererformation der Schweizer Luftwaffe.

«Er war Profi und ein exzellenter Pilot»

Warum? Dies war die zentrale Frage in den Tagen danach. «Bei einem Hobby-Piloten würde man vielleicht zuerst an einen Fehler denken», sagte Oscar J. Schwenk nach dem Unglück sichtlich betroffen gegenüber unserer Zeitung. «Aber er war Profi und ein exzellenter Pilot.» Vermutungen, dass es heiss gewesen sei und die Maschine weniger Leistung gehabt habe, seien aus seiner Sicht irrelevant. «Er kannte solche Dinge aus seinen schwierigen Tests bestens. Das war sein tägliches Brot, und auch mit dem Gebiet war er vertraut wie mit seiner Westentasche», so Schwenk.

Auch Jost Vogler konnte sich das Vorgefallene nicht erklären. Seit über sechs Jahren ist er Flugfeldleiter des Flugplatzes Kägiswil, wo die Unglücksmaschine startete. Zwar liege das Rollfeld in den Voralpen und sei so von ansteigendem Gelände umgeben, was Aufmerksamkeit erfordere. Trotzdem gebe es weitaus anspruchsvollere Flugplätze.

Im Fokus stehen die Motorengeräusche

Vogler sprach von optimalem Flugwetter, sonnig und windstill. Allerdings hätten sich die hohen Temperaturen, die an diesem Samstag herrschten, negativ auf die Leistung des Motors ausgewirkt. «Ein erfahrener Pilot weiss das aber – und passt seinen Flugweg entsprechend an.» Auch wenn der Ausflugweg über den Lopper üblich sei, hätte der Pilot bei zu geringer Höhe eine alternative Route wählen und den Hügelzug via Stansstad umfliegen können, sagte Vogler.

Wie immer in solchen Fällen wird die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) aktiv, die nach wie vor mit der Suche nach der Ursache für das Unglück beschäftigt ist. «Wir untersuchen in alle Richtungen», sagt der zuständige Leiter Florian Reitz. Im Fokus stehen dabei die Motorengeräusche. Sie sollen Aufschluss darüber geben, ob der Motor richtig lief, oder ob er einen Leistungsabfall hatte. Die Hintergrundgeräusche des Funkspruchs, den der Pilot vor dem Überfliegen der Krete am Lopper an den Flugplatz abgesetzt hat, werden einer sogenannten Spektralanalyse unterzogen. So will man eruieren, ob sich allenfalls ein technischer Defekt bemerkbar machte. Unterstützt wird die Sust dabei von der französischen Untersuchungs­behörde «Bureau d’enquêtes et d’analyses pour la sécurité de l’aviation civile» (BEA) in Paris.

Weitere Erkenntnisse könnte das Kollisionswarngerät eines anderen Flugzeuges liefern, das sich in der Nähe befand. Es dürfte auch wichtige Aufschlüsse über den genauen Flugweg der Unglücksmaschine in den letzten Sekunden geben. Das Kollisionswarngerät des abgestürzten Flug­zeuges wurde durch die hohen Temperaturen zerstört. Weitere Hinweise sollen die zahlreichen Augenzeugenberichte liefern.

Ursache liegt meist beim Menschen

Grundsätzlich könne man festhalten, dass die Ursache von Flugzeugabstürzen in rund 80 Prozent beim Menschen und nicht bei der Maschine liege, sagt Florian Reitz. Das gelte auch bei heissem Wetter, wenn die Leistung der Motoren abnehme. «Der Pilot muss mit diesen Umständen entsprechend umgehen und darauf reagieren.»

Bis zum Jahrestag des Unglücks, also am 4. August 2019, sollte der Schlussbericht der Sust vorliegen.

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