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VIERWALDSTÄTTERSEE: MS Mythen hat 10 Zentimeter grosses Loch im Rumpf

In das Motorschiff Mythen der SGV ist nach einer technischen Panne Wasser eingedrungen. Die Passagiere wurden nicht verletzt, mussten aber auf Busse umsteigen. Nun wird das Schiff repariert – und dürfte mehrere Wochen ausfallen.
Das Motorschiff Mythen, hier ein Bild von 2006, muss repariert werden. (Bild: Luzerner Zeitung)

Das Motorschiff Mythen, hier ein Bild von 2006, muss repariert werden. (Bild: Luzerner Zeitung)

Interview: Christian Glaus

christian.glaus@luzernerzeitung.ch

Schon wieder eine Schiffspanne auf dem Vierwaldstättersee: Geschehen ist diese am Mittwochnachmittag um zirka 16.30 Uhr bei Gersau. Das Motorschiff Mythen fuhr fahrplanmässig von Brunnen Richtung Beckenried. Nach der Station Gersau kam es zu einem Schaden an der Antriebswelle. Darauf trat Wasser in das Schiff ein. Mit nur einem Motor fuhr es zurück zur Station Gersau, wo die rund 40 Passagiere das Schiff unverletzt verlassen konnten. Sie wurden mit einem Bus weitertransportiert.

Es ist einer von mehreren Zwischenfällen auf dem Vierwaldstättersee: Das Dampfschiff Uri konnte Ende April wegen eines Defekts an der Elektronik nicht wie geplant in die Dampfer-Saison starten. Anfang Dezember 2017 rammte das MS Diamant bei der Station Kehrsiten-Bürgenstock einen Felsen und musste aufwendig repariert werden. Im August 2016 prallten auf Höhe der «Hermitage» die Dampfschiffe Unterwalden und Schiller ineinander. Stefan Schulthess, Direktor der Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees (SGV), nimmt zu den Vorfällen Stellung.

Stefan Schulthess, wissen Sie inzwischen genauer, was am Mittwoch zur Panne beim MS Mythen geführt hat?

Wir haben erste Vermutungen, wissen aber noch nicht genau, wie es dazu gekommen ist. Klar ist, dass die Antriebswelle betroffen ist. Das Schiff hat zwei Motoren und zwei starre Antriebswellen, an denen die Propeller befestigt sind. Eine davon hat sich mit dem Propeller gelöst und ist versunken. Dadurch konnte Wasser durch das Stevenrohr einströmen.

Wie schlimm war der Wassereinbruch?

Das Rohr hat den gleichen Durchmesser wie die Antriebswelle: zirka 10 Zentimeter. Da kann schnell recht viel Wasser einströmen.

Bestand die Gefahr, dass das Schiff sinkt?

Nein, das Schiff ist so konstruiert, dass sich nicht der gesamte Rumpf mit Wasser füllen kann. Im schlimmsten Fall würde ein ganzes Schott gefüllt werden, gefährlich würde es aber erst, wenn mehr als zwei solcher Schotträume voll mit Wasser sind. Beim MS Mythen war der eine Schottraum etwa zur Hälfte gefüllt. Die Pumpen an Bord reichten nicht mehr, um das Wasser abzupumpen. Deshalb musste die Feuerwehr Gersau beigezogen werden. Das Rohr wurde durch unsere Mitarbeitenden in Gersau abgedichtet. Inzwischen liegt das Schiff in der Werft in Luzern.

Wie konnte es dazu kommen, dass sich die Welle löst?

Für mich stehen mit meinem aktuellen Wissensstand zwei Möglichkeiten im Vordergrund: Entweder war es ein Materialschaden oder ein Montagefehler.

Wurde das Schiff also schlecht gewartet?

Nein, sicher nicht. Einen Materialschaden sieht man von aussen nicht unbedingt. Ein Montagefehler würde bedeuten, dass ein Mitarbeiter in der Werft einen Fehler gemacht hat. Die letzte Wartung wurde übrigens im Winter durchgeführt, liegt also noch nicht lange zurück.

Das Schiff ist schon älter, die Jungfernfahrt fand 1931 statt. Lohnt sich eine Reparatur?

Selbstverständlich. Der Schaden ist nicht so gross. Wir müssen nur die Welle ersetzen. Diese müssen wir bestellen, die Lieferfrist könnte zwei bis drei Wochen betragen. Danach kann man das Schiff wieder voll einsetzen. In der Zwischenzeit können wir die Kurse des MS Mythen mit Ersatzschiffen abdecken.

In letzter Zeit gab es mehrere Pannen und Unfälle bei der SGV. Haben Sie ein Sicherheitsproblem?

Meines Wissens ist es noch nie vorgekommen, dass ein SGV-Schiff eine Antriebswelle verloren hat. Das ist ein unglücklicher Vorfall. Mit der Havarie des MS Diamant kann man das aber nicht vergleichen, da es sich dort nicht um ein technisches Problem handelte. Es ist eine unschöne Häufung von Vorfällen, die nichts miteinander zu tun haben. Ich möchte aber betonen: Die Sicherheit war jeweils gewährleistet. Seit Jahrzehnten haben wir unter unseren jährlich mehr als 2,5 Millionen Passagieren keine ernsthaft verletzten Opfer zu beklagen.

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