VIERWALDSTÄTTERSEE: Schutzverband nach 30 Jahren noch nicht am Ziel

Behörden und Bauherren gehen heute sorgsamer mit der Landschaft am Vierwaldstättersee um als vor 30 Jahren. Dies verbucht der Landschaftsschutzverband auch als eigener Erfolg. Er fordert von den Kantonen künftig noch mehr Kooperation.

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Der Schutzverband kämpft für eine intakte Landschaft. Auf dem Bild der Vierwaldstättersee, fotografiert von der Bergstation der Klewenalp-Bahn. (Archivbild Markus von Rotz / Neue NZ)

Der Schutzverband kämpft für eine intakte Landschaft. Auf dem Bild der Vierwaldstättersee, fotografiert von der Bergstation der Klewenalp-Bahn. (Archivbild Markus von Rotz / Neue NZ)

30 Jahre nach seiner Gründung sieht sich der Landeschaftschutzverband Vierwaldstättersee (LSVV) trotz Erfolgen noch nicht am Ziel. Zum einheitlichen Schutz der Natur um den See fordert er von den fünf Anrainerkantonen und den 32 Seegemeinden die Schaffung einer interkantonalen Kommission für Raum- und Landschaftsentwicklung.

All zu oft würden Schutzüberlegungen an der Kantonsgrenze Halt machen, sagte LSSV-Geschäftsleiter Hans-Niklaus Müller am Freitag an einer Medienkonferenz in Luzern.

Die neue Kommission soll für einheitliche Richtlinien im Seegebiet und für eine gewisse Rechtsverbindlichkeit sorgen. Der LSSV deponierte sein Anliegen bereits bei den Zentralschweizer Bau- und Umweltdirektoren, wie Müller sagte.

Der LSSV will die Landschaft und die Ortsbilder rund um den Vierwaldstättersee erhalten sowie das Gewässer selber und die Tiere und Pflanzen darin schützen. Der LSVV koordiniert Schutzbestrebungen und unterstützt Organisationen mit ähnlichen Zielen. Der LSVV zählt total 417 Mitglieder.

2013: Einsprachen in 10 von 30 Fällen

Der Verband wurde 1984 in Brunnen gegründet. Vorangegangen war ein dringlicher Bundesbeschluss 1973 zur Raumplanung und die Forderung nach Konzepten gegen eine weitere Zersiedelung auch in der Zentralschweiz.

Zur Verfolgung seiner Ziele führt der LSSV Gespräche, gibt offizielle Stellungnahmen ab und beschreitet auch den Rechtsweg. In Luzern und Nidwalden verfügt er über das Verbandsbeschwerderecht.

2013 beschäftigte sich der Verband mit 30 Projekten. In zehn Fällen legte er Beschwerde oder Einsprache ein. Betroffen waren etwa der Teilzonenplan "Steinbruch Fallenbach" in Brunnen , der Güterweg Tellsplatte-Unteraxen in Sisikon , der Bootshafen Hinterberg in Alpnach und die Mobilfunkantenne Stutz in Horw LU.

Als grössten Erfolg in den vergangenen drei Jahrzehnten betrachtet der LSSV den Bewusstseinswandel bei Planern, Bauherren und Behörden. Diese zeigten sich heute für die Belange der Landschaft sensibilisiert, sagte LSVV-Präsident Reto Wehrli, Jurist und alt Nationalrat (CVP/SZ).

Wichtige Wanderwege initiiert

Zu den wichtigsten Projekten der Verbandsgeschichte zählt der LSSV-Vorstand etwa die Wiederherstellung des Felsenwegs am Bürgenstock 1990 und die Schaffung des Waldstätterwegs 120 Kilometer rund um den Vierwaldstättersee. Teilstück des Wegs ist der "Weg der Schweiz", der zum 700-Jahr Jubiläum der Eidgenossenschaft 1991 rund um den Urnersee eingerichtet wurde.

Massgeblich beteiligt war der LSSV auch an der Erstellung einer Wildtierbrücke über die Autobahn A2 in Ennethorw NW oder beim Entscheid des Luzerner Verwaltungsgerichts zum Hotel Albana in Weggis LU. Das Urteil mit Signalwirkung verhinderte ein geplantes Hotelprojekt und besagte, dass auch die Integration ins Ortsbild massgebend ist für eine Bewilligung.

Positionspapiere zu Hotels und Hochhäuser

Nach Ansicht des LSSV bleibt der Druck auf die noch offenen Landschaften am Vierwaldstättersee hoch. In jüngster Zeit gaben Projekte für den Umbau von alten Hotels und für den Bau von Hochhäusern Anlass zu Diskussionen.

Der LSSV erarbeitete zwei Positionspapiere mit Anforderungen an Hotelbauten und Hochhäuser. Dabei legt der LSSV sein Augenmerk etwa darauf, bei historischen Hotels aus ökonomischen Gründen nicht unbeschränkte Nebennutzungen zuzulassen.

Beim Bau von Hochhäusern warnt der LSSV davor, dass diese kein Schlüssel zur Verdichtung seien. Trotz meist kleinem "Fussabdruck" wachse bei Hochhäusern wegen vorgeschriebener Grenzabstände die Grundstückfläche mit jedem Geschoss. Bei einzelnen Projekten müssten immer die öffentlichen Interessen und jene der Investoren abgewogen werden. (sda)