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VISUELLES: «Ein paar Sekunden sollten reichen, um Fakten zu verstehen»

Janina Noser (57) arbeitet als Grafikerin bei unserer Zeitung. Die Luzernerin bringt der Leserschaft Informationen auf schnelle und anschauliche Weise näher. Ihre Arbeit sei gar nicht so weit entfernt von der eines DJ, meint sie.
Roger Rüegger
Grafikerin Janina Noser. (Bild: Dominik Wunderli)

Grafikerin Janina Noser. (Bild: Dominik Wunderli)

Janina Noser, ist eine Zeitungsredaktion ein typischer Arbeitsort für Grafiker?

Ja, schon. Im Medium Zeitung ist nebst redaktionellen Texten das Visuelle ein besonders wichtiger Bereich.

Die Fotografen liefern die Bilder. Was ist Ihre Aufgabe?

Als Grafikerin gestalte ich Infografiken, geografische Karten, thematische Bildmarken, Titelseiten von Beilagen, Illustrationen und andere Visualisierungen.

Als Sie vor 27 Jahren bei der LNN anfingen, gab’s die Grafik in diesem Sinn noch nicht. Was war damals Ihre Aufgabe?

Ich arbeitete am Anfang zwei Tage pro Woche im Fotolabor.

Also ein richtiges Handwerk?

Damals war alles noch Handwerk. Ich mixte die Chemie, entwickelte damit Filme und erstellte Handabzüge auf Fotopapier. Zu dunkle Stellen wurden beim Belichten noch von Hand mit Abwedeln aufgehellt. Später wechselte ich zur digitalen Bildbearbeitung.

Wie kamen Sie zur Zeitung?

Durch Zufall. Ein Kollege sprach mich an und fragte, ob ich einen Job suchen würde – seine Stelle im Fotolabor der LNN werde frei. Ich arbeitete damals freischaffend als Grafikerin und Künstlerin. Ich hatte privat ein Fotolabor und war fasziniert vom Medium Fotografie. Nach der Fusion der LNN und der Luzerner Zeitung bewarb ich mich für eine 50-Prozent-Stelle als Redaktionsgrafikerin.

Wie lange gibt’s Infografiken schon als Zusatzelement?

Seit rund zehn Jahren bekommen Infografiken in unserer Zeitung einen immer grösseren Stellenwert. Früher arbeitete ich hauptsächlich im Layoutbereich und habe etwa für den Bund Gesellschaft und Kultur mit der Gestaltung experimentiert.

Warum sind Infografiken bei der Zeitung heute so wichtig?

Sie helfen zur Informationsvermittlung in verdichteter visueller Form. Sie transportieren eine Kernbedeutung des redaktionellen Textes und helfen, in kürzester Zeit komplexe soziale, politische, wissenschaftliche und wirtschaftliche Zusammenhänge zu verstehen. Infografiken informieren, unterhalten und klären auf.

Sie sind also dafür verantwortlich, dass die Leser einen Text besser verstehen?

Auf jeden Fall. Werden komplexe Fakten in einer Infografik auf den Punkt gebracht, helfen sie für ein schnelles Verständnis. Die Leser werden visuell abgeholt. Ein paar Sekunden sollten reichen, um Fakten zu verstehen und um das Interesse am vertieften Text zu wecken.

Die Journalisten versuchen, die Zeitung mit Elementen auf unserem Onlineportal anzureichern. Wie halten Sie es in Ihrer Abteilung?

Das Internet ist ein visuelles Medium und darum geeignet für visualisierte Faktenvermittlung. Wir sind bestrebt, vermehrt Infografiken nicht nur auf Papier, sondern auch online zu publizieren.

Wo führt das hin?

Infografiken werden ein substanzieller Bestandteil der redaktionellen Inhalte werden. Die Leute wollen heute vermehrt kurz und anschaulich über Fakten informiert werden. Die Wissensvermittlung an die Leserschaft wird visueller als zusätzliche Dienstleistung zu den Texten.

Ihr Job als Grafikerin hat sich enorm verändert. Wie erleben Sie den Alltag?

Als ich 1978 die Ausbildung zur Grafikerin machte, wurde von Hand entworfen, zugeschnitten, geklebt, gemalt und reingezeichnet. Später habe ich mit Begeisterung begonnen, mit dem Macintosh zu arbeiten. Ich schätze die digitalen Möglichkeiten sehr. Der Mac ist für mich Werkzeug und Leinwand zugleich.

Welche Schritte sind nötig, bis eine fixfertige Grafik auf der Seite platziert ist?

Von der Redaktion erhalte ich ­einen Grafikauftrag. Die Fakten dazu werden angeliefert. Mal als Handskizze, mal als datenrauschendes Excel-File. Meine Aufgabe ist es, die Kernaussage der Informationen herauszukristallisieren und in eine einfach verständliche visuelle Form zu bringen. Das tönt einfach, ist es aber nicht immer. Nach dem Okay der Redaktion wird die Infografik vom Korrektorat gelesen und dann in der Zeitung platziert.

Müssen Sie schnell agieren?

Dies ist unterschiedlich. Bei tagesaktuellen Themen kommt es vor, dass ich ein bis zwei Stunden Zeit habe bis zur Platzierung. Dann heisst es sich schnell entscheiden und aus der Erfahrung schöpfen. Schön ist es, wenn ein Auftrag früh genug kommt, um eine Grafik vorproduzieren zu können. So gibt es die wertvolle Zeit für Reflexion im Team.

Wie sehr müssen Sie über das Thema Bescheid wissen?

Ich muss mich in die Thematik vertiefen, die relevante Information rausspüren und genau wissen, was die Grafik aussagen soll.

Bei unserer Zeitung sind Sie in einem 60-Prozent-Pensum angestellt. Sie sind aber auch selbstständig. Ist Kunst ebenfalls ein Standbein?

Die Kunst begleitet mich schon seit jungen Jahren. Ich kreiere meine Bilder aus einem inneren Bedürfnis heraus. Es ist für mich ein Experimentierfeld geblieben. Ich mixe Malerei und Fotografie, überlagere Schichten, probiere verschiedene Drucktechniken aus. Als Grafikerin gestalte ich Plakate, Flyer, Websites, und ich illustriere auch mal Bücher.

Sie waren auch als DJ tätig, ebenfalls eine Kunstform?

Ja, in den 80er- und 90er-Jahren legte ich an diversen Orten auf. In der Boa, der Schüür, im La Fourmi, in der Roten Fabrik, im Uferlos und so weiter. Die Arbeit mit dem Sound hat mich sehr fasziniert.

Inwiefern?

Wichtig war für mich das Aussteuern des Klangbildes an den Reglern des Mischpults. Ob wummernde Bässe oder afrikanische Trommeln, wichtig waren immer die Übergänge, die Dramaturgie und das tanzende Volk. Ich ging auf die Stimmung ein, erzeugte Spannung und Freude. Auf den richtigen Mix kam es an. Das ist vergleichbar mit der Arbeit als Grafikerin bei der Zeitung. Ziel ist, die Grafik so lange zu justieren, bis das Verhältnis von Form, Farbe und Information eine Einheit bildet.

Roger Rüegger

roger.rueegger@luzernerzeitung.ch

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