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Der Pfleger mit der Gitarre – und der indonesischen Fernsehshow

Erst Journalist, dann Tellerwäscher und nun Pflegehelfer mit umgehängter Gitarre: Der Krienser Krisna Akassa (49) aus Indonesien hat eine bewegte Lebensgeschichte. Inzwischen ist er so richtig in der Schweiz angekommen – trotz des schlechten Essens.
Interview: Raphael Zemp
Journalist und Pfleger Krisna Akassa unterhält Seniorin Berta Lussi mit dem «Buurebüebli». (Bild: Boris Bürgisser (Immensee, 26. Oktober 2018))

Journalist und Pfleger Krisna Akassa unterhält Seniorin Berta Lussi mit dem «Buurebüebli». (Bild: Boris Bürgisser (Immensee, 26. Oktober 2018))

Krisna Akassa, in Indonesien haben Sie Fernsehsendungen produziert, hier in der Schweiz arbeiten Sie hauptberuflich als Pflegehelfer im Alters- und Pflegeheim Sunnehof in Immensee. Keine alltägliche Karriere...

Das stimmt. Schuld an dieser ungewöhnlichen Berufsentwicklung ist die Liebe.

Inwiefern?

Meine Frau ist Schweizerin. Wir haben uns in Indonesien kennengelernt, als ich für ihre Feldstudie den Papierkram erledigen musste. Nachdem sie mich regelmässig besucht hatte, gab ich dann vor 15 Jahren ihr zuliebe mein altes Leben auf: Meinen Beruf, mein Umfeld, alles habe ich in Indonesien zurückgelassen und bin in die Zentralschweiz gezogen. Hier Fuss zu fassen, war dann aber gar nicht so einfach.

Warum?

Nun, zum einen ist Luzern nicht gerade Jakarta. Die Millionenmetropole Jakarta schläft nie, hier fühlte es sich für mich damals unter der Woche nach 22 Uhr wie auf einem Friedhof an, selbst im Zentrum von Luzern. Zudem machten mir die verschlossenen Schweizer sehr zu schaffen. Freundschaften zu schliessen war alles andere als einfach. Und dann war da noch das ungewohnte Essen: kaum gewürzt und ohne Schärfe. Es schmeckt mir auch heute noch nicht. Auch wenn ich für Gäste aus Indonesien jeweils ein Fondue koche.

Und die Sprache?

Das war und ist nach wie vor das grösste Problem. Inzwischen verstehe ich zwar sogar Schweizerdeutsch ganz passabel. Aber ich spreche noch immer gebrochen Deutsch. Wegen der Sprachprobleme war mir schnell klar: Als Journalist für ein Schweizer Medium finde ich keine Anstellung. Nach einer Weile als Hausmann bin ich deshalb ganz unten wieder eingestiegen ins Berufsleben: als Tellerwäscher in einem grossen Luzerner Hotel. Danach folgten ein paar Jahre bei McDonald’s – bis ich mich beim Schweizerischen Roten Kreuz zum Pflegehelfer ausbilden liess und seit nunmehr sieben Jahren auf diesem Beruf arbeite.

«Ich habe mir ein Repertoire von knapp 20 Schweizer Liedern angeeignet.»

Warum gerade Pflege?

Es ist zwar nicht mein Traumberuf, gefällt mir aber trotzdem sehr gut. Ich kann Menschen helfen, bekomme dafür ein Gehalt und lerne erst noch viel über die Schweiz und ihre Eigenarten. Denn viele Senioren, mit denen ich zu tun habe, sind ziemlich einsam – und schätzen es sehr, wenn ich sie nach ihren Lebensgeschichten frage, ihren Erzählungen zuhöre. Und wenn ich mal mit der Sprache anstehe, dann greife ich zu meiner Gitarre. Dann dauert es oft nicht lange, bis das Eis gebrochen ist.

Welches Lied ist bei den Heimbewohnern besonders beliebt?

Das ist ganz unterschiedlich. Ich habe mir mit Hilfe von YouTube ein Repertoire von knapp 20 Schweizer Liedern angeeignet. Eines davon stösst meist auf Anklang. «Es Buurebüebli» etwa kommt gut an, oder «Lueget vo Bärg und Tal». Aber auch «Vo Weggis gäge Lozärn zue» – oder umgekehrt. (lacht)

Ganz aufgegeben haben Sie den Journalismus aber trotzdem nicht. Sie drehen und schreiben noch immer regelmässig Beiträge für indonesische Zeitungen und Fernsehstationen. Was interessiert das indonesische Publikum besonders an der Schweiz?

Indonesier wissen nur sehr wenig über die Schweiz. Schokolade und Uhren, das ist meist schon alles. Das versuche ich zu ändern. Obschon mich meine Korrespondenten-Aufträge oft an grosse Sportveranstaltungen in Europa führen, an Champions-League-Fussballspiele etwa oder an Tennismatches des French Open in Paris, berichte ich auch von aktuellen politischen Vorstössen in der Schweiz. Etwa unlängst über die Hornkuh-Initiative. Aber auch über Schweizer Brauchtum wie die Landsgemeinde habe ich schon geschrieben. Am meisten Anklang aber finden meine Beiträge über die Schweizer Bergwelt.

Da sind Sie als Mitglied des Schweizer Alpen Clubs (SAC) ja regelmässig anzutreffen.

Ja. Im Sommer wandere und klettere ich oft. Im Winter fahren ich Ski und laufe Schneeschuh. Wann immer möglich, fahre ich in die Berge. Viele Touren filme ich auch. Manchmal entstehen daraus Fernsehbeiträge, die auch im Internet regelmässig 200000 Klicks und mehr generieren. Dereinst soll aus dem gesammelten Filmmaterial aber ein kurzer Dokumentarfilm entstehen.

Eine ganz schön schweizerische Freizeitgestaltung. Hat sich auch ihre Arbeit als Journalist verändert, seit Sie in der Schweiz sind?

Klar. Einerseits ist das Arbeiten hier angenehmer. Termine etwa werden vereinbart – und eingehalten, während dem in Indonesien Abmachungen oft genug in letzter Sekunde abgesagt werden. Aber ich bin auch ein kritischerer Journalist geworden. Hofberichterstattung braucht man von mir nicht mehr zu erwarten. Wenn ich von der indonesischen Botschaft zu einem Ereignis eingeladen werde, dann berichte ich, was ich sehe – und nicht, das, was die Behörden gerne möchten. Das erklärt wohl, warum ich kaum mehr Einladungen erhalte.

«In der Schweiz bin ich zu einem kritischeren Journalisten geworden.»

Gibt es etwas am Leben in der Schweiz, an das sie sich auch nach all den Jahren noch nicht gewohnt haben?

Ja, mit der extremen Bünzli-Schweiz komme ich noch immer nicht klar. Zwar habe auch ich Pünktlichkeit, Disziplin und vieles Weiteres schätzen gelernt. Aber die teils extreme Verschlossenheit von Menschen verstehe ich bis heute nicht. Zum Glück aber bin ich vor ein paar Jahren dem SAC beigetreten. Seither weiss ich nämlich: Die Schweiz im Verein ist eine ganz andere, eine herzlichere und offenere.

Alle Beiträge dieser Serie unter: luzernerzeitung.ch/bonus

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