Helfen statt Faulenzen – dieser Ferientrend hält auch in der Schweiz Einzug

Während den Ferien freiwillig ackern für eine bessere Welt – dies lockt viele nach Afrika, Asien oder Südamerika. Doch auch in der Zentralschweiz sind solche Einsätze möglich.

Sandra Peter
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Diese Voluntouristin war in Leuk im Kanton Wallis aktiv. (Bild: Schweizer Berghilfe)

Diese Voluntouristin war in Leuk im Kanton Wallis aktiv. (Bild: Schweizer Berghilfe)

Der so genannte Voluntourismus, zusammengesetzt aus den Wörtern Tourismus und dem englischen «Volunteering» für Frewilligenarbeit, kombiniert Reisen mit Hilfseinsätzen. Ein solches Angebot haben die Schweizer Berghilfe und der auf die Schweiz spezialisierte Reiseveranstalter Switzerland Travel Center (STC) gemeinsam geschaffen. Im mittlerweile dritten Jahr stehen acht Betriebe wie etwa Bauernhöfe oder Berggasthäuser zur Auswahl.

Das Angebot richtet sich an Einzelpersonen, die gemäss Max Hugelshofer von der Schweizer Berghilfe «in den Bergen mithelfen und den Alltag dort kennen lernen wollen». In den ersten beiden Jahren hatten rund 40 Personen einen solchen Einsatz wahrgenommen. Das Angebot ist ab 200 Franken buchbar. Die Gäste arbeiten während vier von fünf Tagen im ausgewählten Betrieb mit, ein Tag ist frei. Für die 200 Franken erhalten die Volunteers Kost und Logis, sowie das ÖV-Ticket mit Halbtax für die An- und Rückreise ab Wohnort. Von den 200 Franken gehen 40 Franken direkt an den jeweiligen Betrieb und 40 Franken als Spende an die Schweizer Berghilfe. Den Rest erhält STC für das ÖV-Ticket und die Vermittlung.

Mit diesem Angebot will die Stiftung Schweizer Berghilfe den Gästen aufzeigen, dass es sich lohnt, sich für ein lebendiges Berggebiet zu engagieren. Melanie Gubser, Project & Product Manager bei Switzerland Travel Center, erklärt, dass damit einem globalen Trend entsprochen werde. «Eine solche Erlebnisreise erfüllt das Bedürfnis von Gästen, die ihre Fähigkeiten in den Ferien sinnstiftend einsetzen möchten.» Und: «Damit können wir dem Gast etwas Authentisches bieten, abseits der bekannten Hotspots.»

Einmal etwas komplett Anderes erleben

Mit dabei ist die Husky-Lodge in Muotathal. Geschäftsführer Beat Heinzer sagt: «Die meisten Leute wollen mal etwas komplett anderes machen als sonst; in den Bergen arbeiten, mit Tieren, abschalten. Wir wollen ihnen diese Möglichkeit bieten.» Bei Heinzer und seinem Team haben über dieses Projekt bisher rund zehn Volunteers mitangepackt. Bei Unterhaltsarbeiten draussen in der Umgebung, beim Rasen mähen, Abfallkübel auf dem Campingplatz leeren, Jäten, Stühle streichen, Holzschnitzel im Hundegehege auswechseln oder beim Füttern der Huskys. «Viele glauben, es gehe nur um die Huskys, dem ist aber nicht so. Es gibt auch sonst viel zu tun.» Falsche Erwartungen versucht Heinzer schon im Voraus auszuräumen, etwa während eines Telefonats.

Gäste müssten kein Bewerbungsschreiben abgeben, meist würden einige Präferenzen und Fähigkeiten bei der Buchung aber bereits angegeben, erklärt Gubser von STC. Mit den Buchungsunterlagen erhalten sie die Aufforderung, sich mit dem Betrieb direkt über ihre möglichen Einsatzgebiete auszutauschen. Ein klassischer Typ «Voluntourist» habe sich nicht herauskristallisiert. «Herkunft, Beruf und Alter sind sehr unterschiedlich», so Gubser.

Die Rückmeldungen der Anbieter und der Volunteers seien überwiegend positiv, so Hugelshofer von der Berghilfe. «Die Betriebe finden, jemand von aussen bringe frischen Wind rein und helfe in strengen Zeiten mit. Die Helfer wollen etwas Sinnvolles machen und lernen eine neue Art von Leben kennen. Beide Seiten schätzen es, neue Leute zu treffen und spannende Gespräche zu führen.» Conni Muggli, die in einem kleinen Hotel auf der Surselva mithalf, meinte: «Wenn man mit anpackt, ist man automatisch Teil von etwas. Man erlebt viel intensiver, als wenn man einfach Ferien macht. Ich habe Dinge gemacht, von denen ich zuvor keine Ahnung hatte, und dabei viel gelernt.»

Alle teilnehmenden Betriebe wurden einst von der Schweizer Berghilfe finanziell unterstützt. «Die Leute sind uns also schon bekannt, und wir sind auf geeignete Partner zugegangen», erklärt Hugelshofer von der Schweizer Berghilfe. «Einerseits sollten die Verantwortlichen sich schnell auf neue Leute einstellen können, andererseits müssen auch Arbeiten vorhanden sein, die jeder erledigen kann.» Zudem ist eine Übernachtungsmöglichkeit für den Helfer oder die Helferin nötig. Die meisten Betriebe nehmen jeweils einen Volunteer auf.

Vermarktung auch im Ausland

Neu werden zwei ausgewählte Angebote über den STC-Standort in London auch im englischsprachigen Raum mit Fokus auf die Märkte UK und Australien vermarktet, direkt bei Endkunden und über Reiseveranstalter. Die anderen Angebote werden in der Schweiz, Deutschland und Österreich verkauft. Insgesamt habe man in diesem Sommer bereits über zwei Drittel des Buchungsvolumens des letzten Jahres erreicht, sagt Gubser von STC.

Gemäss Hugelshofer von der Berghilfe soll das Projekt in den kommenden Jahren in einem ähnlichen Rahmen weiterlaufen. «Vielleicht kommen zwei bis drei neue Betriebe pro Jahr hinzu.» Auch die Projektmanagerin von STC bestätigt: «Wir wollen kein Massenprodukt kreieren. Die Bedürfnisse der lokalen Betriebe, die lokale Wertschöpfung und Nachhaltigkeit stehen im Fokus.» Wieso aber sollen Leute einen solchen Helfereinsatz über Reseiveranstalter buchen anstatt selber zu organisieren? Hugelshofer: «Wer keine Kontakte hat, findet hier ein Angebot in einem geregelten Rahmen. Die Leute sagen nicht einfach ja, ohne zu wissen worauf sie sich einlassen.»

Weitere Informationen: www.switzerlandtravelcentre.com/de/che/angebote/reisearten/voluntourismus

Auch Caritas vermittelt Einsätze

Die Caritas Schweiz vermittelt Kontakte zu Schweizer Bergbauern, die Unterstützung bei Alparbeiten, im Haushalt, im Stall, bei der Kinderbetreuung oder Bauprojekten benötigen. Darunter sind auch Zentralschweizer Bergbauern. Kost und Logis sind für die einzelnen Freiwilligen jeweils kostenlos, ein Einsatz dauert mindestens fünf Tage. Sowohl die Caritas als auch die Schweizer Berghilfe vermitteln zudem Hilfseinsätze für Gruppen. Infos unter: www.bergeinsatz.ch und www.bergversetzer.ch