Von wegen Stubenhocker – Zentralschweizer Jugendliche zieht es wieder auf die Piste

Zentralschweizer Jugendliche interessieren sich wieder für Wintersport. Entsprechende Kurse waren in dieser Saison meist gut besucht.

Sandra Peter
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Bereit für einen Tag im Schnee: Mit dem von der Schweizer Skischule Luzern organisierten Car sind die Jugendlichen in die Stöckalp zur Talstation des Skigebietes Melchsee-Frutt gefahren.

Bereit für einen Tag im Schnee: Mit dem von der Schweizer Skischule Luzern organisierten Car sind die Jugendlichen in die Stöckalp zur Talstation des Skigebietes Melchsee-Frutt gefahren.

Bilder: Roger Grütter, Stöckalp, 8. Februar 2020

In den Wochen zwischen Weihnachten und Fasnacht bieten diverse Ski- und Snowboardschulen in der Zentralschweiz Kurse für Kinder und Jugendliche aus der Region an. Die Kurse finden meist am Samstag, Sonntag oder Mittwochnachmittag statt, teils sind dabei auch das Skiticket und die Anreise organisiert. Damit sollen auch Kinder, die mit ihren Eltern nicht in die Skiferien fahren, die Gelegenheit für Wintersport erhalten.

Die Nachfrage nach solchen Kursen war in diesem Winter bei acht von neun kontaktierten Organisatoren entweder ungebrochen hoch oder sogar höher als in den Vorjahren. Dank der Kurse der angefragten Anbieter gelangten in dieser Saison total über 1500 Zentralschweizer Kinder und Jugendliche in den Schnee. Die Organisatoren sind sowohl klassische Skischulen in Berggebieten als auch Vereine, Skiklubs, weitere Organisationen und Sportgeschäfte in den Tälern. Solche Angeboten werden oft auch durch Sponsoren oder Freiwilligenarbeit unterstützt, um die Kosten für die Jugendlichen und deren Familien möglichst tief zu halten.

Konkurrenten rücken zusammen

Eine der Anbieterinnen in der Region ist die Schweizer Skischule Luzern. Sie ist als Verein organisiert und bietet die Kurse in Zusammenarbeit mit der Migros Klubschule an. 5 Tage Skiunterricht inklusive Ticket, Skirennen und Transport ab dem Inseli kosten 360 Franken. Die Schweizer Skischule Luzern will explizit Stadtkindern den Zugang zum Schneesport ermöglichen. Rund 160 Kinder und Jugendliche im Alter von 6 bis 18 Jahren bringt sie diesen Winter in die Berge, konkret auf die Pisten der Melchsee-Frutt. Mit dem Car fahren sie jeweils zur Talstation Stöckalp:

Ins Skigebiet Mörlialp fährt die Skiclub Skischule Luzern mit rund 120 Kindern im Alter von 4 bis 13 Jahren. Dieser 5-Tages-Kurs inklusive Transport ab Mooshüsli in Emmen, Ticket, Mittagessen und Skirennen mit Medaille kostet 410 Franken. Nicole Luternauer, die Technische Leiterin der Skiclub Skischule Luzern sagt dazu:

«Da kann keine Kita mithalten.»

Das Komplettangebot komme gut an. Rund 150 Kinder hätten dieses Jahr Interesse gehabt. «Bei 120 ist aber wegen des Cars, des Restaurants und auch wegen den Leitern die Kapazitätsgrenze erreicht».

Die Luzerner Anbieter arbeiten mittlerweile in gewissen Bereichen zusammen. Daniel Preisig, Leiter der Schweizer Skischule Luzern erklärt: «Neu haben wir in der Aus- und Fortbildung für Ski- und Snowboardleiter eine Partnerschaft mit Schweizer Schneesportschule Kriens und der Skiclub Skischule Luzern vereinbart, zwei unserer grössten Mitbewerber».

Und Nicole Luternauer sagt: «Es wird immer schwieriger, ausgebildete Leiter zu finden. Da prüfen wir beispielsweise auch eine Zusammenarbeit mit der Skischule Sursee».

Sowohl bei der Schweizer Skischule Luzern als auch der Skiclub Skischule Luzern sind Kinder mit Migrationshintergrund anzutreffen.

«Viele Kinder bei uns sind Secondos, deren Eltern nicht Skifahren können».

Luternauer schätzt anhand ihrer Beobachtungen, dass etwa zwei Drittel der Kursbesucher später weiter Schneesport betreiben. Und Preisig sagt: «Bringen wir die Kinder nicht in die Berge, erfahren sie nicht, wie schön diese Leidenschaft sein kann.»

Die Schweizer Skischule Luzern hat eine Vereinbarung mit der Schweizer Ski- und Snowboardschule Melchsee-Frutt und nutzt deren Infrastruktur und Hilfsmittel vor Ort. Beide sind Mitglieder des Dachverbands Swiss Snowsports. Florian Odermatt, Geschäftsführer der Schweizer Ski- und Snowboardschule Melchsee-Frutt, sagt: «Klar sind ab und zu viele Anbieter am Berg unterwegs. In der Regel funktioniert das Nebeneinander aber gut.»

«Vielleicht kommen ein paar Gäste später auf die Frutt in die Ferien oder buchen auch mal bei uns», so Odermatt. Wirklich messen lasse sich dies aber nicht. Im eigenen Mittwoch- und Samstagskurs zählte die Skischule Melchsee-Frutt diese Saison rund 100 Teilnehmer. Bei der Skischule Klewenalp-Stockhütte waren in den Mittwoch- und Samstagskursen rund 200 Kinder mit von der Partie. Die Skischulleiterin Andrea Würsch erläutert: «Wir freuen uns, wenn auch andere Skischulen auf den Pisten sind. Das belebt den Berg und bringt Wertschöpfung für alle». Nachdem die Pilatus-Bahnen 1994 den Skibetrieb auf Fräkmüntegg eingestellt haben, führt etwa die Schneesportschule Kriens ihre Kurse mit 130 Kindern pro Samstag auf der Klewenalp durch.

Wetterverhältnisse und Online-Auftritt sind entscheidend

Etwas weniger Buchungen im Vergleich zur letzten Saison verzeichnet die Skischule Engelberg Titlis. Dierk Beisel, Geschäftsführer, sagt: «Bis vor kurzem haben die Klostermatte und die Gerschnialp unter den warmen Temperaturen und den Nachwirkungen des Föhns im Dezember gelitten».

Dies sind Gebiete für den Einsteiger- und Kinderunterricht. Entsprechend seien weniger Kinder in die Skischule gekommen. Im Mehrjahresvergleich betrachtet seien die Zahlen aber stabil. An der Engelberger Samstagsskischule nahmen rund 350 Jugendliche teil, am erstmalig durchgeführten Mittwochkurs rund 100. Die Schweizer Ski- und Snowboardschule Sörenberg zählte im Mittwochnachmittag- und Wochenendkurs rund 280 Kinder. Sie verbuchte im Vergleich zur letzten Saison mehr Lektionen. Dies führt Skischulleiterin Lisa Zamudio ebenfalls auf die Schnee- und Wetterverhältnisse zurück. In anderen Gebieten seien die Anlagen nicht in Betrieb oder der Anfänger-Bereich geschlossen gewesen. Sie aber hätten im beschneiten Gebiet ihr Angebot jederzeit durchführen können. «Viele neue Gäste fanden dadurch den Weg in den Sörenberg», so Zamudio.

Die Skischulen auf der Klewenalp und im Sörenberg verzeichneten diese Saison bisher mehr Privatunterricht als im Vorjahr. Diese Tendenz nehme weiter zu, bestätigt ebenso der Geschäftsführer der Skischule Melchsee-Frutt. «Eine Familie mit vier Kindern bucht beispielsweise einen Privatlehrer für diese anstatt sie in verschiedene Klassen zu geben».

Tobias Schär, Inhaber und Geschäftsführer von Boardlocal Luzern und Engelberg, sagt: «Heute sind bei uns rund zwei Drittel der Lektionen Privatunterricht. Die Nachfrage hat sich in den letzten 30 Jahren von Gruppen- zu Privatunterricht verlagert». Bei Boardlocal befinden sich Sportgeschäft und Snowboardschule unter einem Dach. In den letzten vier Jahren ist gemäss Schär die Nachfrage nach Snowboard-Unterricht wieder angestiegen. Ein Grund dafür seien mehr Buchungen von ausländischen Tages- oder Wochenendgästen. «Unsere Gäste kommen mittlerweile aus Südamerika, Asien, aus aller Welt. Die meisten informieren sich bereits im Vorfeld online».

Schär organisierte nach einer Pause erstmals in diesem Winter auch wieder ein Gruppenkursangebot für Jugendliche ab Luzern. «De Zog i Schnee» an drei Sonntagen nach Engelberg inklusive Tageskarte im Brunnigebiet, Mittagessen, Unterricht und Mietmaterial nutzten 18 Teilnehmer.

Genannte Skigebiete

Kurse für Cracks, Frauen und Freestyler

Skischulen versuchen vermehrt, auch Erwachsene anzusprechen. «Unser Performance-Check-up kommt nach und nach in Fahrt», sagt Dierk Beisel, Geschäftsführer der Skischule Engelberg über ein neues Angebot. Dies ist ein Technik-Workshop für geübte Fahrer, die zwar einen Carving-Ski fahren und diesen gut beherrschen, in steilerem Gelände aber nach wie vor gerutschte anstelle geschnittener Kurven ziehen und ihr Material so nur teilweise ausnutzen.

Die Skischule Klewenalp-Stockhütte bietet Montags-Kurse für Frauen an. Denn bei der Klewenalp-Bahn erhalten Frauen am Montag die Tageskarte zum halben Preis und dazu einen Drink. «Da haben wir ein Angebot für Wiedereinsteigerinnen geschaffen», sagt Skischulleiterin Würsch. «Oft legen Frauen eine Skipause ein, wenn sie ein Baby bekommen. Sobald das Kind dann gross genug ist, um mit Skifahren zu beginnen, wollen auch die Mütter wieder starten». Das Angebot richte sich an Skifahrerinnen, die Sicherheit zurückgewinnen und ihre Technik verbessern möchten.

Da sich die Interessen der Jugendlichen wandeln, entstehen auch für sie neue Kurse. Die Skischule Sörenberg hat etwa einen Freestyle-Kurs lanciert. Während 11 Halbtagen lernen rund 30 Jugendliche beispielsweise wie man sich in einem Park verhält, sicher springt und landet oder über ein Rail oder eine Box rutscht. Im März testet die Skischule Melchsee-Frutt ein ähnliches Angebot für Obwaldner Jugendliche, über drei Nachmittage hinweg. Breits seit sechs Jahren, bietet Christian Fürsinger, Inhaber des Sportgeschäftes 3sixty mit Filialen in Stans und Schwyz, einen Freestyle-Kurs an. Heuer nahmen rund 20 Jugendliche daran teil. «Das Interesse ist gestiegen, aber mehr konnte ich gar nicht annehmen», so Fürsinger.

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