Vorsicht Erstickungsgefahr: Erdnüsse gehören nicht in die Hände von Kleinkindern

In der Adventszeit behandelt das Luzerner Kantonsspital (Luks) gehäuft Kleinkinder, die sich an Erdnüssen und anderen Fremdkörpern verschlucken – teils mit lebensbedrohlichen Folgen.

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Zur Weihnachtszeit steigt die Nachfrage nach Erdnüssen jeweils.

Zur Weihnachtszeit steigt die Nachfrage nach Erdnüssen jeweils.

Symbolbild: Roger Grütter

(ems) Nebst Mandarinli und Schoggi sind Erdnüsse in der Vorweihnachtszeit bei Jung und Alt beliebt. Gerade auch der Samichlaus und sein Gefolge werden von vielen Kindern nur zu gern nach Nüssli gefragt.

Aber Vorsicht: Für Babys und Kleinkinder können Erdnüsse zur grossen Gefahr werden. «Die kindliche Luftröhre hat einen Durchmesser von rund 8 Millimetern und ist damit selbst nicht breiter als eine Erdnuss. Verschluckte Erdnüsse können bei Kleinkindern somit erhebliche Atemwegsbeschwerden auslösen und im schlimmsten Fall zu einer lebensgefährlichen Atemwegsblockade führen», warnt Prof. Dr. med. Nicolas Regamey, Leitender Arzt für Pneumologie am Kinderspital Luzern.

Rund 50 Säuglinge und Kleinkinder in letzten 3 Jahren behandelt

Ob verschluckt oder aus kindlicher Neugier in die Nase gesteckt – das Kinderspital Luzern und die Klinik für Hals, Nasen, Ohren (HNO) des Luks behandeln zur Advents- und Vorweihnachtszeit gehäuft Kinder unter drei Jahren mit Fremdkörpern in der Nase oder in den tieferen Atemwegen. In den letzten drei Jahren mussten laut Luks rund 50 Säuglinge und Kleinkinder, bei welchen der Verdacht auf eine Verlegung der Atemwege durch Fremdkörper bestand, behandelt werden.

Obwohl am häufigsten Erdnüsse in die Luftröhre geraten, ist die Palette möglicher Gegenstände, die für Kinder Erstickungsgefahr bergen, breit: Steinchen, Perlen, Pflanzenkerne oder -teile, Plastikteilchen, Nadeln, Kaugummis, Münzen, Knöpfe, etc. «Mitunter kommt es auch vor, dass ungekochte Äpfel oder Karotten, die während des Spielens oder Gehens gegessen werden und aufgrund eines Stolperers oder beim Hinfallen verschluckt werden, in die Luftröhre geraten.»

Akute und chronische Atemwegsprobleme als mögliche Folge

Im besten Fall kann das Kind den Fremdkörper selbst durch Husten wieder aus der Luftröhre befördern, im schlimmsten Fall droht jedoch akute Erstickungsgefahr: Gelangt der Fremdkörper in die unteren Atemwege, kann er sich in den Bronchien festsetzen. Mögliche Folgen sind Atemschwierigkeiten, Husten oder Lungenentzündungen. «Auch später kann es zu einer gefährlichen Atemnot kommen, wenn der Fremdkörper durch anhaltendes Husten ungünstig verrutscht», sagt Prof. Dr. med. Thomas Linder, Chefarzt Klinik HNO.

Wird die Fremdkörperaspiration nicht erkannt, kann dies zu chronischen Atemwegsproblemen beziehungsweise zu Funktionsstörungen eines gesamten Lungenlappens führen. Gerade in der Adventszeit, wenn vielerorts kleinteilige, verschluckbare Weihnachtsdekorationen die Wohnungen und Häuser zieren, nutze das Luks deshalb die Gelegenheit zur Sensibilisierung und möchte Eltern, Betreuer und Bezugspersonen auf die Gefahr der Atemwegsaspiration aufmerksam machen.

Notfall – das ist zu tun:

Das Luks rät bei Verschlucken zu folgenden Massnahmen:

- Ruhe bewahren!
- Versuchen, dem Kind den Fremdkörper aus dem Mund zu nehmen.
- Vorsicht beim Herausholen mit den Fingern: Der Gegenstand könnte so noch weiter in den Rachen gelangen.

Das Kind atmet nicht mehr:

  • Rufen Sie unverzüglich den Sanitätsnotruf 144 an.
  • Bei Säuglingen: Kind mit Gesicht nach unten auf den Unterarm nehmen und auf den Rücken klopfen.
  • Heimlich-Manöver, bei Kindern ab einem Jahr: Die Hände in der Mitte des Kinderbauches verschränken, sodass dieser eingedrückt wird, was das Aushusten des Fremdkörpers unterstützt. Achtung: Diesen Griff wegen Verletzungsgefahr nicht üben, sondern nur im Notfall anwenden.

Das Kind hat etwas verschluckt und hustet, aber atmet:

  • Das Kind vorerst in Ruhe lassen und beobachten.
  • Bei bleibendem Husten (auch wenn der Gegenstand inzwischen draussen ist) oder sonstigen Atembeschwerden den Arzt aufsuchen. Es könnte sich ein zweiter Fremdkörper in den Atemwegen befinden.