WAHLEN: Die Schweiz wählt ein neues Parlament

Die Schweizerinnen und Schweizer wählen heute Sonntag den Nationalrat und Ständerat. Die Wahlen versprechen in den Zentralschweizer Kantonen Spannung. Seit 12 Uhr sind Sie mit uns laufend am Ball.

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Ein Mann wirft seine Zettel in einem Wahlbüro in eine Urne. (Bild: Keystone / Gian Ehrenzeller)

Ein Mann wirft seine Zettel in einem Wahlbüro in eine Urne. (Bild: Keystone / Gian Ehrenzeller)

30 Parlamentarierinnen und Parlamentarier vertreten unsere Region in Bern. 23 von ihnen stellen sich am heutigen 18. Oktober wieder zur Wahl - auch 272 weitere Kandidaturen wollen einen der raren Sitze im Bundesparlament.

Nationalrat: Die Ausgangslage in der Zentralschweiz

Im Kanton Luzernist der Ausgang für die Nationalratswahlen offen, dies weil die Parteien über ihren eigenen Schatten gesprungen sind und ungewöhnliche Listenverbindungen eingegangen sind. Arithmetisch wurde die SVP dadurch zurückgebunden (Zum Artikel»).

Die drei Nationalratssitze des Kantons Zug sind derzeit von CVP, FDP und SVP besetzt. Diese bürgerliche Vormachtstellung wollen die Linken mit vereinten Kräften brechen. Abgesehen haben sie es auf den vor vier Jahren an die FDP verlorenen Nationalratssitz. (Zum Artikel »).

Der einzige ObwaldnerNationalrat Karl Vogler (CSP) kandidiert für eine zweite Amtszeit. Er geniesst die Unterstützung aller Parteien ausser der SVP. Diese will den vor vier Jahren verlorenen Sitz zurück. Der Ständeratssitz wird wohl erst im zweiten Wahlgang vergeben (Zum Artikel »).

Der einzige NidwaldnerNationalrat, «Weltwoche»-Mitarbeiter Peter Keller von der SVP, dürfte am 18. Oktober im Amt bestätigt werden. Daran ändert auch die Kandidatur eines Zürcher Linken nichts, der damit eine stille Wahl Kellers verhindert hat (Zum Artikel »).

Im Kanton Uriwird der einzige Nationalratssitz - soviel ist klar - nicht mehr der FDP gehören. Sie gibt den Sitz nach über 100 Jahren kampflos auf. Unklar hingegen ist, wer in Gabi Hubers Fussstapfen treten wird. Chancen ausrechnen können sich CVP und SVP (Zum Artikel »).

In Schwyzkämpfen vier Bisherige von SVP, CVP, FDP und SP um die vier dem Kanton zustehenden Nationalratsmandate. Chancen auf einen zweiten Sitz hat einzig die SVP - zu wessen Lasten, ist ungewiss (Zum Artikel »).

Ständerat: Die Ausgangslage in der Zentralschweiz

10 Ständeratssitze sind in der Zentralschweiz zu verteilen – 29 Kandidaten stellen sich zur Wahl. Vor vier Jahren waren es noch 23. Das dürfte auch damit zu tun haben, dass gleich in fünf Kantonen (Luzern, Zug, Uri, Ob- und Nidwalden) heuer je ein Sitz im Stöckli frei wird. Anders als vor vier Jahren (Nidwalden) gibt es auch nirgends stille Wahlen.

Spannung in Luzern

In Luzern will die FDP den Sitz des abtretenden Georges Theiler mit dem 31-jährigen Hitzkircher Damian Müller verteidigen. Zumindest ein Erfolg bereits im ersten Wahlgang erscheint unwahrscheinlich, auch wenn Müller mit dem unbestrittenen bisherigen Konrad Graber (CVP, Kriens) auf den offiziellen FDP- und CVP-Listen firmiert. Zu gewichtig sind die Gegner. Auf der rechten Seite die Krienser SVP-Nationalrätin Yvette Estermann, auf der linken Seite die Präsidentin der Stiftung für Konsumentenschutz, Nationalrätin Prisca Birrer-Heimo (SP, Rothenburg) und der Grüne Nationalrat Louis Schelbert (Luzern), der bei Wahlen insbesondere in der Stadt Luzern immer wieder sehr gute Resultate erzielt. Auch ein weiterer Nationalrat, Roland Fischer (GLP, Udligenswil), dürfte dem FDP-Kandidaten Müller einige Stimmen kosten. Geringe Chancen hat einzig der parteilose Malterser Rudolf Schweizer.

Zug: Populärer CVP-Kandidat

In Zug wird die Wiederwahl von Joachim Eder (FDP) unbestritten sein. Der ehemalige Zuger Gesundheitsdirektor konnte vor vier Jahren den FDP-Sitz des abtretenden Rolf Schweiger bereits im ersten Wahlgang verteidigen. Gleiches soll nun Regierungsrat Peter Hegglin (Edlibach) für die CVP schaffen. Sie hat den Sitz des zurücktretenden Peter Bieri zu verteidigen. Obwohl die Konkurrenz mit Manuel Brandenberg (Chef der SVP-Kantonsratsfraktion, Zug), SP-Kantonalpräsidentin und Kantonsrätin Barbara Gysel und dem Alternativen Kantonsrat Andreas Lustenberger (Baar) namhaft ist, wäre es keine Sensation, wenn der populäre Zuger Finanzdirektor den Sprung ins Stöckli bereits im ersten Wahlgang schaffen würde. Bei allen vier Wahlen in den Zuger Regierungsrat seit 2003 wurde Hegglin jeweils souverän gewählt. Chancenlos wird Stefan Thöni von der Piratenpartei sein.

Obwalden: Duell der «Grossen»

Spannender dürfte es in Obwalden zu und her gehen: Den langjährigen FDP-Sitz von Hans Hess machen seinem Parteikollegen André Windlin sowohl die CVP mit Erich Ettlin als auch die SVP mit Adrian Halter streitig. Es ist wohl mit einem zweiten Wahlgang zu rechnen. Ettlin und Windlin teilen sich die Stimmen ihrer Gemeinde Kerns, der Wähleranteil der SVP genügt nicht für den ersten Wahlgang, die FDP hat die Unterstützung der SP, derweil nicht alle goutieren, dass die CVP neben ihrem Fraktionskollegen Karl Vogler (CSP) im Nationalrat auch den Ständeratssitz anpeilt.

Nidwalden: Zweikampf

Auch in Nidwalden wollen drei in den Ständerat: Neben Therese Rotzer-Mathyer (CVP) und Hans Wicki (FDP) hat sich kurzfristig noch der parteilose Querdenker Josef Käslin angemeldet. Der Kampf um den Sitz des Bisherigen Paul Niederberger (CVP) wird sich auf jeden Fall zwischen CVP und FDP entscheiden. Die Ausgangslage zwischen dem kantonalen Baudirektor Wicki und der CVP-Präsidentin und Landrätin Rotzer gilt für viele als durchaus offen, der eine profitiert von seiner Bekanntheit, sie vom Frauenbonus.

Uri: Baumann und Dittli

Mit dem bisherigen Isidor Baumann (CVP) und FDP-Regierungsrat Josef Dittli gibt es im Kanton Uri nur zwei offizielle Kandidaten für den Ständerat. Da der Kanton Uri bei eidgenössischen Wahlen keine stillen Wahlen kennt und sich theoretisch noch bis am Wahltag Kandidaten erklären können, braucht es am 18. Oktober doch noch die Bestätigung der Wahlberechtigten.

Schwyz: Alle gegen die SVP

Einzig im Kanton Schwyz treten beide Ständeräte wieder an. Trotzdem wollen gleich sechs Kandidaten versuchen, der SVP einen ihrer beiden Ständeratssitze abzujagen, die von Peter Föhn (Muotathal) und Alex Kuprecht (Pfäffikon) gehalten werden. Insbesondere die CVP will mit ihren beiden Kandidaten, dem Wollerauer Gemeinderat Marco Casanova und Kantonsrat Bruno Beeler (Goldau), versuchen, den vor vier Jahren verlorenen Sitz wieder zurückzuerobern. Hoffnungslos ist dieses Unterfangen nicht: Die SVP-Doppelvertretung im Stöckli ist nicht überall im Kanton Schwyz gern gesehen. Und in einem allfälligen zweiten Wahlgang dürften die Karten ganz neu gemischt werden. Gespannt darf man auch auf das Abschneiden der parteilosen Kandidaten sein: Insbesondere die Kommunikationsberaterin und Verwaltungsratspräsidentin der Rotenflue-Bahn, Nathalie Henseler (Rickenbach), wird ein zumindest achtbares Resultat eingeräumt. Als Aussenseiter gelten der zweite Parteilose, der Altendorfer Kaufmann Albert Knobel und die beiden Juso- Kandidaten Thomas Büeler und Elias Studer.

Die Online-Redaktion hält Sie auf dem Laufenden

Ab 12 Uhr sind Sie auf unseren Online-Portalen laufend informiert über den Ausgang der Wahlen in allen sechs Zentralschweizer Kantonen und in der übrigen Schweiz. Wir liefern grafisch angereicherte Zwischenergebnisse, viele Bilder aus den Wahlzentren und Urnenbüros, sowie sämtliche Resultate aller Gewählten und Nichtgewählten im Laufe des Nachmittags und Abends online. Zudem sind Sie auch auf Twitter und Facebook bestens informiert. Tele 1 berichtet zudem ab 15 Uhr stündlich aus dem Wahlstudio. Radio Pilatus sendet ab 12 Uhr halbstündlich ausführliche Beiträge.

Die Neue Luzerner Zeitung und ihre Regionalausgaben berichten am 19. Oktober ausführlich über die Wahlen 2015, mit Resultaten, Grafiken, Auswirkungen, Analysen, Kommentaren, vielen Bildern und Stimmen von Siegern und Verlierern.

Der Zeitplan

Diese Zeitschätzung setzt voraus, dass bei der Auszählung in den Urnenbüros und bei der Übermittlung der Wahlresultate an die Zentrale keine grösseren Verzögerungen auftreten.

Luzern: 16 Uhr: Ergebnis Ständerat; 19 Uhr: Ergebnis Nationalrat
Zug: 14.30 - 16 Uhr
Nidwalden: 12.45 Uhr
Obwalden: 14 Uhr
Uri: 14 Uhr
Schwyz: 18 Uhr

rem/sda/ca