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WAHLEN: «Die Zukunft des Dorfes aktiv mitgestalten»

Das Interesse an der Kommunalpolitik geht allgemein eher zurück. Im Vorfeld der Wahlen sprechen zwei Freiämter Gemeindeammänner über Sonnen- und Schattenseiten ihres Amtes.
Cornelia.bisch@zugerzeitung.ch
Sie sind Kommunalpolitiker aus Überzeugung: Hans-Peter Budmiger (links, Muri) und Michel Greber (Bettwil).

Sie sind Kommunalpolitiker aus Überzeugung: Hans-Peter Budmiger (links, Muri) und Michel Greber (Bettwil).

Am 24. September wählen die Freiämter Stimmbürger ihre ­Gemeindebehörden für die Amtszeit 2018/22. Vor allem für ­kleinere Gemeinden ist es oft schwierig, genügend Kandidaten zu finden. Auch grössere Gemeinden spüren einen Rückgang an Interesse. «Sicher ist das teilweise auf die geringe Entschädigung zurückzuführen. Aber vielleicht ist es auch ein Zeitphänomen, dass man sich immer weniger verpflichten möchte», vermutet Michel Greber, seit 12 Jahren Gemeinderat und -ammann des kleinen Ortes Bettwil am Lindenberg. Für die beiden frei werdenden Sitze standen in seiner Gemeinde zuerst ausschliesslich die parteilosen Kandidaten Peter Loibl und Marcel Huber zur Wahl. «Im letzten Moment haben sich zwei weitere Kandidaten gemeldet, Peter Keusch und Claudia Gauch-Hoppler von der SVP», so Greber. Peter Keusch kandidiert sogar gleich für Grebers Amt als Gemeindeammann und macht damit Kurt Brunner Konkurrenz, einem bisherigen Gemeinderat, der ebenfalls für den Posten des Ammanns kandidiert. «Das wird für uns auf jeden Fall eine spannende Wahl.»

Anders in der Zentrumsgemeinde Muri, wo sich sämtliche bisherigen Gemeinderäte ohne Herausforderer zur Wiederwahl stellen. «In der Vergangenheit hatten wir jedoch bei Ersatz- oder Neuwahlen immer eine Auswahl an Kandidaten zur Verfügung», sagt Gemeindepräsident Hans-Peter Budmiger.

Grosse Unterschiede bei der Honorierung

Während Budmiger sein Amt teilweise zum Beruf machte, musste Greber das 20- bis 30-Prozent-Pensum nebenher schaffen. Auch lohntechnisch hinkt Bettwil der grossen Schwester im Tal ziemlich hinterher. Während der Gemeindepräsident in Muri für das 70- bis 80-Prozent-Pensum eine jährliche Entschädigung von 80 000 Franken erhält, muss sich sein Amtskollege in der kleinen Gemeinde mit 14 750 Franken jährlich zufriedengeben, was hochgerechnet lediglich rund der Hälfte entspricht. «Ich glaube, wir müssen weiterhin über die Verpflichtungen in Relation zur Entschädigung sprechen, über die Erwartungen der Bevölkerung und deren Bereitschaft, Leistungen entsprechend zu honorieren», ist Budmiger überzeugt. Aber des Geldes wegen lässt man sich nicht in dieses Amt wählen. «Meine Motivation war und ist, die Zukunft des Dorfes aktiv mitzugestalten. Hier geht es wirklich in erster Linie um die Gemeinde, in der man lebt und die Heimat bedeutet», betont Greber. «Auf kommunaler Ebene kann man in der Politik ganz konkret und direkt mitwirken. Es geht um ehrliche Arbeit und nicht um politische Phrasendrescherei», spricht Budmiger Klartext. Während grosse Gemeinden in der Regel nach einem Geschäftsleitungsmodell mit einer soliden Administration im Rücken funktionieren, nehmen Gemeinde­räte und -ammänner kleiner Gemeinden auch viele operative Aufgaben wahr. «Bei uns im Dorf wird oft noch direkt mit den betroffenen Personen gesprochen, wenn etwas ansteht. Auch Entscheidungen werden zusätzlich zur schriftlichen Form auch mündlich mitgeteilt», erzählt Greber. Jubilaren schüttelt er persönlich die Hand. «Ich denke, ich bekomme grundsätzlich mehr Unterstützung als mein Kollege aus Bettwil», so Budmiger. «Dafür sind die Aufgaben in der Menge und Komplexität grösser. Aber beide haben wir die gleiche Aufgabenbreite, und da ist die Situation in kleinen Gemeinden sicher enorm schwierig.» Auf der anderen Seite werde von ihm auch in regionalen Fragen häufig eine gewisse Führungsrolle erwartet, was einen wesentlichen Teil seiner Arbeit ausmache.

Viel Freizeit haben die beiden Lokalpolitiker nicht. Das sei nicht immer leicht für Ehepartner und Familie. «Es geht nur, weil ich eine verständnisvolle und flexible Frau habe», betont Budmiger und sein Kollege nickt zustimmend. Anfeindungen erleben die beiden kaum. Auch Anrufe zu später Stunde oder an Feiertagen gebe es äusserst selten. «In der Regel geht es in den Diskussionen sachlich zu. Man bekommt sogar ab und zu erfreuliche Mails, die einen aufstellen», hält Greber fest. Und sein Kollege ergänzt: «Man muss mit Kritik umgehen können und braucht eine gesunde Portion Selbstvertrauen. Ich finde jedoch, dass mit uns in Muri immer sehr anständig umgegangen wird.»

Cornelia Bisch

cornelia.bisch@zugerzeitung.ch

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