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WANDERN: Nach zwei Todesfällen: Wie gefährlich ist der Pilatus?

Innert weniger Tage sind am Pilatus gleich zwei Männer aus der Region tödlich verunglückt. Experten warnen vor den Tücken des Berges – und vor Selbstüberschätzung.
Yasmin Kunz
Spezielle Abendstimmung rund um den Pilatus und Luzern. (Bild: Leserbild Peter Gonser)

Spezielle Abendstimmung rund um den Pilatus und Luzern. (Bild: Leserbild Peter Gonser)

Yasmin Kunz

Am Mittaggüpfi am Pilatus ist am Dienstagnachmittag ein Wanderer auf dem Weg Richtung Stäfeli im steilen Gelände abgestürzt. Dabei hat sich der 57-jährige Luzerner tödliche Verletzungen zugezogen, wie die Luzerner Polizei gestern mitteilte. Warum der Mann abstürzte, ist unklar. Erst am Montag hatte die Kantonspolizei Obwalden nach stundenlanger Suche im Gebiet Mattzug am Pilatus unterhalb einer steilen Felswand einen 53-jährigen Luzerner tot geborgen.

Auch in den letzten Jahren kam es immer wieder zu Todesfällen am Pilatus:

  • 29. August 2015: Beim Abstieg vom Pilatus Richtung Fräkmünt gerät ein 53-jähriger Schweizer ins Rutschen und stürzt 35 Meter die Felswand hinunter.
  • 11. November 2014: Ein 42-jähriger Mann aus Ungarn stirbt im Gebiet Treichen in der Nähe der Steinbockhütte.
  • 15. Oktober 2014: Eine Zürcherin stürzt in steilem und nassem Gelände im Gebiet Ämsigen 100 Meter in die Tiefe.
  • 7. Juni 2014: Ein 29-jähriger Biker aus Russland rutscht im steilen Hang vom Pilatus zur Fräkmünt aus.
  • 2. August 2012: Ein 78-jähriger Luzerner stürzt am Tomlishorn 150 Meter in die Tiefe.

Mit Blick auf die jüngsten zwei Todesfälle stellt sich die Frage: Ist der Pilatus derzeit besonders gefährlich?

Otto Sidler, Präsident von Pro Pilatus und selber begeisterter Wanderer, sagt: «Dass gleich zwei Personen so kurz nacheinander abgestürzt sind, ist wohl Zufall. Denn aktuell herrscht ideales Wanderwetter.» Ideal heisse, das Gelände sei trocken, und es bestehe keine Rutschgefahr. Zudem sei das Wetter während der letzten Tage sehr schön gewesen. Gefährlich sei der Pilatus grundsätzlich nicht, sagt Sidler. Er räumt aber ein: «Es gibt ein paar Stellen, die anspruchsvoll sind und sich nur für erfahrene Berggänger eignen.» So beispielsweise die Nordseite von der Fräkmüntegg auf den Pilatus. «Die Wege dort sind zum Teil steil, exponiert und eng.» Nicht zu unterschätzen sei auch das Wechselspiel von Sonne und Schatten, so Sidler.

Experte: «Die Wege sind sicher»

Pro Pilatus ist eine Zentralschweizer Vereinigung, die unter anderem dafür sorgt, dass die Wanderwege sicher sind. Wird die Vereinigung nach den beiden Todesfällen nun weitere Vorkehrungen treffen? «Die Wege sind jetzt bereits sicher. Wir sehen deshalb keinen Bedarf, Massnahmen zu ergreifen.» Um Unfälle in den Bergen zu verhindern, müssten die Wanderer vor allem ihre eigenen Fähigkeiten richtig einschätzen. «Meistens passieren solche Unfälle, weil sich die Wanderer überschätzen.» Dem pflichtet auch Sportmediziner Urs Müller vom Luzerner Kantonsspital bei: «Wandern darf nicht unterschätzt werden. Auch dabei braucht man koordinative Fähigkeiten, um im unebenen Gelände das Gleichgewicht nicht zu verlieren.» Diese seien wichtig, nehme aber im Alter ab. Die nachlassenden Fähigkeiten seien insbesondere beim Abstieg ein Problem. «Bedingt durch die Müdigkeit und die Freude über den geschafften Aufstieg lässt beim Absteig meist auch die Konzentration nach. Dies wiederum erhöht die Unfallgefahr», fügt Müller an.

Die grösseren Gefahren birgt der Aufstieg. Müller erklärt: «Oft werden die altersbedingten Veränderungen unseres Herz-Kreislauf-Systems unterschätzt. Beim Wandern tritt erschreckend oft der plötzliche Herztod ein.» Deshalb rät der Experte weniger versierten Berggängern, zuerst mit einfacheren Wanderungen zu beginnen. Sidler von Pro Pilatus ergänzt: «Sehr wichtig sind auch gutes Schuhwerk und genügend Flüssigkeit.»

Sidler kennt noch eine weitere Gefahrenquelle: «Einige nehmen – während sie noch wandern – das Handy aus dem Rucksack, um Fotos zu machen.» Gleichzeitig wandern und fotografieren sei gefährlich, weil man dann den Blick nicht mehr auf den Weg gerichtet hat. «Einen Misstritt am Berg kann man sich nicht leisten.»

Das Gebiet um das Mittagsgüpfi ist steil und felsig. (Bild: Google Maps)

Das Gebiet um das Mittagsgüpfi ist steil und felsig. (Bild: Google Maps)

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