Kommentar

WEF-Flucht ins Ausland nach internationaler Kritik: Ein fragwürdiger Entscheid

Weil die Schweiz als «Pandemie-Hotspot» gilt und internationale Top-Gäste das WEF deswegen kritisieren: Die Vorbereitungen für eine Verlegung des Weltwirtschaftsforums 2021 von Luzern/Bürgenstock nach Singapur laufen bereits. Damit wird die Organisation viel Goodwill seitens der Schweiz verspielen.

Jérôme Martinu
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Jérôme Martinu, Chefredaktor Luzerner Zeitung und Regionalausgaben

Jérôme Martinu, Chefredaktor Luzerner Zeitung und Regionalausgaben

Bild LZ

Das Vorgehen ist schon sehr speziell. Während die Organisatoren des Weltwirtschaftsforums WEF offenbar bereits über einen neuen Austragungsort für 2021 verhandeln, hielten sie es bislang nicht mal für nötig, die Regierungen in Luzern und Nidwalden zu informieren: Das Forum wird kaum in Luzern und auf dem Bürgenstock stattfinden, sondern höchstwahrscheinlich in Singapur. Das zeigen Recherchen unserer Zeitung.

Bislang als Austragungsort gesetzt, hat der Wind für Luzern/Bürgenstock in den letzten Tagen gedreht. Grund: Die Schweiz wird derzeit als «Pandemie-Hotspot» betrachtet. Die bis vor kurzem stark steigenden Ansteckungsraten sorgten für negative Schlagzeilen, internationale Top-Leute kritisieren entsprechend das WEF.

Ein Funken Hoffnung besteht zwar noch, aber die Zentralschweiz muss sich auf eine Stornierung einstellen. Eine Absage wäre sehr bedauerlich wegen des wegfallenden wirtschaftlichen Impacts in der Region. Fragwürdig ist nicht nur der Rückzug auf Raten, sondern auch der Entscheid der Stiftung als solches. Jetzt die Covid-Risiken für Mai 2021 abzuschätzen, das ist nicht nur hierzulande unmöglich. Ergo: Wenn das Jahrestreffen wirklich physisch stattfinden soll, sollte das weiterhin in der Schweiz sein. Dort, wo die WEF-Organisation ihren Sitz hat und wo sie gerade Dank der Kooperationsbereitschaft der offiziellen Schweiz überhaupt erst zu einer globalen Grösse werden konnte. Mit der «Flucht» ins Ausland wird unnötig viel Goodwill verspielt.