Weltwirtschaftsforum

Singapur statt Bürgenstock? Luzerner und Nidwaldner Regierung wurden von der Verlegung des WEF-Austragungsortes überrascht

Wegen der hohen Coronazahlen in der Schweiz könnte das WEF nicht in der Innerschweiz, sondern im Ausland durchgeführt werden. Die Regierungen in Luzern und Nidwalden wünschen sich jetzt rasch Klarheit und hoffen auf eine Entspannung der Coronasituation.

Matthias Piazza und Alexander von Däniken
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Erst ging es von Davos in die Innerschweiz. Und jetzt vermutlich weiter ins Ausland, genauer gesagt nach Asien: Das Weltwirtschaftsforum 2021 könnte gemäss Informationen unserer Zeitung nicht wie angekündigt auf dem Bürgenstock, sondern in Singapur stattfinden.

WEF-Gründer Klaus Schwab soll offenbar persönlich nach Singapur geflogen sein, um die Details für die Durchführung vor Ort zu besprechen. Das Weltwirtschaftsforum wollte sich am Montag nicht zu den Recherchen unserer Zeitung äussern. Ein Sprecher sagte nur: «Wir sind dabei, Optionen zu prüfen, und werden uns noch vor Weihnachten entscheiden.»

Während die WEF-Organisatoren also Alternativen zum Bürgenstock prüfen, weiss man in der Innerschweiz noch nichts von diesen Plänen – wie die Reaktionen in den beiden Austragungskantonen Luzern und Nidwalden zeigen:

Bisher habe man von offizieller Seite noch keine anderslautenden Informationen zum geplanten Durchführungsort Luzern/Bürgenstock vernommen, sagt der zuständige Nidwaldner Regierungsrat und Volkswirtschaftsdirektor Othmar Filliger auf Anfrage. Mit den Organisatoren des WEF stehe die Nidwaldner Regierung im regelmässigen Austausch, dabei dürfte nächstes Mal auch die Standortfrage angesprochen werden. Die Planungen würden daher bis auf weiteres im vorgesehenen Rahmen fortgesetzt. So betont Filliger:

«Es ist aber auch in unserem Interesse, wenn der definitive Standort für das nächstjährige WEF baldmöglichst feststeht.»

Filliger gibt die Hoffnung noch nicht auf: «Natürlich würden wir uns über eine Durchführung auf dem Bürgenstock und in Luzern nach wie vor sehr freuen.» Dass das WEF andere Standorte prüfe, sei legitim und angesichts der weltweit angespannten Coronasituation nicht überraschend. Und er fügt an: «Wir sind aber überzeugt, dass wir mit einem ausgereiften Konzept die Sicherheit auch bezüglich Corona bei uns ebenso gewährleisten könnten, sowohl was die Unterbringung der Gäste als auch die Konferenz selber betrifft.»

Der Zeitplan für die Durchführung ist eng

Auch der Luzerner Regierungspräsident Reto Wyss hat nicht gewusst, dass Singapur im Rennen sei. Auch andere mögliche Standorte seien vom WEF noch nicht kommuniziert worden. Dennoch seien die involvierten Kantonsregierungen mit den Verantwortlichen des Forums in einem regelmässigen Austausch. Trotz der schwierigen Lage gibt sich Wyss zuversichtlich:

«Es war von Anfang an klar, dass die Austragung des WEF in der Zentralschweiz am Coronavirus scheitern könnte. Bis im Frühling kann die Situation aber wesentlich besser werden.»

Entsprechend sei auch die Planung kurzfristig angelegt, so Wyss weiter. Der Zeitplan sei zwar eng, lasse aber einen definitiven Entscheid Anfang nächsten Jahres noch zu.