Wer wird unser vierte Held?

Jetzt stellen wir den vierten Zweiervorschlag für die Wahl der Zentralschweizer Helden des Jahres vor. Zur Auswahl stehen Ramona Gubser (19) und Cécile Beck (78).

Drucken
Teilen
Ramona Gubser (links) und Cécile Beck. (Bild: Werner Schelbert und Maria Schmid / Neue LZ)

Ramona Gubser (links) und Cécile Beck. (Bild: Werner Schelbert und Maria Schmid / Neue LZ)

Einem E-Biker erste Hilfe geleistet

Der Verkehr auf der Maihofstrasse in Luzern fliesst an diesem Junimorgen zäh wie jeden Tag zur Stosszeit. Auch Ramona Gubser (19) steckt mit ihrem Auto in der Kolonne. Die angehende Fachangestellte Gesundheit aus Baar ist auf dem Weg zur Berufsschule. In wenigen Minuten sollte der Unterricht beginnen, doch Ramona verpasst die ersten drei Lektionen. Die junge Frau wird an diesem Morgen anstelle trockener Theoriestunden ein unfreiwilliges Praktikum absolvieren.

Bei der Verzweigung Richtung Sedel wechselte ein Lastwagen die Spur und hält urplötzlich an. An der nahe gelegenen Bushaltestelle kommt Hektik auf. «Ich sah, dass die Leute dort kreischten, zu dem Lastwagen blickten, und ahnte, dass ein schwerer Unfall passiert war», sagt Ramona Gubser.

Sie stellte den Motor ab, schaltete die Warnblinker ein und eilte los. «Unter dem Lastwagen lag ein Mann. Er war unglücklich mit seinem E-Bike verheddert und blutete stark. Es war schwierig, abzuschätzen, wie schlimm er verletzt war», erinnert sich Ramona.

Die Leute vor Ort hätten nur zugeschaut. Ramona Gubser fährt fort: «Also machte ich das, was es in so einer Situa-tion zu tun gibt.» Sie habe wie automatisch den Kopf des Mannes in ihre Hände genommen, mit ihm geredet und versucht, ihn unter dem Fahrzeug hervorzuziehen. Daraufhin habe sie eine Frau geheissen, den Notruf zu alarmieren, und eine weitere Person angewiesen, aus ihrem Auto eine Wolldecke zu bringen.

Durch die rasche Hilfe verlief die Rettung relativ unkompliziert. Auch der Rettungsdienst war bald vor Ort. Ramona: «Die Sanitäter baten mich, ihnen bei der Bergung des Mannes zu helfen. Es war schwierig, den Patienten auf die Bahre zu hieven.» Dass sie in einer solchen Situation Hilfe leiste, stehe für sie ausser Frage. «Ich habe automatisch das getan, was ich für richtig hielt.»

Plötzliche Unsicherheit

Nachdem der Verletzte ins Spital überführt worden sei, habe sie bei der Polizei eine Zeugenaussage gemacht. In der Schule ist sie mit zweieinhalbstündiger Verspätung erschienen. Sie berichtete, was sich ereignet hatte. Doch auf den Unterricht konzentrieren konnte sie sich an diesem Tag nicht mehr. «Plötzlich ging mir der Laden runter. Ich wurde unsicher, ob ich wirklich das Richtige gemacht hatte. Mein Freund kam dann nach Luzern und fuhr mich nach Hause.»

Später habe sie ins Spital angerufen und sich nach dem Gesundheitszustand des Mannes erkundigt. «Logischerweise gaben sie mir keine Auskunft - aus Datenschutzgründen», sagt sie. Auf Umwegen habe sie dann erfahren, dass er sich von den mittelschweren Verletzungen erholt habe. Von ihm selber hat sie nie etwas gehört.

Der Unfall war für Ramona keine Premiere. «Ich gerate immer wieder in solche Situationen.» Am Open Air in Frauenfeld war ein Bursche vor ihr ausgerutscht und brach sich den Unterschenkel, und in Zürich kümmerte sie sich vor zwei Jahren um einen älteren Mann, der einen Herzinfarkt erlitten hatte. «Ich helfe gerne. Aber es wäre nicht unbedingt nötig, dass ich regelmässig als Samariterin agieren muss», sagt sie. Dennoch habe sie immer eine Apotheke und sterile Handschuhe im Auto.

Unterstützung für die Ärmsten der Welt

In Indien wird sie von vielen Leuten Mamma Cécile genannt. Diesem Namen wird die 78-jährige Luzernerin Cécile Beck mehr als gerecht. Die Frau sammelt seit Jahren Geld für Projekte für benachteiligte Menschen weltweit. So setzt sie sich etwa für Strassenkinder in Indien ein. Mit Spenden unterstützt sie Zentren für die Strassenkinder, Unterkünfte, Häuser, Schulen oder Werkstätten für die Ausbildung vieler Jugendlicher im Werk der Salesianer Don Boscos in Indien.

«Als ich 1983 zum ersten Mal im Bundesstaat Andhra Pradesh war, zeigte mir Pater Koshy, einer der Salesianer Don Bosco, wie die Kinder auf der Strasse leben müssen. Mit dem Sammeln von Glas, Papierabfall verdienen sie einige Rupien», erzählt Cécile Beck. Die Kinder unterhalten mit diesen kleinen Beträgen ihre Familien. «Aber viele erliegen der grossen Versuchung in den Städten und verputzen ihr schwer verdientes Geld.» Die Bilder der teilweise völlig verwahrlosten Kinder und die tragischen Umstände, unter denen sie leben, hatten Cécile Beck tief berührt.

Auf die Zukunft vorbereiten

«Durch die Hilfe, an der auch viele gute Freunde beteiligt sind, können Obdachlose und Strassenkinder betreut werden. Diese ermöglicht ihnen den Schulbesuch und eine berufliche Ausbildung.» Somit werden die Kinder und Jugendlichen auf ihre Zukunft vorbereitet und fähig, ihren Alltag später selbstständig zu meistern. «Ich durfte viele Jugendliche kennen lernen, die einst Strassenkinder waren und heute ihren Alltag vorbildlich meistern», sagt Cécile Beck.

Ein Freund von ihr, der sie dieses Jahr nach Indien begleitete, sagt über sie: «Mamma Cécile ist wahrscheinlich die geschickteste Bettlerin. Sie hat schon viel für die Ärmsten der Welt getan.»

Bei unserem Besuch in ihrer Luzerner Wohnung ist zufällig Pater Noel Maddhichetty, Salesianer Don Boscos und ehemaliger Provinzial der indischen Provinz Hyderabad, anwesend. Er ist von einem Aufenthalt in Wien auf der Durchreise als Gast bei Cécile Beck. «Mamma Cécile setzt sich nicht nur für die Strassenkinder ein, sondern vermittelt auch Patenschaften für Theologiestudenten, begleitet Missionare und vieles mehr», sagt er. Vielen Jugendlichen wäre ein Studium ohne Hilfe von aussen kaum möglich gewesen, so Pater Noel. Er weiss um die Bedeutung der Patenschaften, denn Mamma Cécile ist seine Patenmutter. Durch seine Tätigkeit im Werk der Don-Bosco-Salesianer steht er ihr beratend bei.

Cécile Beck sagt, dass sie nicht etwas so Aussergewöhnliches leiste. Sie unterstütze auch nicht wahnsinnig viele und grosse Projekte. «Aber ich weiss, wer von den Spenden profitiert, in welche Hände die Spenden fliessen, und alle fünf Jahre besuche ich die Projekte.» Die Reisen bezahlt die Frau selbstredend aus dem eigenen Sack. «Ich würde nie nur einen Franken aus den Spendengeldern für mich brauchen», sagt sie.

Roger Rüegger

Serie Unbekannte Helden

Heute stellen wir den vierten Zweiervorschlag für die Wahl der Zentralschweizer Helden des Jahres vor. Die Personen zeichnen sich aus durch ihr selbstloses, mutiges und aussergewöhnliches Handeln. Aus diesem Duo wählen Sie, liebe Leserinnen und Leser, jetzt den vierten Quartalshelden. Ende Jahr werden die Heldinnen und Helden aus unserer Region feststehen. Aus diesem Quartett wählt die Jury unter dem Präsidium der Obwaldner Regierungsrätin Esther Gasser Pfulg den «unbekannten Helden» des Jahres.

Stimmen Sie ab via Telefon:

Cécile Beck, Telefon 0901 81 80 01

Ramona Gubser, Telefon 0901 81 80 02

Tarif: Fr. 1.-/Anruf, Festnetztarif

Internet:

Die Abstimmung dauert bis zum Freitag, 23. November, 12 Uhr. Unter den Teilnehmern verlosen wir drei Brunch-Gutscheine für je zwei Personen für die Heini Conditorei AG, Luzern. Die Vorschläge für die beiden Helden eingereicht haben Hans Schorno-Grossmann, Brunnen, und Elsbeth Gubser, Baar. Sie erhalten je einen Gutschein für ein Dreigangmenü und eine Übernachtung mit Frühstück im Art Deco Hotel Montana, Luzern, für zwei Personen. Die Serie wird unterstützt durch Raiffeisenbanken Zentralschweiz, Gübelin AG und Medienpartner Tele 1.

Vorschläge für «unbekannte Helden» für das Jahr 2013 können eingereicht werden: oder LZ Medien, «unbekannte Helden», Maihofstrasse 76, 6002 Luzern.